Anleihen: Renditen steigen


27.12.17 08:50
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Verabschiedung der Steuerreform in den Vereinigten Staaten hinterlässt auch hierzulande ihre Spuren, so die Deutsche Börse AG.

Der richtungsweisende Euro-Bund-Future habe auf Wochensicht von 163,57 auf 161,75 Prozent deutlich an Gewicht verloren. "Der Renditeanstieg für zehnjährige Bundesanleihen spiegelt eine sich abzeichnende Mehrbelastung für den US-Haushalt wider", meine Arthur Brunner von der ICF Bank. "Das wirft die Frage auf, ob die Federal Reserve künftig stärker als bislang angenommen auf die geldpolitische Bremse treten wird."

In Anbetracht des nahenden Jahresendes und der schwindenden Handelsaktivitäten rate Klaus Stopp dazu, dem "Schwächeanfall" des hiesigen Zinsbarometers nicht zu viel Gewicht beizumessen. "Bei nur noch wenigen Handelstagen in 2017 sind die Positionen abgesichert und lediglich bei extremen Volatilitäten wird es zu einer Neuadjustierung kommen", schätze der Händler der Baader Bank. Um einen klaren Trend erkennen zu können, müsse man sich noch etwas gedulden.

Für Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank spreche vieles für ein insgesamt höheres Renditeniveau im kommenden Jahr. Eine robuste Weltkonjunktur verstärke aller Voraussicht nach die Inflationsdynamik bei gleichzeitig auslaufender geldpolitischer Unterstützung.

Risiken vermute Kollegin Sintje Boie im aus ihrer Sicht heiß laufenden Markt für Unternehmensanleihen. Dies gelte insbesondere für Bonds von Firmen mit unterdurchschnittlicher Bonität, die im gegenwärtigen Marktumfeld in den Genuss immer niedriger Risikoprämien für ihre Anleihen kämen. "Da dieses Segment im Vergleich zu Staatsanleihen relativ illiquide ist, kann es hier zu größeren Preisverwerfungen und Turbulenzen kommen, sollten Anleger wieder verstärkt die Fundamentaldaten ins Visier nehmen", urteile die Analystin. Letzteres könne dann der Fall sein, wenn die Europäische Zentralbank Ende kommenden Jahres ihren Bestand an Unternehmensanleihen nicht weiter aufstocke.

Keine Probleme mit der Kreditwürdigkeit habe offenbar die in Wien ansässige OMV. Über eine Neuemission habe sich der Konzern (ISIN XS1734689620 / WKN A19TQ4) in dieser Woche erfolgreich über den Kapitalmarkt refinanziert, wie Stopp informiere. Die neunjährige, eine Milliarde Euro schwere Anleihe der Österreicher biete Anlegern einen Kupon von 1,0 Prozent. Mit einer Stückelung von 1.000 Euro sei der Wert auch für Privatanleger interessant.

Den aktuellen Handel mit Unternehmensanleihen beschreibe Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank als vorweihnachtlich beschaulich. Anleger hätten ihre turnusmäßigen Aufräumarbeiten zum Jahresende überwiegend hinter sich. Noch aktive Investoren hätten sich zumeist von einem KTG Agrar-Bond verabschiedet und ihre Gewinne einer Golden Gate-Anleihe bei einem Kurs um 60,50 Prozent glattgestrichen.

Brunner spreche von anhaltendem Kaufinteresse an einer BayWa Hybridanleihe (ISIN XS1695284114 / WKN A2GSM1), die jährlich 4,25 Prozent Zinsen abwerfe. Seit der Handelsaufnahme am 9. Oktober habe sich der Wert von knapp 103 auf 107,25 Prozent entwickelt.

Die im Raum stehende Bilanzfälschung der Steinhoff-Gruppe bewege weiterhin die Anlegergemüter, wie Daniel registriere. Eine in 2025 fällige Anleihe (ISIN XS1650590349 / WKN A19LXV) der in Schieflage geratenen Poco-Mutter sei vor dem Gläubigertreffen am Dienstag zunächst gekauft und in Folge wieder abgestoßen worden. Nach dem Schlusskurs von 49,15 Prozent am vergangenen Freitag sei der Wert nach Beobachtung Daniels zwischenzeitlich auf 55 Prozent gestiegen und habe in Folge wieder auf 46 Prozent nachgegeben.

Das liege unter anderem an den gekürzten Kreditlinien einiger Gläubiger, nachdem der Möbelriese immer noch keine Auskunft über den wahren Zustand des Unternehmens habe geben können. Die Aktie des im MDAX notierten Konzerns habe seit Anfang Dezember massiv an Wert verloren und koste aktuell 0,32 Euro.

Besitzer eines Bonds (ISIN DE000A1RE7V0 / WKN A1RE7V) der insolventen MS Deutschland könnTen laut Daniel den Wert über die Fälligkeit am 18. Dezember 2017 hinaus weiter handeln. "Das gibt Gläubigern die Möglichkeit eines Verkaufs über die Börse, ohne das Insolvenzverfahren komplett zu durchlaufen." (Ausgabe vom 22.12.2017) (27.12.2017/alc/a/a)