Anleihen: Im Zeichen von Lufthansa und Wirecard


26.06.20 15:31
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Auch im Bond-Handel dominierten diese Woche zwei Themen: Wirecard und Lufthansa, so die Deutsche Börse AG.

"Der normale Bond-Handel stand im Schatten", stelle Arthur Brunner von der ICF Bank fest. Schon in den Vortagen habe sich der Fall Wirecard zugespitzt, am gestrigen Donnerstag habe der Zahlungsabwickler, dem ein gigantischer Bilanzbetrug vorgeworfen werde, dann Insolvenz angemeldet.

"Die Anleihen sind jetzt nur noch Zockerpapiere", bemerke Brunner. Der Kurs der bis 2024 laufenden Anleihe (ISIN DE000A2YNQ58 / WKN A2YNQ5) sei von über 80 bis auf rund 18 Prozent gefallen. Die Wandelanleihe (ISIN XS2055754217 / WKN A2R8E6) - benannt nach dem niederländischen Vehikel Argentum Netherlands - sei abgestürzt von 73 auf 8 Prozent, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank erkläre. Für Privatanleger eigne sich der Wandler wegen der Mindestanlagesumme von 100.000 Euro aber ohnehin nicht.

Auch Lufthansa bleibe im Gespräch. "Das hat uns diese Woche am meisten beschäftigt", berichte Daniel. Vor der Hauptversammlung am gestrigen Donnerstag hätten Anleger überwiegend verkauft, nach der Zustimmung der Aktionäre zum Rettungspaket seien die Kurse deutlich gestiegen: So sei der Kurs der bis 2075 laufenden Hybridanleihe (ISIN XS1271836600 / WKN A161YP) mit Kupon von 5,125 Prozent von 73,25 auf 84,40 Prozent geklettert. Die bis 2024 laufende Anleihe (ISIN XS2049726990 / WKN A2YNV6) mit 0,25 Prozent-Kupon habe immerhin noch ein Plus von 84,15 auf 89 Prozent verzeichnet. "Bei uns gab es nach dem Kursanstieg aber viele Gewinnmitnahmen", stelle der Händler fest. "Auf dem hohen Level will keiner mehr zugreifen."

Rege Umsätze melde Brunner außerdem für die beiden Anleihen (ISIN SE0011167972 / WKN A2LQLF; ISIN SE0012453835 / WKN A2TSDS) von Ferratum Capital Germany mit Verkäufen an der Börse und Käufen im OTC-Handel. Beide würden 5,5 Prozent bieten, die eine sei 2022 fällig, die andere 2023. "Viel gekauft werden heute außerdem Hornbach-Anleihen, nachdem die Baumarktkette die sehr guten vorläufigen Zahlen für das erste Quartal bestätigt hat."

Etwas schwächer hätten sich angesichts der wieder gestiegenen Risikoscheu riskantere Werte wie Hybridanleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) von Volkswagen International Finance präsentiert, wie Brunner ergänze. In der vor einer Woche emittierten Publity-Anleihe verzeichne der Händler gute Umsätze mit anfänglichen Kursgewinnen und folgenden leichten Gewinnmitnahmen.

Die Sorge vor einer zweiten Pandemiewelle habe die Risikoaversion insgesamt wieder etwas steigen lassen - mit Auswirkungen auch auf die Staatsanleihen. "Der Anstieg der Corona-Fälle in Nordrhein-Westfalen und in den USA lässt Anleger wieder nach sicheren Häfen suchen", bemerke Brunner.

Der Euro-Bund-Future sei daher im Wochenverlauf etwas gestiegen und liege am Freitagmittag bei 176,56 Prozent. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei wieder unter minus 0,45 Prozent gefallen, aktuell seien es minus 0,47 Prozent. Viel gekauft werde auch eine Spanien-Anleihe mit Laufzeit bis 2033 und Kupon von 2,35 Prozent, melde Daniel. Die Rendite liege beim aktuellen Kurs von 121,50 Prozent allerdings nur bei 0,63 Prozent.

Gut sei auch eine neue hundertjährige österreichische Staatsanleihe (ISIN AT0000A2HLC4 / WKN A28Y97) mit Kupon von 0,85 Prozent angekommen. Käufer dieser zweiten Anleihe mit so langer Laufzeit - die erste (ISIN AT0000A1XML2 / WKN A19PCG) habe es vor drei Jahren gegeben - würden ihr Geld also erst im Jahr 2120 zurückerhalten. Käufer würden wohl auf Kursgewinne setzen: Die 2017 begebene Anleihe, die einen Kupon von 2,1 Prozent habe, werde mittlerweile zu 196 Prozent gehandelt, was die Rendite auf 0,72 Prozent drücke.

Noch bis zum 20. August könne eine Anleihe (ISIN DE000A289R82 / WKN A289R8) der reconcept GmbH gezeichnet werden, einem Anbieter und Asset-Manager nachhaltiger Geldanlagen sowie Projektentwickler im Bereich Erneuerbare Energien. Das Papier biete 6,75 Prozent und laufe bis August 2025, Mindestanlagesumme seien 1.000 Euro. reconcept wolle bis zu 10 Millionen Euro platzieren, die Erlöse sollten in den Aufbau der Projektpipeline in Kanada fließen. (26.06.2020/alc/a/a)





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DE000A2YNQ58 A2YNQ5 99,00 € 9,50 €
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