Erweiterte Funktionen

FED: Fingerspitzengefühl gefragt


15.03.19 11:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Auf der FOMC-Sitzung in der Berichtswoche ist eine Änderung des Leitzinses sehr unwahrscheinlich, so die Analysten der Helaba.

Das Kommuniqué sei schon im Januar spürbar angepasst worden. Die spannendste Frage sei daher diesmal: Würden die neuen Projektionen der Geldpolitiker zur dominierenden Stimmung an den Märkten passen, nach der der Straffungszyklus der FED schon vorbei sei?

Seit 2007 veröffentliche die FED viermal im Jahr die Projektionen der FOMC-Mitglieder zu Wachstum, Teuerung, Arbeitslosigkeit und dem Pfad für die Federal Funds Rate, der gemäß dem jeweiligen Geldpolitiker "angemessen" sei. Seit 2011 stelle die US-Notenbank diese Informationen unmittelbar nach dem Ende der Sitzung zur Verfügung. In der Retrospektive betrachtet, habe diese Kommunikationsinnovation aber mehr geschadet als genutzt.

Die FED-Chefs Yellen und Powell hätten sich immer wieder gezwungen gesehen, in ihren Pressekonferenzen darauf hinzuweisen, dass a) diese Projektionen die Meinungen aller FOMC-Mitglieder widerspiegeln würden, während die jeweilige geldpolitische Entscheidung nur von den Stimmberechtigten explizit getragen werde und b) der rechnerische Median der Projektionswerte keineswegs eine Art "Konsens" innerhalb des Gremiums reflektiere. Wie die Berichterstattung in den Medien und die Marktreaktionen aber immer wieder beweisen würden, sei diese Botschaft bis heute nicht angekommen.

Mit ihrem abrupten Kurswechsel im Januar sei die Notenbank umgeschwenkt von einer andauernden Bilanznormalisierung und einer weiteren graduellen Rücknahme des expansiven Zinsniveaus hin zu einem "geduldigen" Vorgehen. Am Markt sei dies als "Das war's!" interpretiert worden. Eine Zinssenkung 2019 gelte nun laut FED-Funds-Futures sogar als etwas wahrscheinlicher als eine Zinserhöhung. Wirklich? Es wäre schon überraschend, wenn die Mehrheit der Notenbanker von den wenig dramatischen Veränderungen im Preisklima und bei den Konjunkturdaten seit der Dezembersitzung (letzter Projektionstermin) so beeindruckt worden wäre, dass sie von drei erwarteten Zinserhöhungen 2019 auf null oder sogar auf Zinssenkungen springe.

In diesem Straffungszyklus habe der Finanzmarkt im Großen und Ganzen den Fehler von 2004 bis 2006 wiederholt und die bevorstehenden Zinserhöhungen unterschätzt. Dies habe vor allem für die Jahre 2017 und 2018 gegolten. Die Analysten würden davon ausgehen, dass die FOMC-Mitglieder den Pfad einer "angemessenen" Federal Funds Rate nun mehrheitlich niedriger ansetzen würden als noch im Dezember - ob es dafür gute Gründe gebe, stehe auf einem anderen Blatt. Allerdings dürften die meisten Geldpolitiker für 2019 nach wie vor einen oder zwei Zinsschritte auf der Agenda haben. Wenn dies am Markt ernst genommen werde, was alles andere als ausgemachte Sache sei, drohe ein Rückschlag für jene Assets, deren Preise derzeit auf einem Ende des Straffungszyklus beruhen würden.

Die Analysten würden mit einer weiteren Zinserhöhung um die Jahresmitte rechnen. Im zweiten Halbjahr dürfte die US-Konjunktur jedoch an Schwung verlieren, sodass dann das makroökonomische Umfeld und nicht nur die Nervosität an den Märkten der FED Argumente für eine "geduldige" Herangehensweise geben werde. (15.03.2019/alc/a/a)