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FED: Warten auf das Warten?


23.09.21 12:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die jüngste US-Notenbanksitzung hat erwartungsgemäß keine Anpassungen bei der FED-Zinspolitik gebracht, so die Analysten der NORD LB.

Die obere Schwelle der Fed Funds Target Rate verharre folglich auch weiterhin bei 0,25%. Diese Entscheidung sei natürlich keine Überraschung. Trotz der in den vergangenen Monaten deutlich angestiegenen Inflationsraten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten dürften Leitzinsanhebungen noch eine ganze Weile auf sich warten lassen. Die aktuellen "Dot-Plots" würden zwar zeigen, dass die Entscheidungsträger innerhalb der Federal Reserve zunehmend den Bedarf für eine etwas höhere Fed Funds Target Rate bereits in 2022 zu sehen scheinen. Da vor möglichen Leitzinsanhebungen zunächst die Wertpapierkäufe beendet werden sollten, sei aber wohl frühestens zum Ende des Jahres 2022 mit einem Zinsschritt zu rechnen. Zudem müsse festgehalten werden, dass die "Dot-Plots" für die Notenbanker in Washington ein sehr einfacher Weg seien, zu signalisieren, dass die ökonomische Lage in den USA (sprich Arbeitsmarkt und Inflation) perspektivisch noch größere Aktivität beim FOMC auslösen könnten. Es handele sich also lediglich um eine indikative Interessensbekundung der US-Zentralbanker, welche keinerlei bindende Wirkung habe.

Eine Reduktion der Wertpapierkäufe durch die Federal Reserve könnte aber noch in diesem Jahr drohen. Im FOMC-Statement werde in diesem Zusammenhang die Möglichkeit von "baldigen" Handlungen der FED thematisiert. Einen konkreten Zeitplan habe die US-Notenbank der Öffentlichkeit aber offenkundig noch nicht an die Hand geben wollen. Die Marktteilnehmer müssten somit weiterhin auf wirklich hilfreiche Informationen bezüglich der Tapering-Pläne der Notenbank in Washington warten.

Aufgrund der aktuellen Probleme in China schienen einige Marktteilnehmer aber offenbar in der Summe mit noch unklareren Hinweisen in Richtung einer perspektivisch etwas weniger expansiven Ausrichtung der US-Geldpolitik gerechnet zu haben. Die Evergrande-Krise habe zuletzt in der Tat zu einer erhöhten Volatilität an den internationalen Finanzmärkten geführt. Insofern habe der US-Dollar sogar von der FOMC-Sitzung profitieren können - mit den Nachrichten aus Washington sei die psychologisch wichtige Marke von 1,17 USD pro EUR prompt unterschritten worden. Anlässlich der Pressekonferenz nach der Notenbanksitzung habe Jerome Powell zu Protokoll gegeben, dass die Lage bei Evergrande ein spezifisch chinesisches Problem zu sein scheine. Die US-Wirtschaft wäre seiner Auffassung nach kaum direkt von den Schwierigkeiten des Immobilienentwicklers in China betroffen.

Fazit: Die US-Notenbank wolle zunächst noch etwas auf Zeit spielen, bald aber mit der Reduktion des Volumens ihrer Wertpapierkäufe starten. Eine steigende Zahl von hochrangigen FED-Offiziellen sehe sogar die Notwendigkeit für eine Leitzinsanhebung im Jahr 2022. Diese Nachricht sollte aber nicht überbewertet werden. Zunächst müssten die Wertpapierkäufe komplett beendet werden. Wenn sich keine neuen externen Schocks ergeben würden, werde die US-Notenbank also wohl noch in 2021 mit dem "Tapering" starten. (23.09.2021/alc/a/a)