Anleihen-Handel: Die hohe Inflation als marktbeherrschendes Thema


22.10.21 16:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die steigende Inflation bleibt Thema am Anleihemarkt, so die Deutsche Börse AG.

Nahezu unisono seien die Renditen gestiegen. "Überall sind die Nachrichten zur Inflation schlecht", habe Rainer Petz von ODDO BHF den Verlauf begründet.

"Die Inflation bleibt marktbeherrschend", pflichte Simone Wallmeyer von der ICF Bank bei. Hinzu kämen aber in dieser Woche Faktoren wie der Rücktritt von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: "Die Mehrheit der Volkswirte erwartet, dass die EZB das Anleihen-Kaufprogramm vor dem Auslaufen noch einmal aufstockt, um Risiken abzufedern. Jens Weidmann mahnte hingegen das an, wofür die Bundesbank von jeher steht: die Bekämpfung der Inflation." Nach wie vor sei es eine Gratwanderung für die EZB, für stabile Preise zu sorgen und zugleich Staaten günstige Finanzierungen zu ermöglichen, um zum Beispiel in notwendige Klimapolitik und andere Herausforderungen investieren zu können. "Inflationsgeschützte Bundesanleihen sind derzeit besonders gefragt", sage Simone Wallmeyer.

Die Renditen der zehnjährigen US-Staatstitel hätten den höchsten Stand seit April erreicht. Sie hätten sich auch in vielen Ländern der Eurozone erhöht. Habe die zehnjährige Bundesanleihe im August noch bei -0,5 gelegen, habe die Rendite am Freitag -0,09 Prozent betragen. Die italienischen zehnjährigen Staatspapiere hätten um 7,6 Basispunkte angezogen, die spanischen um zwei, die französischen um 2,2. "Zum Wochenende fängt sich der Abverkauf, allerdings nur ein bisschen", fasse Simone Wallmeyer zusammen. Der Anleihenmarkt bleibe zwiegespalten: "Das längere Ende rechnet mit niedrigen Zinsen, der Geldmarkt spielt eher die andere Seite." Die Renditekurve sei derzeit ähnlich flach wie im März 2020.

Nach tagelangem Abverkauf seien zehnjährige US-Treasuries am Freitag wieder auf den Kauflisten gewesen. Am Donnerstag hätten neue Konjunkturdaten gezeigt: Am US-Arbeitsmarkt verbessere sich die Lage - die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosen-Unterstützung sei gesunken. Im Zuge der besser als erwartet ausgefallenen Wochenzahlen seien die zehn-jährigen US-Treasuries auf 1,70 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit April.

Schon nachdem die Berichtssaison mit starken Unternehmensdaten - so habe Tesla den dritten Rekord-Quartalsgewinn in Folge erwirtschaftet - die Hoffnung auf eine Konjunktur-Erholung geschürt habe, hätten die Treasuries auf 1,67 Prozent angezogen. Zuletzt hätten sie am Freitag bei 1,68 Prozent rentiert.

Allerdings hätten sich insgesamt nach Berechnungen des Conference Board die US-Frühindikatoren, die einen Eindruck vom Zustand der Wirtschaft vermitteln würden, im September weniger stark verbessert als erwartet. Zu diesen Faktoren würden u.a. das Verbrauchervertrauen, neue Aufträge für die Industrie, die Erstanträge auf Arbeitslosen-Unterstützung zählen.

Im Konjunkturausblick Beige Book habe die US-Notenbank FED der US-Wirtschaft am Mittwoch ein mäßiges bis moderates Wachstum bescheinigt. Lieferengpässe und ein Mangel an Personal sorgten für Preisdruck, der Konjunkturausblick bleibe aber positiv. Angesichts der steigenden Inflation sei in den vergangenen Tagen an den Märkten spekuliert worden, ob die FED bereits im September nächsten Jahres mit Zinserhöhungen beginnen würde, obwohl die Mehrheit der FED-Mitglieder diesen Schritt für November 2022 als realistisch betrachte.

Trotz einer Inflationsrate von 19,6 Prozent habe die Türkische Zentralbank ein weiteres Mal die Zinsen gesenkt. Die Türkische Lira sei daraufhin auf ein neues Rekordtief zu Euro und US-Dollar gefallen. Unter Ökonomen sei jedoch Konsens, dass eine Notenbank die Zinsen erhöhe, wenn die Inflation hoch sei.

