Anleihen-Handel: Rekordhoch bei Neuemissionen


17.01.22 12:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Seit Jahresbeginn fallen die Kurse und bleiben damit Hauptthema an den Rentenmärkten diesseits wie jenseits des Atlantiks, so die Deutsche Börse AG.

Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries seien in der letzten Woche zeitweise auf das höchste Niveau seit Beginn der Corona-Pandemie gestiegen. Analysten würden mit bis zu vier Zinserhöhungen durch die US-Notenbank rechnen, um die Inflation auf das Ziel von 2 Prozent zu senken.

Zur Wochenmitte habe die Stimmung allerdings gedreht: Staatsanleihen sowohl in Deutschland und Europa wie in den USA würden überwiegend von den US-Inflationsdaten für Dezember profitieren: Die Inflation habe zwar mit 7 Prozent den höchsten Wert seit 40 Jahren erklommen, sei aber im Rahmen der Erwartungen geblieben.

Zehnjährige US-Treasuries, die zuvor zeitweise mit 1,8 Prozent rentiert hätten, hätten bis zum Wochenende auf 1,72 Prozent gesunken. Die zehnjährige Bundrendite sei auf -0,01 Prozent gesunken und habe sich damit weiter der Null-Prozent-Linie genähert.

"Manche Marktteilnehmer hatten mit einer weit höheren Inflation gerechnet, sodass sich die Situation am Rentenmarkt einigermaßen normalisiert hat", habe Arthur Brunner von der ICF Bank erklärt. Die Tiefstände dürften nach seiner Ansicht erreicht worden sein: "Der Markt geht zwar von steigenden Renditen aus, allerdings nicht so stark wie befürchtet."

Brunner sehe im Tagesgeschäft, dass das Momentum von vielen Marktakteuren genutzt werde, um sich günstige Finanzierungskonditionen zu sichern: Er berichte von einem Rekordhoch der Neuemissionen von 113 Milliarden Euro - so viel wie seit Pandemiebeginn nicht: So habe Spanien ein zehnjähriges Papier (ISIN ES0000012K20 / WKN A3K03C) mit 0,7 Prozent Kupon und Irland ein (ISIN IE00BMD03L28 / WKN A3K1B0) mit 0,35 Prozent Kupon emittiert. Besonders gefragt sei ein Langläufer Portugals mit 20 Jahren Laufzeit und 1,15 Prozent Kupon. "Das Volumen lag bei 3 Milliarden Euro, doch in den Büchern waren 20 Milliarden", kommentiere er die hohe Nachfrage.

Oechsner stelle weniger Neuemissionen im US-Dollar-Bereich fest, während bei Euro-Papieren die Pipeline voll sei. "Hier zeigt sich die Uneinigkeit der Notenbanken: Die Europäische Zentralbank wird in diesem Jahr die Leitzinsen unverändert lassen müssen." Wichtig sei aber neben der US-Geldpolitik, wie sich das weltweite Wachstum entwickeln werde zwischen Omikron-Variante, Lieferengpässen und konjunktureller Unsicherheit.

Nach Ansicht von Oechsner würden sich einige Marktteilnehmer bereits mit Blick auf das Ende der Krise positionieren. So habe er Käufe bei den Anleihen des Automobil-Zulieferers Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig ausgemacht: Die Titel (ISIN DE000A2NBR88 / WKN A2NBR8, ISIN DE000A2GSNF5 / WKN A2GSNF, ISIN DE000A255DF3 / WKN A255DF) verschiedener Laufzeiten mit Kupon zwischen 6,5 und 7,25 Prozent würden allesamt gekauft.

Gute Umsätze sowohl auf der Geld- wie auf der Briefseite bei Preisen zwischen 73 und 77 Prozent mache Oechsner bei einer bis 2026 laufende Anleihe (ISIN DE000A1TNA70 / WKN A1TNA7) des Heizungs- und Sanitär-Mittelständlers Sanha mit einem Kupon von 4 Prozent aus.

Unter Druck sei laut Brunner eine Anleihe (ISIN DE000A2GSB86 / WKN A2GSB8) des Sensoren-Herstellers für die Automobilindustrie Paragon mit Fälligkeit zur Rückzahlung Anfang Juli. "Das gibt Spekulationen Raum, ob die Anleihe bedient wird." Seit Jahresbeginn sei sie von 50,50 auf zeitweise 32 Prozent gefallen. Auf Kauf-Interesse bei hohen Umsätzen verweise Brunner bei Aurelius Equity Opportunities (ISIN NO0010861487 / WKN A2SAP3) mit Laufzeit bis 2024 und Kupon von 4,25 Prozent. (Ausgabe vom 14.01.2022) (17.01.2022/alc/a/a)






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