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Eurozone: Der jüngste Anstieg der Renditen von Staatsanleihen dürfte begrenzt bleiben


02.12.19 09:30
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - In Europa dürfte der Renditeanstieg an den Rentenmärkten begrenzt bleiben, so die Analysten von Postbank Research.

Im 3. Quartal habe das BIP der Eurozone zwar überraschend zulegen können. Mit einem Plus von 0,2% zum Vorquartal liege eine nachhaltige Konjunkturerholung aber noch in weiter Ferne. Die Inflation sei im Oktober aufgrund einer schwachen Energiepreisentwicklung auf nur noch 0,7% gefallen - und verfehle damit klar die EZB-Zielmarke von knapp 2%.

Die Stimmungsindikatoren aus dem Unternehmenssektor (Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe; ifo Geschäftserwartungen) hätten sich zuletzt aufgehellt, würden aber noch kein Ende der wirtschaftlichen Schwächephase signalisieren.

Eine Wiederbelebung der Konjunktur könnte aber im Frühjahr 2020 einsetzen. Hoffnung mache in diesem Zusammenhang auch das überraschende Quartalswachstum der deutschen Wirtschaft. Trotz anhaltender Investitionsflaute sei das BIP um 0,1% gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Die Erholung des Außenhandels und ein robuster Konsum hätten das erwartete Abrutschen der deutschen Wirtschaft in eine technische Rezession (2 Minusquartale in Folge) verhindert.

Für das Wachstum in der Eurozone nehme Deutschland - wenig überraschend - eine Schlüsselrolle ein. Nach Analysen der Postbank sei Europas größte Volkswirtschaft für mehr als die Hälfte des Konjunktureinbruchs seit Mitte 2018 verantwortlich, obwohl das deutsche BIP nur mit rund 25% in die Wirtschaftsleistung der Eurozone eingehe. Da die aktuelle Wachstumsschwäche aber durch den Außenhandel und den Automobilsektor ausgelöst worden sei, die für die deutsche Wirtschaft von herausragender Bedeutung seien, erkläre sich die übermäßige Belastung.

Drei Viertel des Wachstumsverlusts würden sich demnach auf den Produktionseinbruch im Verarbeitenden Gewerbe und indirekte Auswirkungen auf den Dienstleistungssektor zurückführen lassen. Richtig problematisch aber könnte es werden, wenn der deutsche Arbeitsmarkt wackele und sich ein Vertrauensverlust bei Konsumenten einstelle. Das aber sei aktuell nicht zu erwarten.

Nach wie vor seien erhebliche Risiken wie der sino-amerikanische Handelsstreit, US-Strafzölle auf europäische Autos oder der britische EU-Austritt präsent und würden weiter zur allgemeinen Verunsicherung beitragen. Möglicherweise hätten die Anleger an den Rentenmärkten die Entwicklungen bei den Themen Handelskonflikte oder Brexit zu positiv bewertet. Auch die anhaltenden Staatsanleihekäufe würden angesichts der fragilen Euro-Konjunktur tendenziell für anhaltend niedrige Renditen sprechen. So erwarte die Postbank bei 10-jährigen Bundesanleihen in den kommenden zwölf Monaten eine Rendite von -0,35%.

Anleger, die in der Eurozone nach positiven Renditen Ausschau halten würden, müssten ein höheres Risiko eingehen. Fündig würden sie in Italien. Die laufende Verzinsung 10-jähriger Staatsanleihen habe zuletzt bei 1,3% gelegen und könnte nach Einschätzung der Postbank im Rahmen der allgemeinen Zinsentwicklung in Europa bis 1,5% steigen. Noch vor einem Jahr hätten die Papiere bei 3,5% rentiert. Die damalige Regierungskoalition aus Links- und Rechtspopulisten habe durch ihren Budgetstreit mit der EU-Kommission viel Kredit an den Märkten verspielt.

Die neue Regierung in Rom gelte vielen als verlässlicher. Zudem stimme sie versöhnliche Töne in Richtung EU an. Die erhoffte Hochstufung des Länderratings habe die Ratingagentur S&P allerdings verweigert. Außerdem würden jüngste Regionalwahlergebnisse zeigen, dass weiterhin mit Matteo Salvini und seiner rechten Lega-Partei gerechnet werden müsse. (Ausgabe Dezember 2019) (02.12.2019/alc/a/a)