Anleihen: Steilere Zinskurve


02.08.13 17:01
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Weiterhin beherrscht die große Frage die Märkte, ob und wann die geldpolitischen Zügel in Europa und den USA angezogen werden, so die Deutsche Börse AG.

Den Zentralbanksitzungen in dieser Woche sei daher wieder einmal maximale Aufmerksamkeit zugekommen: EZB-Präsident Draghi habe dann am gestrigen Donnerstag bekräftigt, dass die Zinsen im Euroraum noch für längere Zeit niedrig bleiben sollten. "Die US-Notenbank hatte zuvor betont, dass es derzeit noch keinen Grund gebe, die Anleihekäufe zurückzufahren", erkläre Arthur Brunner von ICF Kursmakler.

Gute US-Konjunkturdaten - etwa der deutlich gestiegene ISM-Index - würden dem Händler zufolge aber immer wieder Sorgen um einen baldigen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik schüren. "Am Markt geht man mittlerweile davon aus, dass die FED zwischen Oktober und Dezember die Anleihekäufe reduzieren wird." Auch in Europa scheine die Rezession ein Ende zu finden. Es sehe alles nach einer steileren Zinskurve aus mit niedrigen Zinsen am kurzen Ende und höheren am längeren Ende.

Der Euro-Bund-Future habe weiter verloren - wenn auch im verminderten Tempo: Der Indikator für die langfristigen Zinserwartungen der Marktteilnehmer notiere am Freitagmittag bei 141,90 Punkten, vor einer Woche seien es 142,61 Punkte gewesen, Anfang vergangener Woche noch über 144 Prozent. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liege heute Mittag bei 1,70 nach 1,67 Prozent am vergangenen Freitag.

Dass die Zeit der extremen Minizinsen vorbei sei, habe sich diese Woche auch bei der Emission einer neuen 30-jährigen Bundesanleihe gezeigt. Wie Brunner melde, habe Deutschland tiefer in die Tasche greifen müssen: "Die Rendite lag bei 2,47 Prozent, bei der letzten vergleichbaren Auktion waren es noch 2,16 Prozent." Die Nachfrage sei aber weiter hoch gewesen.

Griechenland beschäftige unterdessen immer wieder die Gemüter. "Dass trotz der Bemühungen seitens der Politiker keine Ruhe aufzukommen vermag, liegt nicht zuletzt am gesunden Menschenverstand", meine Klaus Stopp von der Baader Bank. Denn eines sei festzustellen: Der Schuldenberg Griechenlands werde angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung auch in den nächsten Jahren wachsen. Der "Gang zum Frisör", also ein weiterer Schuldenschnitt, sei wahrscheinlich.

In dieser Woche habe allerdings die Tatsache, dass Athen weitere 4 Milliarden Euro Hilfsgelder erhalten habe, die Nachfrage nach griechischen Staatsanleihen (ISIN GR0128010676 / WKN A1G1UA; ISIN GR0138005716 / WKN A1G1UL) ansteigen lassen. Auch portugiesische Papiere seien wieder gefragt, nachdem die konservative Regierung nach einer wichtigen Kabinettsumbildung auch noch eine Vertrauensabstimmung gewonnen habe (ISIN PTOTEOOE0017 / WKN A1AHHX; ISIN PTOTEYOE0007 / WKN A0DY6V).

Nichts mehr zu tun haben wollten Anleger im Corporate Bond-Bereich mit Papieren (ISIN DE000A0JQMH5 / WKN A0JQMH) des hoch verschuldeten Immobilienkonzerns IVG, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft berichte: "Der Kurs fiel von 9,51 Euro am Dienstag auf 5 Euro am Mittwoch." Am heutigen Freitag werde die Anleihe sogar nur noch zu 4,35 Euro gehandelt. "Der Konzern wollte den Gläubigern einen freiwilligen Schuldenerlass abringen, das hat nicht geklappt." Nun stehe IVG vor der Insolvenz.

Nicht nur K+S-Aktien hätten diese Woche einen dramatischen Einbruch erlebt, auch die Anleihen (ISIN DE000A1PGZ82 / WKN A1PGZ8) des Düngemittelherstellers seien stark unter Druck geraten, wie Brunner berichte: "K+S verzeichnete diese Woche einen Rückgang um 9 Prozentpunkte auf aktuell 94,40 Prozent." Der russische Kalianbieter Uralkali habe Anfang der Woche ein wichtiges Handelskonsortium aufgekündigt und einen weiteren drastischen Einbruch der Preise prognostiziert.

Etwas erholen können habe sich die Praktiker-Anleihe, die vergangene Woche erneut abgerutscht sei, nachdem das Unternehmen auch für die Tochter Max Bahr Insolvenz beantragt habe. Nach dem Allzeittief bei 7,16 Euro werde das Papier aktuell wieder zu 10 Euro gehandelt. Wie am Dienstag bekannt geworden sei, gebe es durchaus Interessenten für die Baumarktkette.

Sehr beliebt sei die Mitte Juli emittierte Continental-Anleihe mit Kupon von 3 Prozent und Laufzeit bis 2018, wie Daniel weiter melde. "Aktuell notiert sie bei 103,09 Prozent." Ebenfalls viel gekauft werde eine bis 2019 laufende General Electric-Anleihe (ISIN XS0794230507 / WKN A1G57J).

Wie Stopp feststelle, seien HeidelbergCement-Anleihen (ISIN XS0458230322 / WKN A1A6PG; ISIN XS0458685913 / WKN A1A6PH; ISIN XS0478803355 / WKN A1C90N) nach den guten Quartalszahlen des Baustoffkonzerns gefragt gewesen. Dass die EU-Kommission Staatsgarantien für den französischen Autobauer Peugeot genehmigt habe, habe außerdem Kurse von Peugeot gestützt (ISIN FR0010780452 / WKN A1AJ7Z; ISIN FR0011439975 / WKN A1HGW0). "Die Verluste des Konzerns im ersten Halbjahr sind zudem geringer ausgefallen als befürchtet", ergänze Brunner.

Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank zufolge seien die "alten Favoriten" weiter nachgefragt gewesen, besonders die Renault-Anleihe, die sich viele Private ins Portfolio gelegt hätten, und Deutsche Bank-Nachranganleihen (ISIN DE000A0TU305 / WKN A0TU30; ISIN DE000A1ALVC5 / WKN A1ALVC). "Spannend bleibt die Situation bei Solarworld", bemerke Hellwig. Zu Beginn der kommenden Woche fänden nämlich erneut Gläubigerversammlungen statt, um Zustimmung zu den Restrukturierungsplänen zu erlangen (ISIN XS0641270045 / WKN A1H3W6). Der Kurs der Anleihe habe sich nach dem Fall auf ein Jahrestief im April fast verdoppelt.

Nicht viel los sei derzeit im Bereich der Neuemissionen. "Inzwischen hat auch der Primärmarkt auf Sommermodus geschaltet. Entsprechend wenige Neuemissionen gab es in dieser Woche", melde Stopp. (02.08.2013/alc/a/a)
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ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 177,61 150,49
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