Anleihemarkt: Renditen steigen


11.10.19 15:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wird es zum Wochenausklang fassbare Fortschritte im Handelskonflikt zwischen den USA und China geben? Und liefern die Briten kurz vor Schluss doch noch eine gangbare Lösung für einen EU-Austritt mit Vertrag? Anleger scheinen guter Hoffnung und trennen sich verstärkt von als sicher geltenden Bundesanleihen, so die Deutsche Börse AG.

"Im Laufe der Woche verlor der Euro-Bund-Future deutlich an Gewicht", stelle Arthur Brunner von der ICF Bank fest. Nach 173,88 Prozent am Montag sei das Barometer für die künftigen Zinserwartungen am Morgen mit 172,71 Prozent in den Handel gestartet. Auch US-Staatsanleihen hätten eingebüßt, aktuell würden zehnjährige Treasuries eine Rendite von 1,66 Prozent bringen.

Marktteilnehmer seien sich darüber einig, dass es auf kurze Sicht allenfalls eine Teillösung im Zolldisput geben werde. Diese könnte nach Ansicht der HSBC beispielsweise eine Verpflichtung zum Ankauf von US-Agrargütern durch China beinhalten. Die Vereinigten Staaten würden in dem Fall zunächst von der Implementierung weiterer Zölle auf chinesische Einfuhren absehen.

Für Folker Hellmeyer von Solvecon steige der Druck auf Donald Trump. Unter anderem hätten sich mittlerweile Bremsspuren beim Absatz US-amerikanischer Autos in China gezeigt. Allein General Motors habe im dritten Quartal 17,5 Prozent weniger Fahrzeuge am weltweit größten Automarkt verkauft. Hoffnungen auf einen Kurswechsel der USA seien deshalb zwar berechtigt, mehr aber nicht.

Ob es tatsächlich zu einer Zwischenlösung komme, bleibe laut Helaba abzuwarten. Zu häufig seien die Märkte in der Vergangenheit enttäuscht worden. Durch die Vorwegnahme von Fortschritten an den Kapitalmärkten müssten Anleger bei einem negativen Gesprächsverlauf mit entsprechenden Gegenreaktionen rechnen. Andererseits würden greifbare Fortschritte vermutlich zu weiteren Kursverlusten am Rentenmarkt führen.

Nach dem Frühstück zwischen EU-Unterhändler Michel Barnier und dem britischen Brexit-Minister Stephen Barclay sei weiterhin unklar, ob noch rechtzeitig vor dem Austrittstermin am 31. Oktober ein Abkommen erreicht werden könne. Noch halte EU-Ratspräsident Donald Tusk eine Lösung für möglich, sollten die Vorschläge von London praktikabel sein. Für viele Kommentatoren sei die Wahrscheinlichkeit für einen geordneten Austritt derzeit zumindest höher als in den vergangenen Monaten.

Die Woche sei Brunner zufolge zudem geprägt von vielen Neuemissionen gewesen. Unter anderem habe Italien mittels drei Anleihen insgesamt sechs Milliarden US-Dollar am Kapitalmarkt eingesammelt. Für einen bis 2024 laufenden Wert zahle Rom Anlegern einen Kupon von 2,375 Prozent. Eine zehnjährige Anleihe sei mit einem jährlichen Zins von 2,875 Prozent ausgestattet. Ein dreißigjähriges Papier bringe Besitzern nominal 4,0 Prozent per Annum. Auch Unternehmen hätten laut dem Händler zahlreiche neue Bonds emittiert, meist in größeren Stückelungen. "Anleihen von Unternehmen mit Investment Grade werfen in der Regel keine oder sehr niedrige Zinsen ab und sind für Privatanleger weniger interessant", begründe Brunner.

Eine neue fünfjährige Mittelstandsanleihe (ISIN DE000A2R4KF3 / WKN A2R4KF) von Media and Games Invest komme bei den Kunden der ICF Bank derweil gut an, beriche Brunner. "Die Nachfrage ist hoch, aktuell kostet der Wert 102 Prozent." Der mit jährlich 7 Prozent verzinste Bond könne vom Emittenten vorzeitig im Oktober 2021 zu einem Rückzahlungspreis von 103 Prozent gekündigt werden. Analysten der KFM Deutsche Mittelstand würden die Aussichten für die Gesellschaft unter anderem aufgrund von derzeit über 30 gut etablierten Online-Spielen mit Bewertungen im Schnitt vier von fünf Sternen bewerten.

Anleger hätten laut Gregor Daniel zudem verstärkt zu einer 100 Millionen Euro schweren Neuemission von S Immo mit einer Laufzeit bis 15. Oktober 2029 und einem Kupon von 2,0 Prozent gegriffen. Bei einem Kurs von 103,65 Prozent komme das in Einheiten von in 500 Euro kaufbare Papier auf eine Rendite von 1,6 Prozent, wie der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berechne.

Nach wie vor gute Umsätze registriere Brunner in einer fünfjährigen, mit jährlich 5,5 Prozent verzinsten Eyemaxx Real Estate-Anleihe (ISIN DE000A2YPEZ1 / WKN A2YPEZ) und einem Floater von Tempton Personaldienstleistungen mit Fälligkeit in 2023 und einem Kupon von 6,0 Prozent über dem vierteljährlichen Euribor.

Die Aufnahme von bis zu 30 Millionen Euro erhoffe sich Saxony Minerals & Exploration (ISIN DE000A2YN7A3 / WKN A2YN7A) mit der Ausgabe einer Anleihe und biete Anlegern dafür jährlich 7,75 Prozent. Die Zeichnung des 5,5-jährigen Bonds starte ab 17. bis voraussichtlich 29. Oktober. Mit den Mitteln plane das in 2012 gegründete Rohstoffunternehmen den Abbau von Wolfram und Fluorit im sächsischen Bergwerk Pöhla voranzutreiben. (11.10.2019/alc/a/a)