Anleihen-Handel: Entspannungssignale


06.04.20 09:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die massiven öffentlichen Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft im Euroraum scheinen erste Früchte zu tragen, so die Deutsche Börse AG.

Unternehmen würden sich wieder verstärkt über den Bondmarkt refinanzieren. Trotz "Quasi-Stillstand" bis zum 20. März seien vergangenen Monat laut Paula Weißhuber von der Bank of America Anleihen im Volumen von über 59 Milliarden Euro von Firmen und Finanzinstitutionen im Euromarkt platziert worden. Damit seien die 55 Milliarden Euro vom März 2019 binnen eineinhalb Wochen übertroffen worden.

Hierzulande werde der Optimismus unter anderem von der Aussicht auf Mittel aus dem Corona-Stabilisierungsfonds der Bundesregierung getragen. Dieser halte insgesamt 400 Milliarden Euro für die Refinanzierung von Unternehmen über den Kapitalmarkt bereit. Noch werde an den Details der Hilfen gefeilt. Klar scheine aber, dass die Garantien für Bonds auf fünf Jahre festgelegt würden. Unternehmen müssten zudem bestimmte Kriterien erfüllen, um sie in Anspruch nehmen zu können.

"DAX-Konzerne wie VW, Daimler und Fresenius sind bereits aktiv und bieten anders als in den vergangenen Jahren auch für Privatanleger attraktive Konditionen jenseits der 0 bis 1 Prozent", stelle Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank fest.

Für einen fünfjährigen Bond (ISIN XS2152062209 / WKN A2LQ6K) biete der VW-Konzern zum Beispiel jährlich 3 Prozent. Ein bis 2023 laufender Wert (ISIN XS2152058868 / WKN A2LQ6H) bringe Investoren einen Kupon von 2,5 Prozent und für eine Anleihe mit Fälligkeit in 2028 (ISIN XS2152061904 / WKN A2LQ6L) hätten die Wolfsburger 3,375 Prozent Zinsen auf den Tisch gelegt. Die Emissionen in Stückelungen von 1.000 Euro hätten insgesamt 2,15 Milliarden Euro in die VW-Kassen gespült.

Daimler bringe Käufern für einen fünfjährigen Bond (ISIN DE000A289RN6 / WKN A289RN) im Volumen von 1,5 Milliarden Euro nominal 2,625 Prozent Zinsen im Jahr.

Fresenius komme Petz zufolge mit einem Kupon von 1,625 Prozent für eine Anleihe (ISIN XS2152329053 / WKN A254TA) mit Fälligkeit in 2027 etwas günstiger davon. "Das liegt an der Branche." Fresenius verdiene sein Geld in der Medizintechnik und Dienstleistungen in der Gesundheitsbranche.

Dem gegenüber habe die Deutsche Bahn einen 900 Millionen Euro schweren, siebenjährigen Bond (ISIN XS2152932542 / WKN A254TB) erfolgreich am Markt platziert und zahle Anlegern dafür jährlich 0,5 Prozent Zinsen.

Laut Arthur Brunner von der ICF Bank habe es in der letzten Woche viele Neuemissionen gegeben. "Dank Europäischer Zentralbank funktionieren die Kreditmärkte gut." Staaten wie Portugal und Belgien (ISIN BE0000351602 / WKN A28VNV) hätten sich problemlos und zu annehmbaren Konditionen am Markt refinanziert. "Die Bonds waren sehr stark gefragt."

Selbst im Handel mit höher verzinsten Unternehmensanleihen sehe Brunner insgesamt leichte Entspannungstendenzen. "Die Lage hat sich etwas beruhigt", beschreibe der Händler. Dennoch dürften die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise nach Ansicht der Helaba trotz staatlicher Stützungsmaßnahmen zu steigenden Ausfallquoten bei Corporate Bonds führen.

Hybridanleihen etwa von VW (WKN A1ZE21) mit einem Kupon von 4,625 Prozent sehe Brunner tendenziell unter Verkaufsdruck. Der Wert habe in den vergangenen Tagen über 6 Prozent auf rund 92 Prozent eingebüßt.

Gute Umsätze mit überwiegenden Käufen registriere der Händler in einer fünfjährigen, mit jährlich 5,5 Prozent verzinsten Eyemaxx Real Estate-Anleihe (ISIN DE000A2YPEZ1 / WKN A2YPEZ). Einen Grund vermute Brunner in der fristgerechten Rückzahlung eines 13,3 Millionen schweren Bonds (ISIN DE000A12T374 / WKN A12T37) zum 31. März.

Zu den meist gehandelten und zumeist gekauften Bonds zähle Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank eine bis 2024 laufende Lufthansa-Anleihe mit einem Kupon von 0,25 Prozent. (Ausgabe vom 03.04.2020) (06.04.2020/alc/a/a)





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