Als erste große Notenbank weltweit dürfte die Bank of England auf ihrer Sitzung am 4. November den Leitzins erhöhen: 0,25 Prozent würden als nahezu sicher gelten und als Reaktion seien die Anleihekurse deutlich gesunken. Damit würden steigende Renditen einhergehen: Habe die Rendite für zweijährige britische Staatsanleihen im September noch bei 0,2 Prozent gelegen, so seien es inzwischen bereits 0,7 Prozent.

Im Retail-Bereich habe Rainer Petz von geringen Umsätzen und kaum Neu-Emissionen für die zu Ende gehende Woche berichtet. Bewegung sei aber einmal mehr im Immobilien-Sektor: Rainer Petz habe gesagt, dass chinesische Immobilien-Anleihen auch in dieser Woche sehr schwankungsanfällig gewesen seien. "Die Immobilien-Krise in China bleibt ein Thema."

Der hochverschuldete chinesische Immobilien-Konzern Evergrande habe in dieser Woche fällige Zins-Zahlungen einer Yuan-Anleihe beglichen. Laut Medienberichten solle Evergrande auch Zinsen von 83,5 Millionen US-Dollar für eine Anleihe gezahlt haben, die zum 23. September fällig gewesen seien. Nach 30 Tagen wäre die formelle Zahlungsunfähigkeit eingetreten. Weitere Zinszahlungen stünden aber an.

Laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank hätten sich Evergrande-Anleihen erholt. "Bei uns allerdings ohne Umsatz. Bei einer Stückelung von 200.000 in US-Dollar muss man hier ohnehin eine sehr feste Meinung haben."

Von Käufen habe Gregor Daniel bei einer neuen FCR-Immobilien-Anleihe berichtet, die mit "einer überdurchschnittlichen Rendite von 4,61 Prozent" aufwarte und einen Kupon von 5,25 Prozent aufweise. Zuvor sei eine andere FCR-Anleihe ausgelaufen. "Vermutlich haben die InvestorInnen das Kapital aus dem alten Bond neu investiert, zumal die Rendite attraktiv ist und sie wohl die Zuversicht haben, auch diesmal eine Rückzahlung zu erhalten", erkläre der Renten-Experte.

Rainer Petz ergänze: "Die Anleihen (ISIN XS1713464524 / WKN A2G8WZ, ISIN XS1713464441 / WKN A2G8WY, ISIN XS2283225477 / WKN A287MT) der Adler Real Estate sind in dieser Woche nach der Attacke des Short Sellers Fraser Perring stabil. Doch das Thema ist nicht zu Ende." Adler-Papiere seien eingebrochen, nachdem Anschuldigungen über abgezogenen Gelder und aufgeblähte Bilanzen durch den Investor Fraser Perring erhoben worden seien. Derzeit prüfe der Immobilien-Konzern Vonovia einen Einstieg bei Adler.

Obwohl in dieser Woche die Ölpreise nachgegeben hätten, sei eine Anleihe (ISIN USP7169GAA78 / WKN A19GPQ) der Neuquen Province gesucht gewesen, wie Gregor Daniel angesichts der Umsätze festgestellt habe: "Mit dem Anstieg der Rohstoffpreise seit Monaten betrachten es InvestorInnen als wahrscheinlicher, dass die Anleihe auch zurückgezahlt wird."

Fraport habe das Volumen eines Schuldscheins von 200 auf 500 Millionen Euro erhöht und erfolgreich platziert. Die Laufzeiten würden laut Simone Wallmeyer siebeneinhalb und fünf Jahre betragen. Valuta für den Schuldschein sei der 29. Oktober. "Die Nachfrage war offensichtlich immens." (22.10.2021/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
90,959 € 92,65 € -   € 0,00% 07.12./17:30
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
XS1713464524 A2G8WZ 172,32 € -   €
Werte im Artikel
101,60 plus
+7,09%
84,65 plus
+0,39%
59,10 plus
+0,17%
100,50 minus
-0,67%
90,96 minus
-1,83%