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Fremdwährungsanleihen: 2017 könnte ein Jahr für "Bondpicker" werden


08.12.16 13:00
HANSAINVEST

Hamburg (www.anleihencheck.de) - "Die globale Zinslandschaft normalisiert sich derzeit", kommentiert Christian Bender von der Hamburger Kapitalverwaltungsgesellschaft HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH, den zurückliegenden Renditeanstieg an den Kapitalmärkten.

Bender könne sich gut vorstellen, dass die amerikanische Notenbank ihren Leitzins Mitte Dezember um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent anheben werde. Eine solche Erhöhung käme aber nicht überraschend und beruhe auch nicht auf der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. "Die Federal Reserve hat den nächsten Zinsschritt vielmehr von langer Hand vorbereitet. Wenn er kommt, sollten US-Dollar und US-Staatsanleihen allenfalls mit moderaten Schwankungen reagieren."

Der Rentenexperte erinnere daran, dass der erfolgte Anstieg der Kapitalmarktrenditen zuallererst eine Korrektur vorangegangener Übertreibungen bedeute. Zehnjährige Treasury-Bonds würden aktuell bei rund 2,30 Prozent und damit in der Nähe ihrer bereits vor einem Jahr erreichten Niveaus rentieren. "Diesen Wert hatten wir in unserer Jahresvorschau auch für Ende 2016 prognostiziert, was praktisch einer Punktlandung gleichkommt", so Bender. Für 2017 erwarte er, dass die Anleihezinsen weiter moderat anziehen könnten. Gründe dafür lägen in einer robusten Konjunktur in Nordamerika, leicht anziehenden Inflationsraten aufgrund höherer Öl- und Rohstoffpreise sowie einer erhöhten Wahrnehmung wirtschaftspolitischer Risiken in Europa.

Den amerikanischen Dollar sehe der Rentenfondsmanager in einer Spanne zwischen 1,05 und 1,15 gegenüber dem Euro pendeln: "Sollte die US-Wirtschaft unerwartet stark zulegen und die charttechnische Marke von 1,05 verletzen, erscheint auch ein Überschießen in Richtung Euro-Dollar-Parität und darüber hinaus vorstellbar." Bender halte Letzteres jedoch für ein eher unwahrscheinliches Szenario. "Der Greenback hat bereits seit dem Frühjahr 2014 massiv aufgewertet, sodass eine Pause nicht überraschen würde. Außerdem können Notenbank und Regierung an einer Fortsetzung dieser Bewegung kaum Interesse haben", so seine Einschätzung.

In dem von ihm gemanagten Rentenfonds HANSAinternational würden Rentenpapiere in US-amerikanischer Währung derzeit einem Anteil von rund 44 Prozent ausmachen. "Der starke Greenback hat dazu beigetragen, dass unser Portfolio die mit den Zinsanstiegen der vergangenen Monate verbundenen Kursrückgänge unbeschadet überstanden hat", unterstreiche Bender. Seinen US-Dollar-Papieren wolle der Manager auch 2017 die Treue halten: "Zu den Vorzügen dieses Segments zählt die ungeheure Vielfalt attraktiv verzinster Rententitel."

In US-Dollar begebene Rententitel würden seit geraumer Zeit höhere Zinsen abwerfen als beispielsweise Euro-Anleihen mit vergleichbaren Laufzeiten und Bonitäten. Die Emittenten der US-Dollar-Bonds würden dabei längst nicht nur aus den USA stammen - Staaten und Unternehmen aus aller Welt würden ihre Papiere in dieser Währung begeben. So würden etwa auf die amerikanische Währung lautende Papiere aus Schwellenländern teilweise erhebliche Renditeaufschläge offerieren. Bender sehe diese Titel als eine gute Beimischung für ein gut diversifiziertes Rentenportfolio.

Gut verzinste Eurotitel aufzuspüren, stelle demgegenüber eine größere Herausforderung dar. Im HANSAintenational habe sich ihr Anteil zuletzt auf rund 30 Prozent belaufen. Wenngleich Euro-Rentenpapiere einen unverzichtbaren Grundbaustein eines internationalen Rentenportfolios darstellen würden, sehe der Manager vor allem in Südeuropa mehr Risiken als Chancen. So habe er im laufenden Jahr den Anteil italienischer, aber auch spanischer Wertpapiere erheblich reduziert, da hier die politische Unsicherheit zugenommen habe. "Dadurch konnten wir den Anstieg der Risikoaufschläge für Papiere aus diesen Staaten abfedern."

Das Risiko künftiger Kurskapriolen an den europäischen Rentenmärkten halte der Portfoliomanager indessen für überschaubar. Zwar könnten separatistische Strömungen die Märkte weiter verunsichern, da im kommenden Jahr gleich mehrere Wahlen auf der politischen Agenda stünden. Auf der anderen Seite halte sich aber die Europäische Zentralbank (EZB) als ausgleichende Kraft bereit, die Währungsunion zu stabilisieren.

An den grundsätzlichen Gewichtungen der Währungen im Portfolio möchte Bender daher vorerst festhalten. Ähnliches gelte auch für die Duration der selektierten Wertpapiere, die im Durchschnitt gut fünf Jahre betrage. Denn kürzer laufende Rentenpapiere würden sich in einem Umfeld anziehender Kapitalmarktzinsen besser als Titel mit langen Restlaufzeiten behaupten.

Bei der Auswahl von Einzeltiteln achte der Portfoliomanager auf Gelegenheiten, die dem Anleger abseits der üblichen Kandidaten interessante Renditeaufschläge bieten würden. Dabei habe er neben den Staatstiteln auch Unternehmenstitel im Blick - bekannter und unbekannterer Art. Dazu gehöre beispielsweise eine Anleihe, die der deutsche Automobilhersteller BMW in Norwegischen Kronen begeben habe. Ebenso sei ein US-Dollar-Papier der aufstrebenden US-amerikanischen Sportmarke Under Armour im Portfolio zu finden.

Der weiteren Ergänzung des Portfolios würden Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährungen dienen. Hier gestehe der Portfoliomanager brasilianischen Titeln weiteres Aufwärtspotenzial zu. Als chancenreich erachte er auch den indischen Rentenmarkt, den er über die Bonds supranationaler Herausgeber erschließe. Mexiko sehe Bender auch mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung mit dem zuletzt zurückgehenden Export von Industriegütern dagegen kritisch. Ähnlich kritisch betrachte Bender die Türkei - hier würden politische Risiken dominieren, die ihn bereits bei Ausbruch des Putschversuches zu einer nahezu vollständigen Reduzierung veranlasst hätten.

"Bei globalen Anleihen wird es noch mehr darauf ankommen, die Spreu vom Weizen zu trennen", fasse der Rentenexperte zusammen. 2017 könnte daher ein gutes Jahr für "Bondpicker" werden. Mit einem global diversifizierten Portfolio seien dabei Wertzuwächse von rund drei Prozent als eine durchaus realistische Marke anzusehen. (08.12.2016/alc/a/a)