Anleihen-Handel: Zinserhöhung nicht vor 2020


11.03.19 13:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit den Äußerungen der EZB am Donnerstag sind höhere Zinsen in die noch fernere Zukunft gerückt, so die Deutsche Börse AG.

Die Notenbanker hätten ihre Wachstumsprognose für den Euroraum für 2019 von 1,7 auf 1,1 Prozent gesenkt, unveränderte Zinsen bis mindestens Ende des Jahres in Aussicht gestellt und neue mehrjährige Kredite für Banken, die so genannten TLTRO, beschlossen.

Die Rendite für zehnjährigen Bundesanleihen sei nach der EZB-Sitzung auf 0,05 Prozent gefallen - den niedrigsten Stand seit Oktober 2016. Laufzeiten bis inklusive neun Jahren würden im negativen Bereich rentieren. "Das sieht nach Krisenmodus aus, obwohl die Wirtschaft im Euroraum ganz gut wächst", kommentiere Arthur Brunner von der ICF Bank. Am Markt werde vor allem befürchtet, dass die EZB im Fall einer echten Krise nicht mehr gegensteuern könne.

"Die EZB hat sich mit der Ankündigung neuer Langfristtender auf politisch vermintes Terrain begeben", kommentiere Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank, der ehemaligen HSH Nordbank. "Denn auch wenn die EZB die neuen Tender mit der schwächelnden Kreditvergabe begründet, dürfte doch klar sein, dass es hier vor allem um die Stabilität der italienischen Banken geht." Diese hätten zusammen mit spanischen Instituten das Gros der TLTRO bei der EZB aufgenommen und dürften Schwierigkeiten haben, ausreichend private Investoren zu finden.

"Die EZB schiebt den dringend notwendigen Ausstieg aus der Nullzinspolitik weiter hinaus. Mit einer Leitzinserhöhung kann in diesem Jahr nicht mehr gerechnet werden", meine Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank. Und auch für das kommende Jahr sei angesichts der neuen, abgesenkten EZB-Projektionen für BIP-Wachstum und Inflation ein Zinsschritt mehr als fraglich.

Sehr gut angenommen worden sei in der letzten Woche eine neue zehnjährige Griechenland-Anleihe (ISIN GR0124035693 / WKN A2RY3H), wie Arthur Brunner von der ICF Bank berichte. Diese biete bei einer Laufzeit bis März 2029 einen Kupon von 3,875 Prozent und habe eine Stückelung von 1.000 Euro. "Alte Griechenland-Anleihen wurden im Zuge dessen auch nachgefragt", stelle Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank fest.

Im Corporate-Bereich seien Hybridanleihen (ISIN XS1785474294 / WKN A19W3Z) von UBM Development wieder einmal gesucht gewesen, wie Brunner feststelle. "Nach der EZB-Sitzung wurde es mit steigender Risikoscheu aber ruhiger um Hybridanleihen." Nachfrage melde der Händler für eine METRO-Anleihe und eine Wandelanleihe (ISIN DE000A13SHL2 / WKN A13SHL) des Pflegeheimentwicklers SeniVita Social Estate. "Der eigentlich schon für 2018 angekündigte Börsengang von SeniVita soll nun 2019 stattfinden."

Weiter gesucht seien Anleihen (ISIN XS1893631769 / WKN A2LQ6C) von Volkswagen Financial Services und Banco Santander, wie Daniel melde. Der Kursrückgang der General Electric (GE)-Aktie in der letzten Woche habe zudem den Kurs einiger GE-Anleihen belastet. "Bei unseren Bonds, die wir hier in Frankfurt betreuen, hat sich das aber kaum bemerkbar gemacht", erkläre Daniel. GE-Vorstandschef Larry Culp habe für das aktuelle Geschäftsjahr einen negativen Cashflow angekündigt.

Neues gebe es vom Anbieter von Logistik- und Technologielösungen für globales Supply-Chain-Management R-Logitec, wie Rainer Petz von Oddo Seydler berichte: Die im Frühjahr 2018 emittierte Anleihe (ISIN DE000A2RW772 / WKN A2RW77) mit Kupon von 8,5 Prozent und Laufzeit bis 2023 sei um 100 auf 125 Millionen Euro aufgestockt worden. (Ausgabe vom 08.03.2019) (11.03.2019/alc/a/a)






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GR0124035693 A2RY3H 125,43 € 95,25 €
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