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Griechenland-Anleihen: Sparpaket endlich durch, doch wo ist die Kursrally?


22.02.12 08:50
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Die Analysten von Anleihencheck Research haben Staatsanleihen von Griechenland näher unter die Lupe genommen.

Die Euro-Finanzminister hätten in der Nacht von Sonntag auf Montag in Brüssel das zweite Hilfspaket in Höhe von 130 Mrd. Euro für Griechenland beschlossen. Der Rettungsplan sehe vor, dass die nationalen Notenbanken Gewinne aus griechischen Rentenpapieren bis 2020 den Mitgliedstaaten ausschütten würden, die es dann zur Schuldentilgung Griechenlands weitergeben könnten. Zudem sei beschlossen worden, die Verzinsung für das erste Rettungspaket zu reduzieren. Jedoch müsse Griechenland zuvor noch einige Voraussetzungen erfüllen, darunter Reformen im Gesundheits-, Renten-, Finanz- und Arbeitssektor. Es sei eine Einigung mit privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt vorangegangen, der nun größer ausfalle als erwartet. Statt auf 50% müssten sie nun auf 53,5% des Nennwertes ihrer griechischen Staatspapiere verzichten. Beteilige sich der Privatsektor jedoch nicht in ausreichendem Maße, drohe der Rettungsplan wieder zu kippen.

Grundsätzlich beurteilen die Analysten Anleihencheck Research die Einigung positiv, doch von einer nachhaltigen Rettung könne noch nicht gesprochen werden. Und wer davon ausgegangen sei, dass Griechenland-Anleihen nun plötzlich ein Kursfeuerwerk zünden würden, dürfte enttäuscht worden sein. So sei die sehr beliebte Anleihe (ISIN GR0110021236/ WKN A0T6US), die bereits nächsten Monat fällig werde, nach anfänglichen Kursgewinnen ins Minus gerutscht und habe gestern bei gut 33 Euro geschlossen. Wenig Veränderung habe es auch bei der bis Anfang 2014 laufenden Anleihe (ISIN GR0128002590/ WKN 276701) gegeben.

Warum seien die Anleihenkurse nicht gestiegen? Dies dürfte darin begründet liegen, dass bisher noch die rechtlichen Feinheiten bezüglich des Schuldenschnitts und der Forderungsverzichts unklar seien. Der Markt rechne aktuell am ehesten damit, dass für die bald auslaufenden Anleihen von Griechenland ein Umtauschangebot durch die Banken erfolgen werde. Dieses könnte 50% bis 70% unter dem ursprünglichen Nominalwert liegen, bei einer unbestimmten Laufzeit. Und ob diese Papiere jemals bedient würden, sei ebenfalls ungewiss. Diese Vermutung werde durch die aktuellen Anleihekurse widergespiegelt. Theoretisch wäre aber auch eine Tilgung von 100% oder ein Totalverlust möglich.

Auch der Rentenmarkt bleibe hinsichtlich einer Rettung Griechenlands skeptisch. Die deutschen Rentenpapiere hätten im gestrigen Mittagshandel in die Gewinnzone vorstoßen können. So sei der Bund Future zeitweise um 0,17% auf 138,20 Punkte gestiegen, der Bobl-Future um 0,10% auf 124,96 Punkte.

Zwar sei eine (mittelfristige) Lösung für die Griechenland-Schuldenproblematik sehr wahrscheinlich geworden, doch gebe es auch hier noch einige Unsicherheitsfaktoren. Zum Beispiel könnten die finalen Gespräche mit der EZB letztendlich doch noch scheitern oder die bevorstehenden Parlamentswahlen in Griechenland im April und die dann gewählte Regierung könnte sich doch noch gegen eine Umsetzung der Sparmaßnehmen aussprechen.

Für Anleger bedeute dies, dass Griechenland-Anleihen derzeit nur etwas für Zocker seien und unter Vernunftsaspekten gemieden werden sollten. (Analyse vom 22.02.2012) (22.02.2012/alc/a/a)