Anleihen: "Schnelleres und beherzteres EZB-Handeln erwartet"


25.04.22 08:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Signale der EZB für eine Zinserhöhung mehren sich, so die Deutsche Börse AG.

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos habe am Donnerstag erklärt, dass die Notenbank den Kauf neuer Anleihen im Juli beenden und noch im selben Monat die Zinsen erhöhen könnte. Laut Bundesbank-Präsident und EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel könnte Anfang des dritten Quartals mit einer ersten Zinsanhebung gerechnet werden.

EZB-Chefin Christine Largarde habe auf dem IWF-Frühjahrstreffen in Washington lediglich eingeräumt, dass die Inflationsrisiken kurzfristig "nach oben gerichtet" seien. Die Geldpolitik hänge aber von den eingehenden Daten ab. "Es stellt sich die Frage, worauf die EZB noch wartet, um die Anleihekäufe einzustellen und die Zinserhöhungen einzuleiten", bemerke Tim Oechser von der Steubing AG und verweise auf die in diesem Jahrtausend rekordhohen Inflationsraten und die jüngste Erkenntnis der EZB, dass die Inflation an Breite gewonnen habe. "Die EZB wird angesichts der hohen Inflation nicht umhinkommen, aktiv zu werden", sei Arthur Brunner von der ICF Bank überzeugt.

Am Markt setze sich der Zinsanstieg fort, die Anleihekurse würden fallen. Laut Ralf Umlauf von der Helaba liege das an "verstärkten Sorgen vor einem schnelleren und beherzteren Handeln der EZB und der FED". Zehnjährige Bundesanleihen würden mittlerweile fast 0,95 Prozent abwerfen. Anfang des Jahres seien es noch minus 0,18 Prozent gewesen. Die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen steuere jetzt auf 3 Prozent zu. Aktuell seien es 2,945 Prozent - nach 1,5 Prozent Anfang des Jahres.

Nach Einschätzung der Commerzbank werde sich die Dynamik nach oben aber nicht fortsetzen: "Die Ende nächster Woche anstehenden Verbraucherpreiszahlen für den Euroraum werden wohl nicht weiter zulegen", erkläre Anleihenanalyst Hauke Siemßen. "Das spricht dafür, dass die Inflationsdynamik ihren Zenit bald überschritten hat." Einer der Haupttreiber des Renditeanstiegs werde sich damit abschwächen, wenn auch auf vergleichsweise hohem Niveau. "Wir sehen daher Chancen für eine Stabilisierung der Bund-Renditen."

Insgesamt sei es im Anleihehandel eher ruhig zugegangen, wie die Händler berichten würden. "Auch Neuemissionen gab es wegen der Osterfeiertage kaum", melde Brunner. "Die Liquidität ist zuletzt gesunken, die Bücher vieler Banken sind dünner, andere Marktteilnehmer fehlen", erkläre Oechsner. Allenfalls Banken wie die Bank of America hätten neue Anleihen platziert.

Gut nachgefragt sei Brunner zufolge derzeit die neue Anleihe (ISIN DE000A3MQS49 / WKN A3MQS4) von Schalke 04 mit 5,5 Prozent-Kupon und Laufzeit bis 2027. "Schalke ist jetzt Tabellenführer in der zweiten Liga. Wenn der Aufstieg klappt, winkt Gläubigern eine Prämie von 2 Prozent."

Dass die KPMG-Sonderprüfung des Immobilienkonzerns Adler Group zwar Mängel, aber - entgegen den Vorwürfen des britischen Leerverkäufers Fraser Perring - keinen Betrug ergeben habe, habe die Anleihen unterstützt. "Die Adler-Anleihen sind angesprungen", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Der bis 2024 laufende Bond (ISIN XS1731858715 / WKN A2G8S3) mit Kupon von 2,125 Prozent sei von gut 88 Prozent am Donnerstag auf 94 Prozent am Freitag geklettert.

Auf den Einkaufslisten finde sich auch die im März emittierte Anleihe (ISIN DE000A3MQYU1 / WKN A3MQYU) der Eusolag European Solar AG mit Kupon von 6,25 Prozent und Fälligkeit 2027, wie Oechser feststelle. Das Unternehmen halte ein Portfolio von Photovoltaikanlagen.

Kaufinteresse beobachte Brunner für Papiere (ISIN DE000A2TST99 / WKN A2TST9) von Katjes. Gesucht seien auch Bonds (ISIN SE0012453835 / WKN A2TSDS) von Ferratum Capital Germany. Die Anleihe sei gerade um 40 Millionen Euro aufgestockt worden.

Weiter schwach würden sich Papiere von Ekosem Agrar, der deutschen Holding des russischen Milchproduzenten Ekonovia zeigen. Die 2024 fällige Anleihe mit Kupon von 7,5 Prozent werde aktuell zu 9,15 Prozent gehandelt. "Es gibt kaum noch Umsatz", melde Daniel. "Wer verkaufen will, hat verkauft. Der Rest wartet zähneknirschend ab."

Das Unternehmen leide unter dem Ukraine-Krieg. Vor gut zwei Wochen habe es den Gläubigern daher eine Laufzeitverlängerung der beiden Anleihen (ISIN DE000A2YNR08 / WKN A2YNR0; ISIN DE000A1R0RZ5 / WKN A1R0RZ) um jeweils fünf Jahre und eine Reduzierung der Kupons von 7,5 bzw. 8,5 Prozent auf nur noch 2,5 Prozent vorgeschlagen. Am 9. und 10. Mai sollten die Anleihegläubiger in außerordentlichen Versammlungen zustimmen. (Ausgabe vom 22.04.2022) (25.04.2022/alc/a/a)






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