Anleihen: Neuer Rekord für Bund-Future


02.03.12 16:37
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Hauptthema im Rentenhandel war in dieser Woche die "Dicke Bertha", so die Deutsche Börse AG.

Wie das bekannte Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg mute der zweite Dreijahrestender der Europäischen Zentralbank irgendwie auch an, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft anmerke. 800 Geldhäuser hätten sich zusammen rund 529,5 Mrd. Euro geliehen und bei Aktien- wie Anleiheanlegern gleichsam zunächst für gute Stimmung gesorgt. "Genau hier liegt unser Problem", erkläre Daniel. Anders als sonst seien die Renten- und Aktienmärkte derzeit parallel gelaufen. "Das macht es umso schwerer zu entscheiden, welche Handelspreise gerechtfertigt sind." Die EZB habe viel Liquidität in den Markt gespült, das zunächst ein Zuhause suche, bevor es wie gewünscht vielleicht den Weg in die Realwirtschaft finde.

"Ob die hohe Nachfrage nach EZB-Geld ein Zeichen der Schwäche bei europäischen Banken ist oder ob die Märkte durch die bereit gestellten Mittel nachhaltig beflügelt werden, sei abzuwarten", meine auch Arthur Brunner von ICF Kursmakler.

Das Umtauschangebot Griechenlands für private Gläubiger liege nun auf dem Tisch. "Für Anleger der betroffenen Anleihen ergibt sich ein Barwert von 25,7 Prozent, was einem realen Forderungsverzicht von 74,3 Prozent entspricht", erkläre Brunner. Bis zum 8. März müssten Anleger nun entscheiden, ob sie das Angebot der griechischen Regierung annehmen. "Mit der Zustimmung bekommen Investoren am Ende 24 unterschiedliche Anleihen mit verschiedenen Laufzeiten und unterschiedlich kleinen Nennwerten", bemerke Klaus Stopp von der Baader Bank und verweise auf die damit verbundenen Kosten im Falle eines vorzeitigen Verkaufs.

Im Rahmen der komplexen Offerte hätten Anleger für je 1.000 Euro Nennwert 20 neue Anleihen von Griechenland im Gesamtnennwert von 315 Euro erhalten. Die Fälligkeiten für diese "Neuen" würden ab dem 24. Februar 2023 starten. Hinzu kämen so genannte GDP-Linked-Notes im Nennwert von ebenfalls 315 Euro. Zahlungen aus diesen Wertpapieren würden von der Entwicklung des Bruttosozialprodukts Griechenlands abhängen. Weiterhin hätten Anleger PSI Payment Notes aus dem europäischen Rettungsschirm EFSF im Nennwert von je 150 Euro erhalten, die jeweils zur Hälfte mit Laufzeiten von einem Jahr bzw. zwei Jahren ausgestattet seien. "Ergänzt wird dieser Korb durch Accrued Interest Notes, also Schuldverschreibungen, im Gegenwert der aufgelaufenen Zinsen", erkläre Stopp.

Die Entscheidung des zuständigen globalen Verbands der Derivate-Händler, der International Swaps und Derivatives Association (ISDA), sei in dieser Woche gefallen. "Die Restrukturierung von Griechenlands Schulden wertet der Verband nicht als Kreditereignis, sodass die Kreditausfallversicherungen zunächst nicht zum Tragen kommen", berichte ein Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Endgültig sei die Entscheidung indes nicht. "Sollte die freiwillige Umtauschquote unter 75 Prozent liegen, würde die Collective Action Clause einen unfreiwilligen Forderungsverzicht herbeiführen", meine Brunner. "Wie die ISDA in dem Fall entscheiden wird, ist noch offen", ergänze Gregor Daniel. Vermutlich werde das CDS-Konzept insgesamt aber überdacht werden müssen. "Denn was nützt eine Versicherung, wenn im Schadenfall nicht gezahlt wird."

Im Handel spreche der Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank von einer Fortsetzung des Sturzflugs griechischer Bonds. Staatsanleihen mit Fälligkeiten im Jahr 2012 (ISIN GR0124018525 / WKN 830275; ISIN GR0114020457 / WKN A0LN5U) hätten aktuell beispielsweise um 21 Prozent notiert, längere Laufzeiten hätten sich derzeit um 20 Prozent bewegt.

