Bonitätsabhängige Schuldverschreibung: BP wird grün - Anleiheanalyse


16.10.20 16:00
DZ BANK

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das DZ BANK-Derivate-Team stellt als Alternative zum Direktinvestment in die Aktie von BP eine bonitätsabhängige Schuldverschreibung (ISIN DE000DD5ATL7 / WKN DD5ATL) bezogen auf die Aktie von BP vor.

Die Corona-Krise habe BP hart getroffen. In Zukunft wolle der Energieriese unabhängiger von fossilen Brennstoffen sein. Hierfür sollten die Investitionen in kohlenstoffarme Technologien erhöht werden. Bis zum Jahr 2050 peile der Konzern Klimaneutralität an.

Die Corona-Pandemie habe die Mineralöl- und Energiebranche hart getroffen. Aufgrund der weltweiten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus sei die Nachfrage nach Benzin und Diesel deutlich zurückgegangen. Vor allem der Bedarf an Kerosin sei aufgrund der geringen Anzahl von Flugreisen nahezu zusammengebrochen. Die Energy Information Administration (EIA) prognostiziere, dass die globale Nachfrage nach Ölprodukten in diesem Jahr um durchschnittlich 8,3 Millionen Barrel pro Tag von 101,4 auf 93,1 Millionen Barrel pro Tag zurückgehen werde. Dies wäre der stärkste Rückgang des Ölverbrauchs seit mindestens drei Jahrzehnten. Infolgedessen sei der Ölpreis massiv gefallen. Im zweiten Quartal habe der Durchschnittspreis für Brent bei rund 30 US-Dollar und somit deutlich unter den 64 US-Dollar des Gesamtjahres 2019 gelegen.

Solch eine Entwicklung gehe auch an BP nicht spurlos vorüber. Im zweiten Quartal des laufenden Jahres habe das Unternehmen einen Verlust von 6,7 Mrd. US-Dollar erlitten. Im Vergleich zum Vorjahresquartal sei dies ein Rückgang um rund 9,5 Mrd. US-Dollar. Im zweiten Halbjahr habe sich die Lage wieder etwas normalisiert. Laut BP habe sich die Nachfrage nach Benzin und Diesel im August auf 85-90% des normalen Niveaus erholt. Allerdings bleibe die Nachfrage nach Flugbenzin weiterhin 70% niedriger als vor einem Jahr.

Während die Corona-Krise hoffentlich im Laufe des Jahres 2021 mit der Entwicklung eines Impfstoffes ihren Schrecken verliere, sei der Klimawandel eine Herausforderung, der sich Unternehmen langfristig stellen müssten. BP habe dies erkannt und plane, sein Geschäftsmodell umzugestalten. Anfang des Jahres habe das Unternehmen verkündet, dass bis 2030 eine größere Umstellung von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien stattfinden solle. Hierfür wolle BP seine Investitionen in saubere Energie um das Zehnfache erhöhen. Gleichzeitig solle die Öl- und Gasproduktion um über 40% - von derzeit 2,6 Millionen Barrel pro Tag auf 1,5 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2030 - gesenkt werden.

Unter Anbetracht der aktuellen Klimadiskussion würden die Analysten den Schritt begrüßen, den Bereich erneuerbare Energien auszubauen. Zudem könnte ein breit diversifiziertes Energieportfolio das Unternehmen resistenter gegen Krisen machen. Allerdings beinhalte solch eine radikale Umgestaltung des Geschäftsmodells nach Meinung der Analysten auch einige Risiken und könnte an den Kapitalmärkten mittelfristig für eine gewisse Unsicherheit sorgen. Ferner würden die Analysten erwarten, dass es sehr schwer sein dürfte, im Bereich der erneuerbaren Energien dieselben Margen zu erzielen, die BP jahrzehntelang in der Ölindustrie erwirtschaftet habe.

Derzeit werde die BP-Bonität von den drei führenden Ratingagenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch mit den Langfrist-Ratings A1, A- und A eingestuft. Der Ausblick reiche von negativ bis stabil. Anlagen mit diesen Ratings würden als sichere Anlage gelten, sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse die Gesamtwirtschaft oder die Branche beeinträchtigen würden.

Positiv würden die Ratingagenturen unter anderem die diversifizierten Reserven und die Produktionsbasis des Mineralöl- und Energieunternehmens bewerten. Des Weiteren verfüge BP über einen hohen Cashbestand und habe sich auch in früheren Abschwüngen widerstandsfähig gezeigt. Nichtsdestotrotz würden die Agenturen fürchten, dass der Zusammenbruch der Öl- und Gaspreise negative Auswirkungen auf das Finanzprofil des Unternehmens haben könnte. So sei z.B. Moody's skeptisch, ob BP unter Anbetracht eines relativ hohen bereinigten Schuldenstands in der Lage sein werde, wieder eine ausreichende Finanzkraft zu erlangen, um das aktuelle Rating zu rechtfertigen.

Aktuell habe die DZ BANK eine bonitätsabhängige Schuldverschreibung auf die BP p.l.c. im Angebot. Der Zinssatz für dieses Papier betrage 0,85% p.a. und die Laufzeit betrage 7,1 Jahre. Die Zeichnungsphase laufe vom 15.10.2020 bis 30.10.2020. Die Art und Höhe der Rückzahlung am Rückzahlungstermin sei abhängig von der Bonitätsentwicklung von BP. Am Rückzahlungstermin gebe es folgende Rückzahlungsmöglichkeiten:

1. Trete während der Laufzeit der Schuldverschreibung kein Kreditereignis beim Referenzschuldner BP p.l.c. ein, erhalte der Anleger zu den jährlichen Zinszahlungsterminen einen Zinssatz von 0,85% ausbezahlt. Zudem werde die Schuldverschreibung am Tag der Endfälligkeit zum Nennbetrag zurückgezahlt.

2. Trete während der Laufzeit der Schuldverschreibung ein Kreditereignis beim Referenzschuldner BP p.l.c. ein, würden die Zinszahlungen ab diesem Zeitpunkt eingestellt und die Rückzahlung erfolge zum Abwicklungsbetrag. Der Abwicklungsbetrag könne deutlich unter dem Nennbetrag liegen und im Extremfall null betragen, d.h. die Zahlung entfalle in diesem Fall vollständig (Totalverlustrisiko). Der Anleger erleide einen Verlust, wenn der Abwicklungsbetrag unter dem Erwerbswert der Schuldverschreibung liege.

Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals sei auch möglich, wenn die DZ BANK als Emittent ihre Verpflichtungen aus dem Zertifikat aufgrund behördlicher Anordnungen oder einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit/Überschuldung) nicht mehr erfüllen könne. (16.10.2020/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.