Anleihen-Handel: Erhöhtes Sicherheitsbedürfnis


12.08.19 10:02
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Suche nach sicheren Anlagen hat in der letzten Woche das Geschehen am Rentenmarkt geprägt, so die Deutsche Börse AG.

Insbesondere die erneute Verschärfung im Handelskonflikt zwischen China und den USA drücke nach Ansicht von Arthur Brunner auf die Stimmung. Anleger wendeten sich bonitätsstarken Werten wie US-Treasuries und deutschen Staatsanleihen zu. Auch der Anstieg des Goldpreises auf zeitweise über 1.500 US-Dollar pro Feinunze spreche Bände.

"Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen markierte zwischenzeitlich mit minus 0,61 Prozent ein neues Rekordtief", beschreibe der Händler der ICF Bank. US-Bonds gleicher Laufzeit unterschritten erstmals seit drei Jahren die Marke von 1,60 Prozent. Die Erträge zehnjähriger portugiesischer und spanischer Staatsanleihen tendierten Richtung 0 Prozent. Italienische Papiere würden trotz Regierungskrise aufgrund der positiven Rendite gekauft.

Der Zollstreit belaste zunehmend die Weltwirtschaft. Deshalb stünden vielerorts die Notenbanken bereit, der schwächelnden, heimischen Wirtschaft etwas entgegenzusetzen. Der Zinssenkung in den USA seien zur Wochenmitte mit überraschenden geldpolitischen Lockerungen die Währungshüter Thailands, Indiens und Neuseelands gefolgt. Die Thailändische Zentralbank habe den Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,5 Prozent gesenkt. Die Reserve Bank of India habe den Repo-Satz um 35 Basispunkte auf 5,40 Prozent reduziert und werde den Wert nach Ansicht der HSBC in den kommenden Monaten bis auf 4,90 Prozent weiter zurücknehmen. Neuseeland habe den Zins für Zentralbankgeld um 50 Basispunkte auf 1 Prozent gedrückt. Marktteilnehmer hätten mit 25 Basispunkten gerechnet.

Nach bereits eingeläuteten Stützungsmaßnahmen im Volumen von 700 Milliarden US-Dollar scheine die Peoples Bank of China zunächst keinen zusätzlichen Handlungsbedarf zu erkennen. Die jüngsten Daten würden einen Anstieg der chinesischen Exporte im Juli um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr belegen. Importe seien demnach um 5,6 Prozent zurückgegangen. Damit würden für Folker Hellmeyer von Solvecon die Maßnahmen fiskalisch, liquiditätstechnisch und strukturell wirken und würden dies vermutlich auch künftig tun. China arbeite derzeit am schrittweisen Abbau der Abhängigkeit von den USA. Das gelte vor allem für den Technologiesektor. Damit bestünde für US-Konzerne die Gefahr in dieser Sparte in China Marktanteile einzubüßen.

Als bis vor kurzem noch größter Käufer von US-Staatsanleihen reduziere Peking seit einiger Zeit seine Bestände von US-Schuldtiteln und ziele damit auf die Verringerung der Abhängigkeit vom US-Dollar. Wie viele andere Länder auch stocke die chinesische Regierung stattdessen ihre Goldreserven auf.

Den Handel mit Unternehmensanleihen beschreibe Brunner als aktiv. Anleger kauften beispielsweise für eine im April 2024 fällige Katjes-Anleihe mit einem Kupon von 4,25 Prozent. Der Bond des Süßwarenherstellers habe im Wochenverlauf von 106,0 auf 106,8 Prozent zugelegt.

Lebhaften Umsatz verbuche Brunner zudem in einer im Oktober fälligen, 300 Millionen Euro schweren Grenke Finance-Anleihe mit einem jährlichen Zins von 1,5 Prozent. Derzeit sei der Bond für 104,8 Prozent zu haben und komme damit auf einen Ertrag von 0,31 Prozent.

Eine im Mai 2022 fällige Sixt Leasing-Anleihe mit einem Kupon von 1,5 Prozent käme bei Investoren ebenfalls gut an und lande per Saldo in den Depots.

Zu den meist gehandelten und fast nur gekauften Bonds zähle bei der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank ein bis Oktober 2026 laufenden Volkswagen-Wert, der nominal jährlich 2,25 Prozent abwerfe.

Überwiegende Nachfrage erkenne Brunner für einen METRO-Bond mit Fälligkeit im März 2025 und einem jährlichen Zins von 1,5 Prozent. Der Händler führe dies unter anderem auf das voraussichtliche Scheitern einer Übernahme durch ein Bieterkonsortium zurück. Die Mindestanzahl von 67,5 Prozent der Aktien werde wohl nicht erreicht. Aktuell koste die Anleihe 101,36 Prozent.

Zwischenzeitlichen Abgabedruck verbuche die ICF Bank hinsichtlich zwei nachrangigen Anleihen der Nord LB. Anleger verabschiedeten sich per Saldo zum Beispiel von einem im März 2026 zur Rückzahlung anstehenden Bond (ISIN DE000NLB8K69 / WKN NLB8K6) mit einem Kupon von 3 Prozent. Das gelte auch für ein im Dezember 2025 fälliges Papier (ISIN DE000NLB1DD3 / WKN NLB1DD) mit einem Kupon von 3,5 Prozent. Nach anfänglichen Verlusten hätten sich beide Werte im Wochenverlauf wieder erholt. (Ausgabe vom 09.08.2019) (12.08.2019/alc/a/a)





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