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FED-Zinssitzung: Es gibt Aufklärungsbedarf


14.09.20 11:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Diese Woche wird der Fokus vordergründig auf die Zinssitzung der Federal Reserve gerichtet sein, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) würden nach der in Jackson Hole verkündeten Neuausrichtung der Strategie zur Geldpolitik unter Druck sein, genauere Details zu deren Implementierung zu verkünden. Insbesondere in Hinblick auf die Definition des Inflationsziels als durchschnittliches Ziel gebe es Aufklärungsbedarf. In welcher Bandbreite eine Inflationsrate von über 2% als moderates Überschießen gesehen werde, sei bislang genauso wenig vom FOMC spezifiziert worden wie der Durchrechnungszeitraum des Inflationsdurchschnitts. Es gelte als wahrscheinlich, dass man sich hierbei eine gewisse Flexibilität zugestehe, jedoch die Forward Guidance hinsichtlich unveränderter Leitzinsen entsprechend ausrichte.

Neben der Umsetzung der strategischen Neuausrichtung stünden die quartalsweisen Wirtschaftsprognosen an. Hier könne es zu leichten Aufwärtsrevisionen des BIP-Wachstums sowie der Inflationsrate für das Jahr 2020 kommen, da die wirtschaftliche Erholung überraschend früh und stark eingetreten sei. In Betonung auf weiterhin erhöhte Unsicherheit und die Risiken des weiteren Pandemieverlaufs werde der mittelfristige Ausblick jedoch weiterhin ein gedämpftes Konjunkturbild zeichnen. Die Leitzinsen würden bis zum Ende des Prognosehorizonts (2022) als unverändert ausgewiesen werden. In diesem Sinne haben wir unseren Zinsausblick leicht adaptiert und sehen nun eine noch längere Phase der Nullzinspolitik, welche dämpfend auf das Renditeniveau wirkt, so die Analysten der RBI.

Abseits der FED-Zinssitzung stünden für diese Woche weitere Konjunkturindikatoren für den Monat August sowie erste Stimmungsindikatoren für den Monat September am Datenkalender. Im Industriesektor werde eine Abkühlung der Erholungsdynamik erwartet, obwohl das Produktionsniveau im Juli noch 8,4% unter dem Vorkrisenniveau (Feb. 2020) gelegen habe. Die Dynamik habe sich bereits im Juli (3% p.m.) im Vergleich zum Juni (5,7% p.m.) verlangsamt. Nichtsdestotrotz würden Umfragen auf eine zwar weiterhin optimistische, aber dennoch etwas gedämpfte Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe hinweisen. Der Empire State Index (New York) sei im August von 17,2 auf 3,7 gesunken und werde auch im September auf einem ähnlichen Niveau erwartet. Auch der Philly FED Index spiegele eine sich fortsetzende Erholung mit geringerem Tempo wider.

Eine pessimistischere Haltung nähmen die Konsumenten ein. Der Konsumentenstimmungsindikator der Universität von Michigan habe sich bislang nicht nachhaltig von dem Corona bedingten Rückgang erholen können. Nichtsdestotrotz habe die Erholung bei den Einzelhandelsumsätzen jene in der Industrie bislang deutlich überflügeln können, sei doch hier das Vorkrisenniveau bereits überschritten worden. Erwartungsgemäß sollte sich somit die bereits eingetretene Abschwächung der Wachstumsdynamik fortsetzen. (Ausgabe vom 11.09.2020) (14.09.2020/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.