EZB: Mister null Prozent bleibt sich treu


14.03.19 11:45
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Das Schauspiel, das uns die Briten in Sachen Brexit derzeit bieten, übertrifft an Spannung jedes shakespearesche Drama, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Nachdem Theresa May mit der zweiten Abstimmung über ihren Austrittsdeal mit der EU in dieser Woche erneut krachend gescheitert sei, habe das Parlament am gestrigen Mittwoch "No" zu einem No-Deal gesagt. Damit sei klar, dass eine eher knappe Mehrheit von 321 zu 278 Stimmen keinen ungeordneten EU-Austritt wolle und zwar zu keinem Zeitpunkt!

Die Entscheidung habe die Märkte zunächst aufatmen lassen. Sowohl der Euro als auch das Pfund Sterling hätten Kursgewinne gegenüber dem US-Dollar verbucht - die britische Währung sei gar um rund 1 Prozent gestiegen. Zehnjährige britische Staatsanleihen würden aktuell bei ca. 1,23% rentieren, was einem Risikospread gegenüber zehnjährigen "Bunds" von ca. 115 BP entspreche. Kein Zweifel, den Märkten behage die Unsicherheit, die von der unendlichen Geschichte um den Brexit ausgehe, in keinster Weise. Ob sich die immerhin noch vorhandene letzte Chance auf einen Exit für den Brexit nun vergrößern werde, könnte bereits das heutige Votum über eine Verschiebung des Austrittstermins zeigen.

Das Votum gegen einen Brexit ohne Abkommen möge zwar für den Moment beruhigen, wie Bundesjustizministerin Katarina Barley gesagt habe. Aber während des gesamten Gezeters in Westminster hätten die Parlamentarier bisher immer nur gezeigt, wie sie "No", nie aber zu was sie auch "Yes" sagen könnten. Um einen ungeordneten Brexit auszuschließen, müsste das Parlament aber endlich mal erklären, was es eigentlich wolle. Aus Sicht der EU-Kommission liege ja ein unterschriftsreifer Austrittsvertrag auf dem Tisch. Man habe einen Vertrag mit der Premierministerin vereinbart und die EU sei bereit, ihn zu unterzeichnen, habe die EU-Kommission unmissverständlich erklärt.

Damit die Briten aber einen ungeordneten Brexit abwenden könnten, müssten sie Brüssel um eine Verschiebung des Austrittstermins am 29. März bitten. Und dazu gebe es heute (Donnerstag) bereits die nächste Abstimmung. Nachdem das Votum gegen einen No-Deal den Weg dafür freigemacht habe, folge nun eine weitere Abstimmung - diesmal über eine Verschiebung des geplanten EU-Austritts der Briten. In Brüssel reagiere man auf ein solches Ansinnen allerdings sehr zurückhaltend. Wie EU-Chefunterhändler Michel Barnier deutlich gemacht habe, könne man sich dort nur dann eine Terminverschiebung vorstellen, wenn klar sei, welchem Zweck eine solche Maßnahmen dienen solle. London müsse eine "glaubwürdige Begründung" hierfür vorlegen. Dies könnten Neuwahlen oder ein zweites Referendum sein.

Der Zug in Richtung No-Deal-Brexit sei indessen ohnehin nicht gestoppt. Zwar habe das Parlament gegen einen Austritt ohne ein Abkommen votiert. Doch sollte man sich nicht auf eine Lösung verständigen können, würde Großbritannien dennoch am 29. März die EU verlassen. Dies würde dann heißen: Chaotische wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen - ungewollt von der parlamentarischen Mehrheit.

Der Leitzins bleibe bei null, mindestens bis Jahresende. Dies habe der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) vergangene Woche nach der Sitzung des geldpolitischen Rates angekündigt. Damit werde Mario Draghi der erste EZB-Präsident sein, der in seiner Amtszeit keine einzige Zinserhöhung vorgenommen habe. Es sei zu erwarten, dass die Zinsen damit frühestens im Laufe des Jahres 2020 angehoben würden, und wenn, dann höchstens in Trippelschritten. Auch der Einlagezins der Banken bei der EZB von minus 0,4% dürfte in diesem Zeitraum auf seinem Niveau verharren. Klar sei damit, dass die Zinsmargen der Finanzindustrie in Euroland weiter unter Druck bleiben würden. Ebenso müssten sich Sparer weiterhin noch lange Zeit mit Mini-Zinsen begnügen. Kreditnehmer oder Immobilienerwerber würden dagegen von den niedrigen Zinsen profitieren.

