Anleihen Entspannung bleibt aus


23.12.11 16:19
Deutsche Börse AG

Frankfurt (anleihencheck.de) - Vorweihnachtlich geruhsam geht es in dieser Woche im Handel mit Anleihen den Händlern zufolge zu, so die Deutsche Börse AG.

Marktbeherrschendes Thema sei laut Arthur Brunner der erste von zwei Dreijahrestendern der Europäischen Zentralbank gewesen. Die Rekordzuteilung in Höhe von 489 Mrd. Euro an den europäischen Bankensektor hätte zunächst Misstrauen hervorgerufen und den Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) beflügelt. "Damit konnte das deutsche Rentenbarometer die bis Wochenmitte angefallenen Verluste wieder wettmachen", bemerke der Händler von ICF Kursmakler. "Früher hätten Anleger aufgrund der zu erwartenden Geldschwemme Risikopositionen aufgebaut." Derzeit hätten Investoren einen erhöhten Liquiditätsbedarf eher mit zunehmenden Risiken verknüpft.

Mit Blick auf den Jahresbeginn würden dem Rentenmarkt der Helaba zufolge die Sorgen über die europäische Staatsschuldenkrise erst einmal erhalten bleiben. Dazu beitragen werde die beginnende Rezession in Italien. Zudem zeichne sich eine weitere Verzögerung bei der Umsetzung der Reformen in Griechenland ab. "Markteilnehmer positionieren sich bereits für den Jahresbeginn", beobachte die Hessische Landesbank. Allein im Januar und Februar liege der Finanzierungsbedarf von Spanien und Italien bei 200 Mrd. Euro. "Im Euroraum insgesamt werden im ersten Quartal 2012 Anleihen in Höhe von 300 Mrd. Euro fällig", berichte Brunner.

Die dadurch entstehenden Finanzlücken werde so manche Bank vermutlich partiell aus den günstigen EZB-Mitteln bedienen. "Erhofft hatte sich die Politik indes, dass die Banken teils in die höher verzinslichen Staatsanleihen der kriselnden Euroländer investieren würden", meine Brunner. Wie groß das Misstrauen unter den Banken mittlerweile sei, sei auch am Anstieg der Übernachteinlagen bei der EZB auf 347 Mrd. Euro allein am Donnerstag dieser Woche zu erkennen. Der Zins von 0,25 Prozent liege deutlich unter dem Satz, den die Banken untereinander zahlen würden. "Man traut bei großen Summen derzeit offenbar nur der EZB", schließe Brunner daraus.

Die positiven Nachrichten aus Spanien würden anhalten. Das Land habe zu Wochenbeginn Geldmarktpapiere in Höhe von knapp 6 Mrd. Euro problemlos zu deutlich niedrigeren Zinsen als zuvor platziert. Dennoch bleibe der Druck auf Italien und Spanien unverändert hoch. Die Renditen bestehender Staatsanleihen hätten sich der HSH Nordbank zufolge zuletzt wieder erhöht. Zehnjährige italienische Anleihen lägen beispielsweise erneut knapp unter der Marke von 7 Prozent. Um weiter steigende Renditen zu verhindern, werde die Europäische Zentralbank erneut mit Anleihekäufen am Markt eingreifen, wie die HSH Nordbank vermute.

Rege gehandelt würden derzeit in Kürze auslaufende Hellenen-Bonds. "Die Fantasie der Anleger ist hoch", melde Gregor Daniel. Die einen hätten gar auf eine Auszahlung von 100 Prozent bei im kommenden Jahr fällig werdenden Bonds (ISIN GR0114020457 / WKN A0LN5U; ISIN GR0110021236 / WKN A0T6US) gehofft. Andere hätten auf die Umsetzung des freiwilligen Verzichts gesetzt und sich eingedeckt, solange der Kurs unter 50 Prozent liege. Von einer deutlichen Nachfrage insbesondere von Privatanlegern spreche ein Händler der Hellwig Wertpapierhandel zudem bei einer im Mai kommenden Jahres fällig werdende Griechenlandanleihe. "Es geht wild hin und her", schließe der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.

Investoren hätten sich in dieser Woche mit ausgesuchten Unternehmensanleihen eingedeckt, wie Arthur Brunner berichte. Käufe gebe es beispielsweise in einer Anleihe (ISIN DE000A0GMHG2 / WKN A0GMHG) von Porsche mit einer Restlaufzeit bis Juni 2016 und einer aktuellen Rendite von 2,919 Prozent. Zudem verbuche ICF Kursmakler Anlegerinteresse an einer Neuemission (ISIN XS0719962986 / WKN A1GX80) von Akzo Nobel mit einem Kupon von 4 Prozent und einer Fälligkeit im November 2018.

Mit Blick auf den voraussichtlichen Einstieg von Etihad Airways bei Air Berlin würden sich Investoren laut Daniel in Bonds der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft engagieren. Anleger hätten sich zum Beispiel für eine im November 2014 fällig werdende Air Berlin-Anleihe mit einem Kupon von 11,5 Prozent interessiert. (23.12.2011/alc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

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