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Bund legt Emissionsplanung vor


09.01.19 15:39
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Während die EZB-Sitzung am 13. Dezember noch einmal genaueren Aufschluss über den weiteren Fahrplan in 2019 lieferte, gehen die Analysten der Nord LB in dieser Ausgabe insbesondere auf die Details der Aussagen im Fälligkeiten-Tracker ein.

Zudem hätten die Analysten bereits letzten Monat den veränderten Kapitalschlüssel kommentiert. Die Sitzung am 24. Januar dürfte wiederum unspektakulär werden.

Auch der Bund habe Ende des Jahres seine Emissionsplanung für 2019 bekannt gegeben. Demnach plane der Bund zur Finanzierung des Bundeshaushalts Emissionen in Höhe von EUR 199 Mrd. - verteilt auf Kapitalmarktpapiere in Höhe von EUR 156 Mrd. sowie Geldmarktinstrumente über EUR 43 Mrd. Damit weite der Bund seine Emissionen im Vergleich zum Vorjahr abermals leicht aus, wovon erstmals EUR 20 Mrd. für die "Bad Bank" FMSWERT, vorgesehen seien. Die Höhe der Fälligkeiten gebe die Agentur mit EUR 163 Mrd. an.

Wer habe gedacht, das nächste bevorstehende Highlight bezüglich des Brexits wäre die Neuterminierung des Abstimmungstermins für den 15. Januar (ehemals 11. Dezember), habe sich schon kurz darauf getäuscht gesehen. Nun habe der Telegraph berichtet, einzelne Regierungsvertreter aus Englands Finanzmetropole hätten in Brüssel vorgefühlt, ob eine Verlängerung der Verhandlungsfrist nach EU-Artikel 50 grundsätzlich infrage käme. Die dpa habe diesbezüglich zu berichten wissen, dass eine solche Verlängerung oder Verschiebung auf EU-Seite nicht ausgeschlossen werden würde. Insbesondere Brexit-Minister Stephen Barclay habe vor weiteren Problemen bei einer Verschiebung gewarnt, habe jedoch vor allem gemahnt: "Das ist keine Entscheidung, die die britische Regierung fällen könnte. Es würde die Zustimmung aller 27 Staaten erfordern."

Diese Sichtweise halten die Analysten der Nord LB für sehr realistisch. Dieses Thema sei für den SSA-Sektor dahingehend wichtig, als dass viele Emittenten derzeit Funding in GBP printen würden und die Insel ohne die EIB keine Förderbank mehr hätte sowie sich die Mehrheitsverhältnisse bei der europäischen Institution verschieben würden.

Während die Analysten der Nord LB normalerweise im Rahmen ihrer Wochenpublikation fast ausschließlich auf EUR eingehen, jedoch trotzdem rechts und links über den Tellerrand auf andere Währungen schauen, nutzen sie die aktuelle Emissionswelle in Britischen Pfund, um mal ein Sonderthema zu kommentieren: Insbesondere die EIB und die KFW legten früh im Jahr 2019 mit dem Funding los und entschieden sich für GBP 1 Mrd. bzw. GBP 1,25 Mrd., im Fall der EIB auch als Floater mit SONIA-Basis. Es seien in den weiteren Handelstagen Svensk Exportkredit (SEK; GBP 250 Mio.), BNG (GBP 250 Mio.), ADB (GBP 200 Mio.), FMSWER (GBP 500 Mio.), KBN (GBP 250 Mio.), RENTEN (GBP 150 Mio.) und NIB (geplante Benchmark) gefolgt. Dies sei in Laufzeiten von drei Jahren bis unter sieben (Renten) geschehen, ansonsten habe kein Bond eine längere Fälligkeit als 12/2023 (SEK) gehabt. Einen ähnlichen Trend habe man auch bei Corporates beobachtet. Die Beweggründe dürften durch die Bank ähnlich bis identisch sein: Wenn nicht jetzt, wann dann. Der Brexit werfe seine Schatten voraus!

Die Emissionswelle im EUR-Segment hielt sich für SSA-Namen durchaus in Grenzen: Wir verbuchen neben einigen Taps immerhin drei Neuemissionen mit einem Mindestvolumen in Höhe von EUR 500 Mio., so die Analysten der Nord LB. Dabei seien mit Agencies & zwei Sub-Segmente vertreten. Bei den EUR-Taps hätten mit Niedersachsen und dem Saarland zwei deutsche Bundesländer hervorgestochen. Während NIESA anfangs EUR 250 Mio. angepeilt habe für ihre 2033er-Laufzeit, seien Orders in Höhe von mehr als EUR 700 Mio. zusammengekommen, sodass der Tap auf EUR 500 Mio. ausgeweitet worden sei und zu ms +7bp gekommen sei. Hauptsächlich deutsche Accounts (74%) hätten in über 30 Orders dafür verantwortlich gezeichnet. Ebenfalls zu ms +7bp sei das Saarland mit einem 2032-Tap gekommen.

Das Jahr habe mit EUR 600 Mio. ein sehr seltener Name eröffnet: Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) sei zuletzt 2014 mit einer EUR-Anleihe am Markt gewesen, welche bereits 2017 fällig geworden sei. Zudem hätten sie ein grünes Format gewählt, was zusätzlich neue Investorenkreise erschlossen haben dürfte. Den kurzzeitig größten SSA-Deal des noch jungen Jahres habe direkt die EFSF eintüten können: EUR 3 Mrd. für sieben Jahre zu ms +1bp stünden hier zu Buche. Das aktuelle Repricing habe das erste Mal seit längerer Zeit zu einem positiven Issue Spread geführt. Die KfW habe zudem neben einem Tap (EUR 1 Mrd. in einer 2021er-Laufzeit zu ms -25bp) auch eine neue Benchmark printen können. Die zehnjährige Fälligkeit sei gut für EUR 5 Mrd. zu ms -7bp. Gewesen. Die große Bugwelle an Emissionen würden die Analysten nun nach und nach den gesamten Januar über erwarten: Neben der Munfin (5y) habe auch die kanadische Provinz Alberta (7y) ein Konsortium für eine EUR-Benchmark mandatiert. Die Analysten würden mit zeitnahem Pricing, wie immer abhängig vom Marktumfeld vermutlich schon heute rechnen.

Das neue Jahr beginne so, wie das Alte geendet habe: Weiterhin sehe man viele Verkäufer und nochmal ein kräftiges Widening der Sekundärmarktanleihen. Obwohl der Primärmarkt in den EUR-SSA deutlich zögerlich gestartet sei, sei die Performance ernüchternd geblieben. Da das Widening aber seit Jahresanfang so schnell gewesen sei, würden die Analysten mit einer Übertreibung rechnen und daher könnten sich nun die Spreads stabilisieren oder auch leicht korrigieren. Das Highlight in der ersten verkürzten Handelswoche sei die Aufstockung der Niesa 09/33 um EUR 500 Mio. bei ms +7bp gewesen. Die Aufstockung sei komplett platziert worden, weil sie mit einem attraktiven Spread versehen gewesen sei. Im Gegensatz dazu sei die Aufstockung um EUR 250 Mio. der Saarland 05/32 beim identischen Spread nicht so erfolgreich verlaufen. Es gebe weiterhin Offerten im Markt, wobei diese Anleihe bei einem Renditeaufschlag von ca. 40 Basispunkten im Vergleich zu anderen zehnjährigen Länderanleihen durchaus interessant aussehe. Im Sekundärmarkt gebe es in verschiedenen Laufzeitbereichen einen Angebotsüberhang bei zurückhaltender Nachfrage. (09.01.2019/alc/a/a)