Sein Niedrigzinspulver habe er also längst verschossen. Draghi wäre aber nicht Draghi, wenn er nicht noch ein anderes Mittel in Petto gehabt hätte. So habe er für manche zu diesem Zeitpunkt überraschend neue Unterstützung für die europäischen Banken angekündigt, langfristige Kredite für die Banken im Euroraum aufzulegen, kurz TLTRO III. Diese würden zu günstigeren Konditionen als sonst üblich zur Verfügung gestellt, wenn die Institute das Geld als Kredite an Unternehmen weitergeben würden. Am Ende sollten auf diese Weise die Unternehmen zu mehr Investitionen animiert werden. TLTRO III, das dritte Programm seiner Art seit 2014, solle im September beginnen und bis März 2021 laufen. Seit der Erstauflage von TLTRO habe die Notenbank mehr als 700 Mrd. Euro in die Wirtschaft geschleust. Die neuen Geldspritzen dürften vor allem Banken im krisengeplanten Italien zugute kommen, die bereits in der Vergangenheit stark bei derartige Darlehen zugegriffen hätten.

Draghis Absicht, die hinter den neuen Maßnahmen stecke, sei klar: Er wolle mit den neuen Maßnahmen die europäische Wirtschaft gegen externe Gefahren wappnen. Man könne diese Risiken allerdings nicht aus der Welt schaffen, habe der EZB-Chef klargemacht und auf Unsicherheiten durch die Brexit-Entwicklung, den schwelenden Handelsstreit zwischen China und den USA und eine sich abzeichnende wirtschaftliche Abkühlung in diesen beiden wichtigen Märkten verwiesen. Außerdem habe Draghi vereinzelte Probleme innerhalb der Eurozone wie die schwächelnde deutsche Autoindustrie oder die Probleme mit der Regierung in Italien genannt.

Die EZB ersetze mit TLTRO III Kredite des Vorgängerprogramms, die ab 2020 nach und nach fällig würden. Draghi habe die Maßnahme mit einer Abschwächung der Konjunktur in der Eurozone und dem Umstand begründet, dass sich die Teuerungsrate nur langsam der von der EZB angepeilten Rate von knapp 2% annähere. Die Verbraucherpreise sollten nun 2019 nur um 1,2% steigen und 2020 um 1,5%.

Draghi habe aber betont, dass die Eurozone von einem Abschwung noch etwas entfernt sei. So rechne die EZB für 2019 noch mit einem Wachstum von 1,1%. Für das kommende Jahr gehe die Notenbank von 1,5% statt 1,6% voraus.

Die Art von Jerome Powell stelle einen Gegenpol zu D.T., dem Unberechenbaren, dar. Im Gegensatz zum sprunghaften, irrationalen Vorgehen des US-Präsidenten vermittle der US-Notenbankchef Ruhe und Vernunft. So habe Powell vor der in der nächsten Woche anstehenden Zinssitzung seine abwartende Haltung in der Geldpolitik einmal mehr bekräftigt. Die Zentralbank sei "not in a hurry", die Zinsen zu verändern, habe er dem Sender CBS gesagt. Deren Niveau kennzeichne er als "angemessen" und "ungefähr neutral".

Ganz nebenbei habe sich der FED-Chef dann auch noch unbeirrt gegenüber Donald Trump gegeben, der Powell immer wieder angegriffen habe. Das Gesetz besage eindeutig, dass seine Amtszeit vier Jahre betrage, habe Powell gesagt, ohne auf die Äußerungen von Trump konkret einzugehen. Und: Er sei entschlossen, seine Amtszweit auch zu erfüllen. Damit bleibe Powell seinem Ruf als unabhängiger, ruhiger Pol in einer turbulenten Zeit treu. Und genau das mögen die Märkte, so die Analysten der Baader Bank.

