Bundesanleihen: Korrektur der Abwärtsbewegung mit geringer Überzeugungskraft fortgesetzt


07.11.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Bei den Kongresswahlen in den Vereinigten Staaten eroberten die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus, berichten die Analysten der Helaba.

Der Senat bleibe allerdings klar in republikanischer Hand. Insgesamt habe der Ausgang der Wahl keine Überraschung dargestellt. Obwohl sich alle Beteiligten als Sieger fühlen und ihre Erfolge feiern würden, dürfte das Regieren für den US-Präsidenten jetzt schwieriger werden. Mit Blick auf Haushaltsdefizit und Schuldenobergrenze stünden interessante Debatten ins Haus.

Im September seien bei der Industrie Deutschlands entgegen den Erwartungen mehr Aufträge als im Vormonat eingegangen. Zusammen mit der Aufwärtsrevision des Vormonats würden die Zahlen trotz des Rückgangs von 2,2% im Jahresvergleich auf ein versöhnliches Schlussquartal hoffen lassen.

Bei den Einkaufsmanagern des Servicesektors in Südeuropa könnte die Stimmung nicht unterschiedlicher sein. Während in Spanien (54 nach 52,5) der Trend wieder nach oben zeige, verdeutliche der Einbruch Italiens (49,2) unter die Expansionsschwelle das ganze Dilemma im Haushaltsstreit. Allerdings habe auch die Aufwärtsrevision in Deutschland geholfen, das Gesamtbild für die Eurozone aufzuhübschen.

Im Vorfeld der Wahl hätten Anleger ihr Pulver trocken gehalten. Aktien hätten Unterstützung durch die chinesische Regierung erhalten, die Gesprächsbereitschaft im Handelsstreit mit den USA signalisiert habe. Bundesanleihen hätten ihre Korrektur der Abwärtsbewegung mit geringer Überzeugungskraft fortgesetzt. Begleitet von sehr geringen Umsätzen hätten am Ende kleinere Abschläge überwogen. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich geringfügig auf 64 BP ausgeweitet. Im Vorfeld der Versteigerungen langlaufender OATs am Donnerstag sei hier und da Platz geschaffen worden. 10-jährige Bonds aus Belgien (0,825%) und Frankreich (0,80%) hätten dennoch ihren Abstand zu Bunds gehalten.

Anleihen der EU-Peripherie hätten vor Beginn der Beratungen über den italienischen Haushalt unter zunehmender Verunsicherung gelitten. Die schlechte Stimmung im Dienstleistungssektor sowie zunehmender Druck seitens der EU auf die Regierung in Rom würden ein schwieriges Umfeld schaffen. Bis kommenden Dienstag müsse ein überarbeiteter Haushaltsentwurf vorliegen. Der Risikoabstand 10-jähriger italienischer Staatsanleihen (3,39%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 9 BP ausgeweitet. Spanische (1,58%) und portugiesische Bonds (1,89%) hätten sich dem Druck mit einem Aufschlag von 1 bis 2 BP weitestgehend entziehen können.

Die Renditen für US-Staatsanleihen hätten sich an ihrem Heimatmarkt kaum von der Stelle bewegt. Mit dem Wahlergebnis im Rücken, das die Position Donald Trumps geringfügig schwäche, steige die Risikoaversion leicht an. In Fernost würden US-Treasuries mit langen und ultralangen Laufzeiten deutlich zulegen. Am kurzen Ende würden Zinsängste Aufschläge in Grenzen halten. Die Kursrückgänge an den asiatischer Aktienbörsen seien angesichts eines Wahlabends ohne große Überraschungen im Rahmen geblieben. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 37 BP verringert.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (159,67) habe 9 Stellen verloren, Bobl (131,29) und Schatz (111,935) seien 3 bzw. 1,5 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe habe bei 0,43% verharrt, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich 103 BP ermäßigt. 10-jährige US-Treasuries würden einen BP niedriger bei 3,19% rentieren. Der Euro klettere auf 1,145 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 61,9 Dollar.

Zur Wochenmitte könnten Marktteilnehmer durchatmen. Zwischen Midterms und Notenbanksitzung sei einzig die deutsche Industrieproduktion (0,1%/0,5%) von Relevanz. Einzelhandelsumsätze der Eurozone (0,1%/0,9%) und US-Konsumentenkredite (15 Mrd. USD) dürften nur am Rande interessieren.

Am Primärmarkt stocke die Finanzagentur des Bundes die 10-jährige Bundesanleihe um 3 Mrd. Euro auf. Das amerikanische Schatzamt versteigere 30-jährige Bonds im Volumen von 19 Mrd. USD.

Die DZ HYP AG habe unter Mitführung der Helaba einen 7-jährigen Hypothekenpfandbrief im Volumen von 1 Mrd. Euro bei Midswap -5 BP begeben. Der EFSF habe eine am 17. Januar 2024 fällige Anleihe im Volumen von 4 Mrd. Euro bei Midswap -13 BP platziert. Die EIB habe eine im März 2022 fällige Anleihe um 350 Mio. bei Midswap -27 BP aufgestockt. Bremen habe die Begebung einer 20-jährigen Anleihe im Volumen von 500 Mio. Euro angekündigt. (07.11.2018/alc/a/a)