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Ein Blick auf die Anleihenmärkte - Katalysatoren für einen Wiederanstieg der Renditen


23.09.21 11:30
Ardea Investment Management

Sydney (www.anleihencheck.de) - Anleihen erlebten einen schlechten Jahresstart und verzeichneten im ersten Quartal 2021 erhebliche Verluste, so die Experten von Ardea Investment Management.

Wie von Analysten prognostiziert, habe das zweite Quartal höhere globale Wachstums- und Inflationsergebnisse gebracht. Vieles deute darauf hin, dass dieser Trend anhalten werde. So würden beispielsweise die Zentralbanken allmählich eine Abkehr von der extrem lockeren Geldpolitik signalisieren. Dies berichte Ardea Investment Management, einer der größten australischen Investmentmanager für Bonds mit einem Relative-Value-Investmentansatz, in seinem letzten Halbjahresrückblick.

Die globalen Wachstums- und Inflationszahlen seien im ersten Halbjahr 2021 gut gewesen, insbesondere in den USA. Hier würden die Anleihenmärkte aufgrund der Größe des Marktes und der jüngsten fiskalischen Impulse oftmals am deutlichsten auf die Daten reagieren. Stimulierend habe eine Reihe von Faktoren gewirkt: Die weltweiten PMI-Umfragen würden nach wie vor auf eine weit überdurchschnittliche Aktivität hindeuten; der IWF habe Ende Juli seine Prognose für das globale Wachstum 2021 auf 6% angehoben; die US-Wirtschaft habe im zweiten Quartal 1,7 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen, hiervon 850.000 allein im Juni; und der US-Verbraucherpreisindex liege im Jahresvergleich bei 5,4%, die Kernrate bei 4,5%.

Die Märkte hätten sich angepasst und würden ihren Blick nach vorn richten. Während einige wichtige Zahlen die Erwartungen übertroffen hätten, seien die Renditekurven im zweiten Quartal besser eingepreist worden und die Marktteilnehmer seien von den hervorragenden Zahlen weniger schockiert gewesen als im ersten Quartal. In den ersten Monaten des Jahres seien die globalen Wachstumsprognosen in ungewöhnlich hohem Maße nach oben korrigiert worden, was die Renditen in die Höhe getrieben habe. Zwar seien die Wachstumsprognosen danach weiterhin nach oben korrigiert worden, aber die Dynamik habe nachgelassen. Die Tatsache, dass der jüngste Anstieg eher auf die realen als auf die nominalen Renditen zurückzuführen sei (die Inflationserwartungen seien nur geringfügig gesunken), unterstreiche, dass sich die Märkte mehr Sorgen über die drohenden Abwärtsrisiken für das Wachstum als über die Inflation machen würden.

Nach Erachten der Experten von Ardea Investment Management sei es unvermeidlich, dass sich die Wachstumsraten in den USA von einem sehr hohen Niveau aus verlangsamen würden, da die Auswirkungen der nicht infrastrukturbezogenen, fiskalischen Anreize nachlassen würden. Auch in China werde sich das Wachstum abschwächen. Als die dortige Zentralbank im Juli den Mindestreservesatz um 50 Basispunkte gesenkt habe, sei dies sicherlich nicht überraschend gekommen.

Neben der FED hätten weitere Zentralbanken ihre Bereitschaft signalisiert, die Konjunkturmaßnahmen zurückzufahren. Die Reserve Bank of Australia (RBA), die Bank of Canada (BoC) und die Bank of Japan (BoJ) hätten Hinweise auf eine Reduzierung der Anleihekäufe gegeben, und die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) habe ihre Käufe ganz eingestellt. Viele Teilnehmer an den Anleihemärkten sähen darin einen Hinweis, dass die Wachstumsdynamik ihren Höhepunkt erreicht habe.

Das Ausmaß der Rally an den globalen Anleihemärkten seit dem ersten Quartal habe viele Anleger überrascht. Die treibenden Faktoren scheinen eine Mischung aus Wachstumsstimmung, technischer Positionierung, politischen Reaktionen der Zentralbanken auf die Inflation und Einschätzungen zu längerfristigen strukturellen Themen zu sein, so die Experten von Ardea Investment Management. Die Märkte würden sich selten geradlinig bewegen und die Geschichte zeige, dass sich makroökonomische Zusammenhänge schnell ändern könnten. Auch wenn der Anleihemarkt das Thema Reflation, das im ersten Quartal so dominant gewesen sei, scheinbar fallen gelassen habe, sei es nicht schwer, einige Katalysatoren für eine Erholung in die andere Richtung zu erkennen.

So spiele das globale Wachstum eine Rolle. Die Annahme, die Anleihenrally spiegele die tief verwurzelten Sorgen um das Wachstum wider, werde auf die Probe gestellt, sollten die großen Volkswirtschaften den steigenden Corona-Fällen und anderen Widrigkeiten standhalten. Die meisten Prognosen würden bereits davon ausgehen, dass sich die Wirtschaftstätigkeit in den USA und in China nach den jüngsten Höchstständen abschwächen werde. Was die Inflation betreffe, gebe es keine anerkannte Definition des Begriffs "vorübergehend" und die Prognoseunsicherheit sei sehr hoch. Anhaltende Inflationsüberraschungen nach oben könnten den derzeitigen Optimismus, der sich in den Inflationspreisen widerspiegele, durchaus erschüttern, was sich auch auf die Nominalsätze und die Zinsvolatilität auswirke.

Und schließlich noch das Thema Tapering. Es werde allgemein erwartet, dass die FED Anfang 2022 mit der langsamen Rücknahme des derzeitigen Quantative-Easing-Programms von 120 Mrd. US-Dollar pro Monat beginnen werde. Das Signal für diesen Kurswechsel werde wahrscheinlich im dritten oder vierten Quartal 2021 kommen. (23.09.2021/alc/a/a)