Fremdwährungsanleihen: "Die Daten rechtfertigen höhere US-Leitzinsen"


18.11.15 11:30
HANSAINVEST

Hamburg (www.anleihencheck.de) - "Die Notenbanken bestimmen nach wie vor den Trend an den internationalen Anleihemärkten", so Christian Bender, Fondsmanager des HANSAinternational bei HANSAINVEST.

In den USA könnte die Federal Reserve am 16. Dezember erstmals seit Jahren höhere Leitzinsen beschließen. "Die Wirtschaftsdaten rechtfertigen eine Anhebung, die sich wohl auf 0,25 Prozentpunkte belaufen würde", erkläre der Experte der Hamburger Kapitalverwaltungsgesellschaft HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH. Der Euroraum steuere genau in die entgegengesetzte Richtung. Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), habe angekündigt, die expansive Geldpolitik möglicherweise noch auszuweiten.

"Der divergierende Kurs der beiden führenden Notenbanken hat Konsequenzen", kommentiere Christian Bender. So habe sich das höhere Zinsniveau bei Dollaranlagen als Treibsatz für die US-Währung erwiesen. "Seitdem die Märkte eine Zinswende bereits im Dezember wieder für wahrscheinlicher halten, steigt der Greenback erneut." Der Portfoliomanager könne sich vorstellen, dass sich die Dollar-Euro-Relation in den kommenden Wochen in Richtung 1,05 bewegen werde. Mittelfristig könne sogar die Parität zwischen den beiden Leitwährungen getestet werden.

Bender warne allerdings davor, den bereits seit geraumer Zeit anhaltenden Dollarauftrieb undifferenziert in die Zukunft fortzuschreiben. Denn zum einen hätten die Märkte einen Teil der erwarteten Leitzinsanhebung schon vorweggenommen. "Zum anderen könnten die Notenbanken von Drittstaaten Teile ihrer Dollarreserven veräußern, was teilweise bereits zu beobachten war", schränke der Rentenfondsmanager ein.

Gleichwohl bleibe der US-Dollar aufgrund des im Vergleich zu anderen westlichen Währungen attraktiveren Zinsniveaus ohne Alternative. Zwar weise auch Großbritannien ein höheres Zinsniveau auf, allerdings belaste die Aussicht auf einen möglichen Brexit, also einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU, den mittelfristigen Ausblick für das Pfund.

Die japanische Währung, der Yen, biete aufgrund der anhaltend expansiven Geldpolitik ihrer Notenbank nur sehr geringe Zinsen. "Und hinsichtlich der möglichen künftigen Währungsentwicklung lassen die volkswirtschaftlichen, insbesondere demographischen Perspektiven im Augenblick noch zu wünschen übrig", ergänze Bender.

Überhaupt habe sich die Rolle der japanischen Währung in den vergangenen Jahren deutlich verändert. In der Vergangenheit habe der Yen aufgrund seiner weltweit einzigartig niedrigen Zinsniveaus als sogenannte Carry-Trade-Währung fungiert. Institutionelle Investoren hätten sich dabei preiswert in Japan verschuldet und das aufgenommene Kapital in höherverzinslichen Regionen angelegt. Da aber im Zuge der Finanzmarktkrise die anderen Notenbanken ihre Geldpolitik ebenfalls expansiv gestaltet hätten, seien die Zinsdifferenzen zusammengeschmolzen. Im Ergebnis wären heute Carry-Trades sogar keine Domäne der japanischen Währung mehr: Die Staatsanleihen der beiden europäischen Kernländer Deutschland und Frankreich würden mittlerweile noch niedrigere Zinsen bieten.

Bei Schwellenländer-Investments gelte es, Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen. "Anleihen in diesen lokalen Währungen bieten einerseits höchst attraktive Zinsen auch bei kurzen Laufzeiten." Andererseits könnten diese Erträge durch Abwertungen der Währungen wieder aufgezehrt werden. Aktuell beobachte der Portfoliomanager eine Bodenbildung in den Schwellenländermärkten. Allerdings gebe er zu bedenken, dass einige stark in US-Dollar verschuldete Volkswirtschaften vorerst anfällig für Rückschläge bleiben würden.

Gut erholt hätten sich in den vergangenen Wochen Russischer Rubel und Türkische Lira - aufgrund des höheren Zinsniveaus würden diese auch interessant bleiben. "Dabei ist es nicht zwingend notwendig, die jeweiligen Staaten oder vor Ort ansässige Emittenten als Schuldner auszuwählen", erläutere Bender.

Vielmehr würden auch international tätige Konzerne wie beispielsweise Nestlé oder General Electric regelmäßig Anleihen in fremden Währungen begeben. Denn häufig hätten diese Unternehmen in den betreffenden nationalen Märkten auch geschäftliche Interessen. "So können Anleger das attraktive Zinsniveau dieser Währungen mit der guten Bonität bekannter internationaler Emittenten kombinieren - und müssen sich um die Zahlungsfähigkeit der lokalen Schuldner bzw. Staaten weniger Gedanken machen", nenne Bender ein wichtiges Motiv für den Erwerb solcher Papiere.

Ein weiterer Aspekt bei der Auswahl der Emittenten sei die Handelbarkeit der jeweiligen Papiere. "Unter Sicherheitsaspekten sollten Qualitätstitel bevorzugt werden, die am Sekundärmarkt intensiv gehandelt werden." Für besonders liquide Wertpapiere würden fairere Preise gestellt als für Exoten, gerade wenn es an den Märkten einmal wieder turbulenter zugehe.

Allgemeine Zinsänderungsrisiken seien in der jetzigen Marktphase ebenfalls nicht wegzudiskutieren. "Wegen des Bekenntnisses der EZB zu möglichen weiteren Wertpapierkäufen halten wir einen schnellen Renditeanstieg im Euroraum allerdings für unwahrscheinlich", kommentiere Bender. Bei Bedarf könnte der Portfoliomanager aber mit einer flexiblen Strategie gegensteuern - zunächst mit dem Einsatz von Derivaten und später dann auch mit der Veräußerung liquider Staatsanleihen.

In seinem eigenen Fonds, dem HANSAinternational, habe sich die Duration der Wertpapiere zuletzt auf 5,6 Jahre belaufen. "Das Portfolio war damit weniger zinsreagibel aufgestellt als eine vergleichbare Indexanlage", weise Bender auf einen Aspekt hin, den Anleger bei der Beimischung internationaler Renten zu ihrem Portfolio im Blick haben sollten. (18.11.2015/alc/a/a)