Erweiterte Funktionen

Eurozone-Staatsanleihemarkt: Eine leichte Aufwärtsbewegung der Renditen


14.09.20 12:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die EZB beließ auf ihrer Zinssitzung in der abgelaufenen Woche den Maßnahmenmix sowie die Kommunikation unverändert, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die neuen Wirtschaftsprognosen der Notenbank hätten vor allem eine Aufwärtsrevision der BIP-Schätzung für 2020 und der Inflationsprognose für 2021 gebracht. Auf der Pressekonferenz habe EZB-Präsidentin Lagarde zudem etwas zuversichtlicher bezüglich des Wirtschaftsausblicks als noch im Juli gewirkt. Auffällig sei gewesen, dass die jüngste Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar explizit kommentiert worden sei. Allerdings habe sich Lagarde auf übliche Floskeln beschränkt (Wechselkurs genau beobachten; eingehend analysieren, was eine Aufwertung für die Inflationsentwicklung bedeute). Aus unserer Sicht bedeuten diese Phrasen, dass die Notenbank auf dem aktuellen Wechselkursniveau keine Notwendigkeit für geldpolitischen Aktionismus sieht und wohl erst Werte klar über EUR/USD 1,20 die geldpolitischen Entscheidungen beeinflussen, so die Analysten der RBI. Etwas überraschend habe EZB-Präsidentin Lagarde keinerlei Signale für eine Verlängerung jener Maßnahmen gegeben, die im Dezember auslaufen würden (PELTROs, APP Envelope).

Am Staatsanleihemarkt sei daher eine leichte Aufwärtsbewegung der Renditen zu beobachten gewesen. Allerdings habe die etwaige Enttäuschung des einen oder anderen Marktakteurs nicht lange gewährt und die Renditen seien wieder zurückgegeben. Es dürfe nicht übersehen werden, dass die bestehenden Anleihekäufe und Refinanzierungsgeschäfte eine enorme Einwirkung auf den Staatsanleihemarkt hätten, sodass Kommunikationsnuancen keine nachhaltige Neubepreisungen auslösen würden. Immerhin stelle die EZB unverändert eine anhaltend expansive Geldpolitik unter Einsatz der aktuellen Instrumente klar.

Der Datenkalender in der laufenden Woche weise wenig Indikatoren von Marktrelevanz aus. Die Industrieproduktion der Eurozone habe laut vorliegenden Länderdaten im Juli gegenüber dem Vormonat erneut merklich zugelegt. Mit dem allgemein erwarteten Anstieg läge aber der Output dann noch immer rund 8% unter dem Niveau zum Jahresbeginn. Die ZEW-Umfragen für Deutschland und die Eurozone dürften eine Aufhellung der aktuellen Lage und eine weitgehend unveränderte Beurteilung der Zukunftsaussichten ausweisen. Die Gesamtaussage dieser Erhebungen sollte aber bleiben: Die Wirtschaftssituation sei grottenschlecht - es könne nur besser werden. (Ausgabe vom 11.09.2020) (14.09.2020/alc/a/a)