Erweiterte Funktionen

EZB offen für weitere Maßnahmen - Anleihegläubiger jubeln


10.07.19 13:00
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im Juni setzte sich der freundliche Trend am Markt für europäische Staatsanleihen fort, so die Experten von Union Investment.

Papiere aus den Kernländern hätten erneut Kursgewinne verbucht. Schwache Konjunkturdaten und der weiterhin nicht gelöste Handelsstreit zwischen China und den USA hätten für Rückenwind gesorgt. Viele Marktteilnehmer seien skeptisch geblieben, ob das Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem chinesischen Staatsoberhaupt Xi Jinping am Rande des G20-Gipfels im japanischen Osaka zum Monatsende eine Lösung bereithalte.

Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen habe bei -0,34 Prozent ein Allzeittief markiert. Laufzeitgleiche Papiere aus Frankreich hätten zwischenzeitlich erstmals im negativen Bereich rentiert. Die Skepsis sei letztlich nicht ganz unbegründet gewesen. Der Streit sei zwar nicht beigelegt worden, beide Seiten hätten sich aber gesprächsbereit gezeigt. Da die Gipfelergebnisse erst nach Handelsschluss veröffentlicht worden seien, sei eine Kursreaktion noch im Juni ausgeblieben.

Lange Zeit also kein gutes Umfeld für die risikobehafteten Staatsanleihen aus den Peripherieländern möchte man meinen, doch weit gefehlt. Die Suche nach Rendite habe auch dort für Kursgewinne gesorgt. Größter Treiber sei jedoch die Europäische Zentralbank (EZB) gewesen. Auf dem Notenbanktreffen im portugiesischen Sintra habe Mario Draghi angekündigt, dass die Währungshüter bereit seien zu handeln, wenn dies denn erforderlich wäre. Dies schließe mögliche Zinssenkungen ebenso ein wie eine Neuauflage der Ankaufprogramme. Viele Anleger würden deshalb davon ausgehen, dass die EZB schon im zweiten Halbjahr die Leitzinsen senken werde. Ein erneutes Ankaufprogramm käme unter anderem italienischen Staatsanleihen zugute, da es selbst bei einem neuerlichen Budgetstreit mit der Europäischen Union einen Käufer gäbe. Peripherieanleihen hätten daher im Juni um 3,2 Prozent zugelegt, während Schuldverschreibungen aus den Kernländern auf Indexebene 1,7 Prozent höher notiert hätten.

In Summe hätten sich europäische Staatsanleihen im Juni, gemessen am iBoxx Euro Sovereign-Index, um 2,3 Prozent verteuert. Die Experten von Union Investment würden mit Blick auf die schwachen Konjunkturdaten vorerst nicht mit nennenswert höheren Renditen rechnen. (Ausgabe vom 09.07.2019) (10.07.2019/alc/a/a)