Anleihen-Handel: "Zinserhöhungen Schnee von gestern"


11.02.19 09:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Zinsen fallen weiter, so die Deutsche Börse AG.

Mit 0,11 Prozent Rendite für zehnjährige Bundesanleihen sei der tiefste Stand seit Oktober 2016 erreicht. US-Anleihen bei gleicher Laufzeit würden wieder nur 2,65 Prozent abwerfen, das sei der niedrigste Stand seit über einem Jahr.

Hintergrund sei die weltweite Konjunkturabschwächung: "Die Europäische Kommission hat am Donnerstag ihre Wachstumsprognosen für alle großen Volkswirtschaften des Euroraums gesenkt", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. "Für Deutschland rechnet sie nun nur noch mit einem BIP-Wachstum von 1,1 Prozent nach bislang 1,8 Prozent."

Die Zentralbanken würden bereits reagieren und auf eine moderatere Geldpolitik einschwenken: Die US-Notenbank habe lange weiter steigende Zinsen in Aussicht gestellt, vergangene Woche habe sie nun aber eine längere Pause im Zinszyklus signalisiert. Die Commerzbank spreche von einer "Vollbremsung" und sehe auch den zunehmenden Druck von Kritikern aus beiden politischen Lagern als Auslöser.

Auch EZB-Chef Mario Draghi habe sich auf der letzten Pressekonferenz vorsichtiger gezeigt, die Bank of England habe sich letzte Woche ebenfalls zurückhaltender geäußert. "Die globalen Anleihemärkte sind weiter davon überzeugt, dass Zinserhöhungen Schnee von gestern sind", erkläre Michael Leister von der Commerzbank. "Da auch die rekordhohen staatlichen Emissionen problemlos verdaut werden und die Inflationserwartungen schwächeln, rechnen wir mit weiter niedrigen Renditen."

"Unterm Strich konnte der Euro-Bund-Future von der abwartenden Haltung der FED, von der möglicherweise weiter nach hinten verschobenen Erhöhung des EZB-Einlagensatzes sowie der immer noch fehlenden Brexit-Lösung profitieren", bemerke Klaus Stopp von der Baader Bank. Er halte es sogar nicht für ausgeschlossen, dass es einen erneuten Test der "Null-Rendite-Linie" geben werde.

Sehr gut angekommen sei eine neue italienische Staatsanleihe mit Laufzeit von 30 Jahren und Kupon von 3,85 Prozent, wie Arthur Brunner von der ICF Bank berichte. "Die Anleihe war fünffach überzeichnet, notiert aber jetzt etwas unter dem Ausgabepreis."

Was Unternehmensanleihen angehe, habe erst Risikofreude geherrscht, dann wieder Risikoaversion. "Am Mittwoch ist die Stimmung gekippt, wie am Aktienmarkt", stelle Brunner fest. Erst gekauft, dann verkauft worden seien zum Beispiel Anleihen von PORR und VW-Hybridanleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21). Abermals unter Druck geraten seien dem Händler zufolge letzte Woche Papiere von SeniVita Sozial (ISIN DE000A1XFUZ2 / WKN A1XFUZ), Grund seien verzögerte Zinszahlungen. Weiter sehr beliebt sei die Herta BSC-Anleihe.

Neues habe es von BMW in der kleinanlegerfreundlichen Stückelung von 1.000 Euro gegeben. Die erste Tranche (ISIN XS1948612905 / WKN A2RXDQ) laufe bis Oktober 2023 und biete einen Kupon von 0,625 Prozent, die zweite (ISIN XS1948611840 / WKN A2RXDR) sei im Februar 2029 fällig und biete 1,5 Prozent. (Ausgabe vom 08.02.2019) (11.02.2019/alc/a/a)





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