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FOMC: Umstrittenes Konzept


05.12.18 11:30
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Während sich manche Finanzmarktakteure möglicherweise gestern gefragt haben, ob die Euphorie anlässlich des sogenannten Waffenstillstands im Handelsstreit der USA mit China nicht ein bisschen zu viel des Guten war und man immer noch rätselte, was denn tatsächlich zwischen den beiden Kontrahenten vereinbart worden sein mag, schrillten bereits neue Alarmglocken, so die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Die Rede sei von der sich weiter abflachenden US-Zinsstrukturkurve, die gestern in zwei Abschnitten sogar invers verlaufen sei. So habe etwa der Renditeabstand zwischen Staatsanleihen mit zwei- und fünfjähriger Laufzeit zum ersten Mal seit über zehn Jahren ein negatives Vorzeichen gezeitigt. Und fast schon automatisch hätten in diesem Fall Finanzmarktteilnehmer auf den als typischen Vorboten einer Rezession gehandelten Renditeabstand zwischen den zwei- und den zehnjährigen Anleihen geblickt. Dieser Spread sei gestern auf ein Plus von nur noch 13 Basispunkten und damit auf den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2007 geschrumpft.

Und genauso automatisch dürfte man sich vielerorts gefragt haben, was denn mit der Renditekurve geschehen würde, sollte die US-Notenbank den Leitzins noch ein paar Mal anheben. Sicherlich sei auch FED-Chef Jerome Powell diese Entwicklung nicht entgangen, habe er doch noch Anfang August dieses Jahres darauf verwiesen, dass ihn die Struktur der Renditekurve vor allen Dingen hinsichtlich der Bestimmung des neutralen Zinses - das sei derjenige Zins, der die Wirtschaft weder bremse noch stimuliere - interessiere.

Allerdings sei das Konzept der inversen Zinsstrukturkurve als Vorbote einer Rezession selbst innerhalb des FOMC nicht unumstritten. Tatsächlich sei zwar nach einer Studie der FED von San Francisco, die ebenfalls im August dieses Jahres bekannt geworden sei, allen neun Rezessionen in den USA seit 1955 eine inverse Renditekurve vorausgegangen. Allerdings mit einem Vorlauf von sechs bis 24 Monaten! Mehr noch kämen die Verfasser der Studie zu dem Schluss, dass entgegen der herrschenden Meinung der Spread zwischen den Renditen des Dreimonats-Libor und zehnjährigen Papieren noch aussagekräftiger sei. Und dieser sei mit einer Differenz von derzeit rund plus 15 Basispunkten noch von einer Inversion entfernt.

Dennoch: Die jüngste Entwicklung werde denjenigen in der FED, die sich für eine Verlangsamung beim Zinserhöhungszyklus aussprechen würden, entgegenkommen. Zu denen schien gestern allerdings FOMC-Mitglied John Williams nicht zu gehören, der sich sogar ausgesprochen falkenhaft äußerte, so die Deutsche Bank AG. Und so sei auch der Dollar bis zum Ende der gestrigen Handelssitzung doch nicht, wie mancherorts erwartet, nachhaltig unter Druck geraten und belasse den Euro, allerdings ohne Dynamik, in seinem kurzfristigen Abwärtstrend, der nun zwischen 1,1440/45 und 1,1155/60 verlaufe. (05.12.2018/alc/a/a)