Die abwartenden Äußerungen von Powell würden aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass die FED kommende Woche die Option eines weiteren Zinsschritts im Juni schon vom Tisch nehmen werde. Nach vier Erhöhungen im Jahr 2018 habe die FED für das laufende Jahr zwei weitere avisiert. Man dürfe auf nächste Woche gespannt sein, wenn die Notenbank ihren Zinsausblick aktualisieren werde. Sicherlich werde sich Powell hierbei alle Möglichkeiten offenlassen, solange die kritischen Themen wie Handelskonflikt und Brexit nicht einigermaßen ordentlich gelöst seien.

Bekanntlich stehe sowohl in der Europäischen Union als auch bei der Europäischen Zentralbank (EZB) die Neubesetzung mehrerer Schlüsselpositionen an. Für die Nachfolge von EZB-Chef werde neben EZB-Direktor Benoît Cœuré oder dem ehemaligen finnischen Notenbank-Chef Erkki Liikanen zwar immer noch Bundesbank-Chef Jens Weidmann genannt. Aber aufgrund dessen kritischer Position gegenüber einer expansiven Geldpolitik stünden dessen Chancen bekanntlich schlecht. Hinzu komme, dass es der Bundesregierung offenbar lieber sei, den Posten des Kommissionspräsidenten mit einem Deutschen zu besetzen als die EZB-Spitze.

Indessen hätten sich die Finanzminister der Eurozone bei der Besetzung einer anderen Position auf eine Person geeinigt: Der irische Zentralbankgouverneur Philip Lane sei als Kandidat für den im Mai neu zu besetzenden Posten des Chefvolkswirts der Europäischen Zentralbank (EZB) nominiert worden. Der 49-jährige Lane sei damit einziger Kandidat für die Nachfolge des bisherigen EZB-Chefvolkswirts Peter Praet. Final würden die EU-Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel am 20. und 21. März über die Personalie entscheiden. Lane, der künftig den EZB-Präsidenten beraten werde, weise als ehemaliger Professor für politische Ökonomie am Trinity College in Dublin eine akademische Karriere auf. Außerdem sei er als wirtschaftswissenschaftlicher Berater für IWF, Weltbank, OECD und die EU-Kommission aktiv gewesen.

Besonders interessant sei, dass Lane 2011 unter anderem zusammen mit dem deutschen Ökonomen Markus Brunnermeier eine neue Art von Euro-Bonds (ESBies) vorgeschlagen habe, die ohne gemeinsame Haftung auskommen sollten. Lane habe auch im Auftrag des Europäischen Rats für Systemrisiken (ESRB) 2016 eine Arbeitsgruppe zu derartigen Anleihen geleitet. Eine indirekte Verbindung zu einem deutschen Fußballtrainer pflege Lane als Fan des englischen Fußballclubs FC Liverpool.

Die Privatanleger dürften sich in dieser Berichtswoche endlich mal wieder über zwei Bonds der Deutschen Telekom freuen, die jeweils mit der privatanlegerfreundlichen Mindeststückelung von 1.000 Euro begeben worden seien. Aber auch PepsiCo und McDonald's hätten erfolgreich frisches Geld am Kapitalmarkt eingesammelt, jedoch die eher bei institutionellen Kunden interessante Stückelung von 100.000 Euro gewählt.

Die Deutsche Telekom habe einen Doppelpack mit Laufzeiten von sieben sowie zwölf Jahren begeben und so insgesamt 1,5 Mrd. Euro in die Kassen gespült. Der 7-jährige Bond (ISIN DE000A2TSDD4 / WKN A2TSDD) sei am 25.03.2026 fällig und zahle den Investoren bis zum Laufzeitende jährlich 0,875% Zinsen. Emittiert worden sei zu 99,723%, was einem Spread von +63 BP über Mid Swap gleichgekommen sei. Die zweite Tranche (ISIN DE000A2TSDE2 / WKN A2TSDE) mit Fälligkeit am 25.03.2031 zahle dem Investor jährlich 1,75% Zinsen und dürfte bei diesem Kupon besonders interessant für die privaten Investoren sein. Der Reoffer habe bei 99,518% gelegen (+105 BP über Mid Swap).

