Anleihen: "Schweres Fahrwasser"


09.05.22 10:54
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Aussicht auf kräftig anziehende Zinsen kombiniert mit sich eintrübenden wirtschaftlichen Aussichten lasten auf den Anleihekursen, so die Deutsche Börse AG.

"Die Märkte sind schwach, besonders seit gestern", erkläre Rainer Petz von Oddo Seydler. "Das ist schon schweres Fahrwasser", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank.

Die US-Notenbank habe die Leitzinsen am Mittwoch wie erwartet erhöht, und zwar um 0,5 Prozentpunkte auf die Spanne zwischen 0,75 bis 1 Prozent. Das sei die stärkste Anhebung seit dem Jahr 2000 gewesen. FED-Chef Jerome Powell habe außerdem für die weiteren Sitzungen Erhöhungen um 0,5 Prozentpunkte angekündigt. Gleichzeitig wolle die FED ihren Rekordbestand an Anleihen langsam abbauen. "Erst gab es eine Erleichterungsrally, da ein noch größer Zinsschritt ausblieb", stelle Petz fest. "Das hat sich dann aber gedreht."

Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries klettere weiter nach oben und habe die 3 Prozent-Marke überschritten, am Freitagmittag seien es 3,07 Prozent. Zehnjährige Bundesanleihen würden aktuell mit 1,08 Prozent rentieren.

Gleichzeitig würden die Renditeabstände im Euroraum wieder wachsen. Am Freitagmorgen sei der Zinsaufschlag zehnjähriger italienischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen derselben Laufzeit auf gut zwei Prozentpunkte gestiegen - der höchste Stand seit etwa zwei Jahren. Begründet werde dies mit dem schrittweisen Rückzug der EZB vom Anleihemarkt.

Am Markt werde nun erwartet, dass auch die europäische Notenbank nun schneller reagieren werde. EZB-Direktorin Isabel Schnabel gehe nun davon aus, dass die Zinsen im Juli erstmals erhöht würden.

Großes Thema im Handel mit Unternehmensanleihen: Der Immobilienkonzern Adler Group. Der habe vergangenes Wochenende einen Milliardenverlust bekannt gegeben. Außerdem würden die Wirtschaftsprüfer von KPMG ein Bilanztestat verweigern. Das wirke sich laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank auch auf Anleihen anderer Immobilienunternehmen aus. Als Beispiel nenne er die bis 2024 laufende Anleihe (ISIN DE000A2TSB16 / WKN A2TSB1) von FCR Immobilien mit Kupon von 5,25 Prozent. "Da sehen wir kleinere Abgaben."

Kräftig an Wert verloren habe die nur 25 Millionen Euro schwere Anleihe (ISIN DE000A2GSWY7 / WKN A2GSWY) des Berliner Bauentwicklers TERRAGON mit Kupon von 6,5 Prozent und Fälligkeit 2024. Der Kurs sei von über 90 auf rund 30 Prozent gefallen. Am Montag habe die Gesellschaft ihre Anleihegläubiger um Zinsstundung bis Ende Januar 2023 gebeten. Die Gründe: Pandemiebedingt verlängerte Projektlaufzeiten sowie massiv gestiegene Bau- und Rohstoffkosten.

Auch bei der ICF Bank seien Immobilienanleihen unter Abgabedruck geraten. "Alles wird abgestraft", stelle Brunner fest. Betroffen seien etwa Anleihen der Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft (ISIN DE000A254N04 / WKN A254N0) und von Pandion.

Anhaltendes Interesse melde Brunner unterdessen für die Anleihe (ISIN DE000A2TST99 / WKN A2TST9) von Katjes International, die bis 2024 laufe und 4,25 Prozent biete. "Gut hält sich auch die neue Schalke-Anleihe." Die (ISIN DE000A3MQS49 / WKN A3MQS4) sei 2027 fällig und habe einen Kupon von 5,5 Prozent. "Generell gibt es aber wenig Käufe."

Daniel beobachte immer wieder Interesse an der Volkswagen-Anleihe mit Laufzeit bis 2026 und Kupon von 2,25 Prozent. Käufe und Verkäufe melde er für den Bond (ISIN XS1064049767 / WKN A11QFG) der Württembergischen Lebensversicherung, der 2044 auslaufe und 5,25 Prozent biete. (Ausgabe vom 06.05.2022) (09.05.2022/alc/a/a)





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DE000A2TSB16 A2TSB1 103,35 € 63,00 €
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