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EZB-Aufsicht legt mit weiteren Erleichterungen nach


24.03.20 12:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die von der EZB-Aufsicht am 12.03.2020 angekündigten Erleichterungen bei den Eigenkapitalanforderungen für Banken sind am 20.03.2020 in Kraft getreten, so Dr. Susanne E. Knips, Senior Credit Analyst bei der Helaba.

Sie könnten nach Berechnung der EZB rund 120 Mrd. EUR an Eigenkapital frei setzen. Hiermit könnten Kredite an Unternehmen und Privatpersonen zur Überbrückung der Krise in Höhe von 1,8 Mrd. EUR finanziert werden.

Ferner würden Banken mehr Flexibilität bei Ansatz und Bewertung von Krediten erhalten, die sie gestützt auf öffentliche Garantien in der Corona-Krise vergeben würden. So würden weniger strenge Anforderungen bei ihrer Einordnung als Problemkredite gestellt. Ferner seien für diese innerhalb von sieben Jahren keine Risikovorsorgerückstellungen zu bilden. Auch beim Abbau von notleidenden Krediten wolle die Aufsicht großzügig bei der Genehmigung von Planzahlen der Institute vorgehen. Darüber hinaus sollten prozyklische Effekte bei der Bildung von Kreditrisikovorsorge-Rückstellungen, die sich aus dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS 9 ergeben würden, zumindest reduziert werden. Dieser beziehe den wirtschaftlichen Ausblick stark mit ein; durch eine eher längerfristige Sichtweise solle der daraus in der aktuellen Krise zu erwartende Anstieg der Kreditrisiko-Rückstellungen weniger stark ausfallen. Die EZB wolle hierzu Makro-Szenarien bereitstellen. Darüber hinaus würden ursprünglich zeitnah geplante Verschärfungen bei der Berechnung der Risikogewichteten Aktiva (RWA) um sechs Monate verschoben.

Die Palette an regulatorischen Erleichterungen für Banken werde immer länger. Sie würden vor allem auf die Reduzierung von Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen abzielen. Gemeinsam mit den geldpolitischen Maßnahmen zur Sicherstellung der Liquidität seien dies aus Sicht der Analysten der Helaba geeignete Maßnahmen, um die Funktionsfähigkeit des Bankensektors in der aktuellen Krise sicherzustellen.

Entscheidend sei aus Sicht der Analysten der Helaba nun, dass die fiskalpolitischen Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft durch die Staaten Europas schnell und reibungslos anlaufen würden und die Mittel bei Unternehmen und Privatpersonen ankämen. Die entsprechenden Institutionen in Europa stünden hier angesichts des Umfangs der Stützungsmaßnahmen vor enormen, auch technischen, Herausforderungen. Gemäß unserem Verständnis läuft in Deutschland die Einrichtung des Programms über die KfW bereits auf Hochtouren, so die Analysten der Helaba. Beim KfW-Programm werde zu beobachten sein, inwieweit die für die Ausreichung zuständigen Banken in Zeiten knapper Liquidität und steigender RWA bereit seien, bei diesen Krediten den geforderten Risikobeitrag von 20% zu übernehmen und damit den vorgesehenen Transmissions-Mechanismus funktionsfähig zu halten. (24.03.2020/alc/a/a)