PepsiCo habe ebenfalls gleich zwei Bonds mit insgesamt 1 Mrd. Euro aufgelegt. Die erste Tranche (ISIN XS1963553919 / WKN A2RZF0), ein 8-jähriger Bond, sei am 18.03.2027 fällig und habe einen Kupon in Höhe von 0,75%. Das Emissionsvolumen betrage hier 500 Mio. Euro. Der Emissionspreis habe bei 99,815% gelegen, was +40 BP über Mid Swap entsprochen habe. Eine zweite, ebenfalls 500 Mio. Euro schwere, 12-jährige Anleihe (ISIN XS1963555617 / WKN A2RZF1) mit Fälligkeit am 18.03.2031 zahle dem Anleger Zinsen in Höhe von 1,125% jährlich und sei zu einem Preis von 98,857% ausgegeben worden. Dies habe einem Emissionsspread von +50 BP über Mid Swap entsprochen. Beide Anleihen seien jeweils drei Monate vor Endfälligkeit jederzeit zu 100% kündbar und hätten eine Make Whole Option.

Zu guter Letzt habe McDonald's ebenso eine Dualtranche mit insgesamt 1 Mrd. Euro emittiert und mit einem 7-jährigen Bond (ISIN XS1963744260 / WKN A2RZF2) gleich die ersten 500 Mio. Euro am Kapitalmarkt eingesammelt. Das Papier sei bis zur Fälligkeit am 15.06.2026 mit einem Zins von jährlich 0,90% ausgestattet, was bei einem Spread von +65 BP über Mid Swap einen Emissionspreis von 99,659% ergeben habe. McDonald's habe sich neben einer Make Whole Option einen optionalen Kündigungstermin ab dem 15.04.2026 jederzeit zu 100% eingeräumt.

Mit der zweiten Anleihe (ISIN XS1963745234 / WKN A2RZF3) habe die Fast-Food-Kette die zweiten 500 Mio. Euro bis zum 15.03.2031 eingesammelt. Der Kupon betrage 1,60% p.a. Emittiert worden sei zu 99,708%, was einem Spread von +90 BP über Mid Swap entsprochen habe. Auch hier habe sich der Emittent neben der Make Whole Option ein weiteres Kündigungsrecht in die Bedingungen aufnehmen lassen. So sei der Bond ab dem 15.12.2030 jederzeit zu 100% kündbar.

Eine Abstimmung jage die nächste, aber in Sachen Brexit sei nach wie vor fast alles denkbar. Dass jedoch Mitte März immer noch keine Klarheit darüber herrsche, hätten die Marktteilnehmen allerdings nicht für möglich gehalten.

Zum Wochenauftakt seien die Märkte noch positiv gestimmt gewesen und das habe das Britische Pfund Sterling beflügelt. Im Vergleich zum Euro habe sich die britische Währung zeitweise bis auf 0,84725 GBP verbessert und damit ein neues Hoch in 2019 und gleichzeitig den höchsten Stand seit Mitte Mai 2017 markiert. Nach der neuerlichen Abstimmung habe die Devise allerdings wieder leicht verloren und notiere zur Stunde bei ca. 0,8530 GBP.

Die europäische Gemeinschaftswährung habe gegenüber dem Greenback in den vergangenen zwei Wochen ihre seit Jahresbeginn währende Handelsspanne zwischen 1,12 USD und 1,16 USD nach unten verlassen. So sei der Euro am Tag der EZB-Sitzung, am vergangenen Donnerstag, zwischenzeitlich bis auf 1,1177 USD zurückgefallen. Damit habe die Einheitswährung so niedrig notiert wie zuletzt im Juni 2017. Im weiteren Handelsverlauf habe sich der Euro wieder erholen können und handle heute Morgen um die Marke von ca. 1,1330 USD.

Aufgrund der aktuellen Marktgegebenheiten rund um den Brexit würden sich die Privatanleger in Zurückhaltung üben. Die Börsenumsätze hätten in den vergangenen Handelstagen merklich nachgelassen. Vereinzelt seien Bonds lautend auf US-Dollar, Russische Rubel, Norwegische Kronen und Türkische Lira gefragt gewesen.

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Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (14.03.2019/alc/a/a)





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