Die Zuspitzung der Griechenlandsaga habe dem Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) ein Frühlingserwachen beschert. Mit 140,28 Prozent habe das Rentenbarometer in dieser Woche ein neues Allzeithoch markiert. "Angesichts der vielen ungeklärten Fragen kann es im Bund-Future aber jederzeit zu gravierenden Kurskorrekturen kommen", sei Stopp überzeugt. "Nach der ISDA-Entscheidung etwa ging es zunächst auf 139 abwärts", zeichne die Hellwig Wertpapierhandelsbank die jüngsten Höhen und Tiefen im Bund-Future nach. Mittlerweile notiere er wieder auf 139,5. "Kommt es zu einer neuerlichen, panikartigen Flucht in deutsche Staatsanleihen, wird es schnell wieder steil bergauf gehen", sei Stopp überzeugt. Das technische Bild unterstütze den Bund-Future in den Bereichen 139,50, 139,00 und 138,56 Prozent.

Von vermehrten Sanierungsmaßnahmen der Banken in Bezug auf ihre Kapitalstruktur berichte der Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank. "In diesem Zug unterbreiten viele Finanzhäuser Rückkauf- und Tauschangebote über dem aktuellen Kurs ihrer Hybridanleihen." Zuletzt mit dabei gewesen seien nachrangige Anleihen etwa der Commerzbank (ISIN DE000A0KAAA7 / WKN A0KAAA), der Royal Bank of Scotland (ISIN XS0259579547 / WKN A0GURB) und der Hypo Alpe-Adria (ISIN DE0006949555 / WKN 694955). Letztere plane beispielsweise den Rückkauf von Hybridkapital in Höhe von nominal 225 Mio. Euro.

Die Raiffeisen Bank International biete Stopp zufolge den Investoren einer variabel verzinsten Anleihe (ISIN XS0193631040 / WKN A0BC9Z) zudem einen Rückkauf zu 58 Prozent. Von den Ankündigungen der Rückkauf- und Tauschangebote habe laut Daniel auch die OEVAG Endlosanleihe (ISIN XS0201306288 / WKN A0DC0M) profitieren können. "Hier wird auf ein vorzeitiges Abfindungsangebot spekuliert." Der Boom der Rückkaufaktionen bei Banken sei mit der Basel III Richtlinie begründet, nach der künftig Hybridkapital nicht mehr zum Kernkapital des Unternehmens gehöre.

Refinanzierungen seien in dieser Woche problemlos geglückt, wie Stopp berichte. Italien etwa habe zwei Anleihen mit Laufzeiten bis 2017 und 2022 (ISIN IT0004793474 / WKN A1GZ7J) problemlos aufgestockt. Anleger hätten Spanien (ISIN ES00000123D5 / WKN A1GPYY; ISIN ES00000123L8 / WKN A1GY50; ISIN ES00000123J2 / WKN A1GU8C) und Frankreich (ISIN FR0010517417 / WKN A0TJQ6; ISIN FR0010776161 / WKN A1AJSV; ISIN FR0011196856 / WKN A1GZ7K; ISIN FR0010916924 / WKN A1AYTR) ebenfalls erneut Kredit gewährt. Bonds verschiedener Laufzeiten Belgiens (ISIN BE0000323320 / WKN A1GN5N; ISIN BE0000325341 / WKN A1GZNB; ISIN BE0000320292 / WKN A1AWF4) seien zudem bei Investoren gut angekommen.

Die Kreditsumme zehnjähriger Anleihen der deutschen Regierung (ISIN DE0001135465 / WKN 113546) mit einer Laufzeit bis Januar 2022 und einem Kupon von 2 Prozent sei zum Beispiel um 4 auf insgesamt 20 Mrd. Euro erweitert worden. Bei einer 1,4fachen Überzeichnung sei die Zuteilung bei einer Durchschnittsrendite von 1,83 Prozent erfolgt.

Wie in den Wochen zuvor registriere Brunner reges Interesse etwa an zwei Schaeffler-Bonds (ISIN XS0741938624 / WKN A1G0J3; ISIN XS0741939788 / WKN A1G0J5) mit Laufzeiten bis 2017 bzw. 2019 und Kupons von 7,75 bzw. 8,75 Prozent. Eine neue vierjährige Anleihe mit einem Volumen von 300 Mio. Euro habe die HeidelbergCement heute begeben. Von einer Neueinführung der Deutsche Bahn Finance mit einer Stückelung von 1.000 spreche die Hellwig Wertpapierhandelsbank. Bei einer Laufzeit bis 2024 biete die Bahn 3 Prozent Zinsen. (02.03.2012/alc/a/a)





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