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"Brexit" und kein Ende


15.03.19 09:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der "Brexit" bleibt den Akteuren an den Finanzmärkten noch länger als Unsicherheitsfaktor erhalten, nachdem London für eine Fristverlängerung votierte, so die Analysten der Helaba.

Allerdings müsse dies von den restlichen EU-Staaten ebenfalls gewollt werden und es scheine, dass die Geduld mit den Briten allmählich erschöpft sei. Noch sei alles möglich, nur London müsse endlich mal zu Potte kommen.

Widersprüchliche Signale habe es in den letzten Monaten vonseiten der konjunkturellen Datenveröffentlichungen in den USA gegeben. Dies habe unlängst auch FED-Chef Powell konstatiert und damit die abwartende Haltung der FED. Angesichts dessen und der Datenabhängigkeit der weiteren zinspolitischen Entscheidungen seien die eingehenden Wirtschaftszahlen von hohem Interesse. Dies gelte insbesondere auch deshalb, weil die Geldmarkt-Teilnehmer quasi ein unverändertes Zinsniveau für das gesamte Jahr 2019 einpreisen und 2020 bereits mehrheitlich auf eine Zinssenkung setzen würden. Nun stünden die Zeichen zwar nicht mehr auf Hochkonjunktur, Rezessionssignale seien vonseiten verschiedener Indikatoren aber ebenso wenig vorhanden.

Zur Erinnerung: Der Einkaufsmanagerindex des Nicht-Verarbeitenden Gewerbes stehe jenseits der Marke von 59 Punkten, das Pendant der Industrie pendele um 55 Zähler. Das Verbrauchervertrauen liege ungeachtet der Rückgänge im Winter auf hohem Niveau - vereinzelte Indikatoren würden zu Beginn des laufenden Monats sogar Höchststände seit dem Jahr 2000 aufweisen. Auch habe die Zahl offener Stellen (JOLTS) im Dezember einen Höchststand erreicht. Währenddessen seien die Einzelhandelsumsätze Ende 2018 eingebrochen und hätten sich im Januar nur unzureichend erholt und der Stellenaufbau sei im Februar fast zum Erliegen gekommen. Auch die Industrieproduktion habe im Dezember ein unerwartetes Minus aufgewiesen.

Darüber hinaus habe eine Vielzahl der Datenveröffentlichungen in den USA die Markterwartungen verfehlt. Per saldo sei eine abwartende Haltung daher durchaus als angemessen zu bezeichnen. Mehr Klarheit sei nötig, um die mittelfristige Inflationsperspektive besser einschätzen zu können. Die heute anstehenden Daten würden die Analysten leicht freundlich sehen.

So dürfte sich die Industrieproduktion im Februar erholen, denn eine Gegenbewegung zur Januarschwäche sollte möglich sein, da sich der entsprechende ISM-Index habe verbessern können. Ein solider Empire-State-Index mit einem klar im Expansionsbereich liegenden Wert würde das freundliche Bild untermauern. Indikationen für das Michigan Sentiment seien leicht freundlich. Der neue JOLTS für den Monat Januar runde das Bild ab. Gründe für ein weiteres Zurückdrängen der Zinserwartungen würden die Analysten nicht ausmachen. Deutlich positives Überraschungspotenzial würden sie aber ebenso wenig sehen. (15.03.2019/alc/a/a)