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Ausblick Renten: Weiterhin selektive Chancen für attraktive Anlageergebnisse


10.01.19 12:30
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - 2018 war an den Kapitalmärkten ein recht ernüchterndes Jahr, so die Experten von Degroof Petercam Asset Management (DPAM).

Fast 90 Prozent der Anlageklassen hätten Negativrenditen verbucht. Ursachen seien hauptsächlich der geldpolitische Kurswechsel mit der Abkehr von der quantitativen Lockerung und das Erstarken des Protektionismus gewesen. Mit politischen Problemen in Europa sowie dem sich verlangsamenden globalen Wachstum seien im Jahresverlauf weitere unvorhergesehene Ereignisse aufgetreten.

Degroof Petercam AM zufolge sollten Anleger dennoch nicht negativ in die Zukunft blicken, schließlich bedeute eine moderate konjunkturelle Abkühlung kein Stillstand oder Negativwachstum. "Unser Basisszenario geht für 2019 nicht von einer Rezession aus. Dennoch wird sich das seit 2016 kräftige, synchrone Wachstum in den Industrie- und Schwellenländern weiter verlangsamen. Anleger werden angesichts der Gesamtlage an den Märkten phasenweise Kursschwankungen verkraften müssen", sage Guy Lerminiaux, bei Degroof Petercam AM verantwortlich für die fundamentalen Aktienstrategien.

Insgesamt sehe der Experte die Risikoaversion allgemein unverändert hoch, die Leitindikatoren aus der Wirtschaft nach wie vor durchwachsen und die politische Situation unsicher. In den aktuellen Bewertungen seien diese Risikofaktoren eingepreist. Sollten sie sich unerwartet entschärfen, könnte dies eine Kurserholung bei Aktien herbeiführen. Dadurch würde der Inflationsdruck sinken, was wiederum positiv auf die Unternehmensgewinne wirke. Zudem würde sich der auf den Zentralbanken lastende Druck zur Erhöhung der Zinsen verringern.

"Kurzfristig werden Anleger potenzielle Erholungen immer wieder für den Verkauf von Aktien nutzen. Ohnehin zeigt sich gerade eine allgemeine Korrektur der Portfolioallokationen. Für aktive Fondsmanager, die Aktien gezielt nach fundamentalen Kriterien auswählen, fördert ein volatiles Umfeld deutliche Chancen zutage. Außerdem kommt die Renditelücke als Differenz zwischen der Rendite von Staatsanleihen und Aktien letzteren kräftig zugute", sage Guy Lerminiaux. Bis 2022 erwarte er folgende annualisierte Aktienmarktrenditen: USA: 3,7 Prozent; Europa: 7,4 Prozent; Japan: 2,3 Prozent; Schwellenländer: 11,2 Prozent.

2018 sei ein Übergangsjahr gewesen, in dem sich der festverzinsliche Sektor von den überzogenen jährlichen Wertentwicklungen der Vergangenheit verabschiedet habe. Die Zentralbanken hätten mit ihrer extremen Geldpolitik rund zehn Jahre lang das Risiko an den Anleihemärkten quasi absorbiert. Diese Ära neige sich nun dem Ende zu. Zukünftig würden sich andere Haupttreiber der Wertentwicklung bei Anleihen herauskristallisieren. Dazu zähle der Carry, d.h. der Zinsaufschlag gegenüber einer als risikofrei geltenden Investition, wie zum Beispiel Bundesanleihen, und die Roll-Down-Rendite, die sich unter Berücksichtigung von Kupon und Restlaufzeit ergebende Verzinsung oberhalb der aktuellen Zinsstrukturkurve.

"Anleiheinvestoren sollten sich auf den Grundsatz zurückbesinnen, wonach die Kuponerträge alles entscheidend sind und der Kapitalzuwachs nur an zweiter Stelle steht", sage Peter De Coensel, Renten-Chef bei Degroof Petercam AM. Angst vor den Auswirkungen zukünftig höherer Leitzinsen halte er für unberechtigt. Denn je höher das anfängliche Renditeniveau, desto geringer die relative Auswirkung eines Renditeschocks. Dies treffe aktuell auf die meisten US-Anleihesektoren zu. Angesichts des derzeitigen US-Zinsniveaus wären deutlich spürbare Renditesteigerungen nötig, um die Anlegererträge zu schmälern. Der Ausgangspunkt in der Eurozone sei aufgrund des insgesamt niedrigeren Renditeniveaus allerdings weniger günstig.

"Extreme Gefahren für die Rentenmärkte sind aus jetziger Sicht nicht erkennbar. Für die nächsten Jahre sind somit keine annualisierten Negativergebnisse zu erwarten. Anleger müssen sich aber darauf einstellen, dass die Zinsen auf längere Sicht niedrig bleiben. Die globale Diversifizierung und sorgfältige Titelauswahl können im Laufe der Zeit aber eine vollständige Entfaltung des Zinseszinseffektes fördern", sage der Rentenexperte, der bis 2022 mit folgenden jährlichen Renditen der wichtigsten Anleihesektoren rechne: Euro-Staatsanleihen: 2,1 Prozent; Euro-Unternehmensanleihen Investment-Grade: 2,45 Prozent; Euro-Hochzinsanleihen: 3,7 Prozent; US-Staatsanleihen: 3,1 Prozent; US-Unternehmensanleihen Investment-Grade: 5,4 Prozent; US-Hochzinsanleihen: 5,5 Prozent; Schwellenländer-Staatsanleihen: 6,1 Prozent.

Besonders optimistisch sei Peter De Coensel für Staatsanleihen der Schwellenländer: "Wir gehen davon aus, dass sich das reale Wachstum in Schwellen- und Industrieländern weiter auseinander entwickeln wird, während das Inflationsgefälle stabil bleibt oder gar sinkt. Die Treiber der negativen Wertentwicklung in 2018 könnten sich im neuen Jahr in Rückenwind wandeln."

Der stärkere US-Dollar, steigende Renditen bei US-Staatsanleihen und länderspezifische Stresssituationen hätten dem Sektor eine unterdurchschnittliche Performance beschert. Der Schaden habe sich jedoch in Grenzen gehalten. Auf Lokalwährung lautende Schwellenländeranleihen hätten deutlich geringe Verluste hinnehmen müssen als ihre Pendants in Hartwährung. "Wir schätzen die Aussichten für 2019 optimistisch ein. Die Konsolidierung des Dollar und der US-Zinsen ist ein solides Fundament."

"Zahlreiche Emerging Markets-Währungspaare sind auf langfristig attraktive Niveaus gestiegen. Wir bevorzugen Lokalwährungsanleihen von Regierungen, die sich auf die Realpolitik konzentrieren und strukturelle Haushaltsprobleme sowie sozialpolitische Herausforderungen in Angriff nehmen", fasse Peter De Coensel seinen Ausblick für Schwellenländerbonds zusammen. (10.01.2019/alc/a/a)