Bunds mit leichten Kursverlusten erwartet


28.10.11 09:38
HSH Nordbank AG

Hamburg (anleihencheck.de) - Nach der gestrigen Euphorie, die sich unter anderem in einem Anstieg der zehnjährigen Bund-Renditen auf 2,20% äußerte, beginnt heute möglicherweise eine etwas kritischere Nachlese der EU-Gipfelergebnisse, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Beispielsweise stelle sich hinsichtlich des Schuldenschnitts die Frage, ob 50% gleich 50% seien. So könne man theoretisch die neuen Anleihen so strukturieren, dass ihr Nominalwert zwar bei 50% liege, aber der abdiskontierte Wert beispielsweise durch einen relativ hohen Kupon deutlich höher liege. Der internationale Bankenverband habe angedeutet, dass man an dieser Stellschraube gedreht habe und den Deal daher als akzeptabel empfunden habe. Für Griechenland bedeute dies, dass die Belastungen höher bleiben als die Schlagzeilen dies suggerieren würden.

Eine wesentlich bedeutendere Frage sei, ob und wann Italien seine von Ministerpräsident Berlusconi versprochenen Reformen durchführe. Ohne diese Reformen dürften sich EFSF-Garantien von 20 oder 25% für italienische Primärmarktemissionen rasch als unzureichend erweisen. In diesem Zusammenhang scheinen Spekulationen über einen baldigen Rücktritt von Berlusconi an Fahrt zu gewinnen, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Bundesbankpräsident Weidmann habe sich zudem kritisch hinsichtlich des neuen
Versicherungs- bzw. Hebelansatzes geäußert. Dieses Instrument weise eine hohe Ähnlichkeit zu den Instrumenten auf, die die Finanzmarktkrise ausgelöst hätten, weil sie zeitweise die Risiken verdeckt hätten. Man könnte dem etwas ketzerisch noch hinzufügen, dass der EFSF zu einem Monoliner werde.

Als letzter Punkt sei noch das geplante Finanzierungsvehikel genannt. Hier stelle sich die Frage, wie viel Geld Länder wie China und Brasilien tatsächlich bereit seien, in dieses Vehikel zu investieren und zu welchen Bedingungen dies geschehen solle. In den Medien würden Schätzungen von um die 100 Mrd. EUR kursieren, was den Analysten als recht optimistisch erscheine. Insofern werde China bei der Stabilisierung der Eurozone sicherlich keine entscheidende Rolle spielen.

Insgesamt gehe man davon aus, dass der Optimismus auch heute noch anhalte, aber sich wesentlich gedämpfter als gestern in den Kursentwicklungen widerspiegele. Die Bunds sollten demnach nur noch leichte Kursverluste aufweisen. (28.10.2011/alc/a/a)