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Immer mehr Banken berechnen negative Zinsen


23.09.21 14:30
Insight Investment

London (www.anleihencheck.de) - Negative Zinssätze sind in Deutschland nicht unbekannt, so Frank Diesterhöft, Head of Fixed Income Sales Germany, Insight Investment.

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe bereits im Juni 2014 negative Einlagensätze für den Bankensektor eingeführt. Seitdem sei der EZB-Satz für die Einlagefazilität immer tiefer in den negativen Bereich gefallen und liege seit September 2019 bei -0,50%. Bisher hätten Banken gezögert, die gesamten Kosten dieser Zinspolitik an ihre Firmenkunden weiterzugeben. Oftmals böten sie noch einen Zinssatz von 0% für Kassenbestände, die ein definiertes Maximalvolumen nicht überschreiten würden. Dieses Modell scheine für Banken allerdings immer weniger tragbar. Sie seien nicht weiter bereit, die Kosten der negativen Zinspolitik der EZB zu übernehmen und würden negative Renditen auf Bareinlagen verstärkt auch an Unternehmen weitergeben.

So scheine sich ein Trend abzuzeichnen, dass Einlagenkonten mit stark negativen Zinssätzen zur neuen Norm in Deutschland würden. Vor diesem Hintergrund seien Unternehmen daran interessiert, Cash-Management-Ansätze zu entwickeln, mit denen sie die Kosten für das Halten von Liquidität abfedern könnten. Für Unternehmen könne die Kategorisierung ihrer Kassenbestände eine Schlüsselkomponente sein, um das Renditepotenzial ihrer Liquiditätsbestände zu optimieren.

Im Zuge der vermehrten Weitergabe der negativen Zinsen an Unternehmen sei auch der klassische Geldmarktfonds stärker in den Anlegerfokus gerückt und stelle eine interessante Alternative zu Einlagekonten bei Banken dar. Geldmarktfonds würden generell das Renditeniveau des Geldmarktes abbilden, seien hochliquide und böten darüber hinaus eine hohe Diversifikation nach Emittenten und Ländern. Sie seien von der Europäischen Union durch die Geldmarktfondsverordnung (EU2017/1131) reguliert und unterlägen strengen gesetzlichen Anforderungen in Hinblick auf Liquidität, Risikomischung und Kreditqualität der investierten Vermögenswerte. Zusätzlich würden umfangreiche Berichts- und Stresstestpflichten existieren.

Höhere Renditen könnten erzielt werden, indem Cash-Bestände neben Geldmarktfonds zusätzlich in geldmarktnahe Fonds investiert würden. Geldmarktnahe Fonds seien in der Lage, weniger negative oder sogar positive Renditen zu erzielen. Short-term Bond Funds (STBF) würden beispielsweise die Möglichkeit nutzen, Wertpapiere zu kaufen, die eine längere Restlaufzeit als ein Jahr besitzen würden. Zusätzlich könnten sie in Wertpapiere investieren, bei denen eine Komplexitätsprämie vereinnahmt werden könne, die Rendite voraussichtlich verbessert werde, ohne dabei das Kreditrisiko zu erhöhen.

Die Kombination von Geldmarktfonds und geldmarktnahen Fonds biete die Möglichkeit, eine höhere durchschnittliche Rendite auf die gesamten Cash-Bestände zu erzielen und gleichzeitig für einen Teil der Gesamtanlagen hochliquide zu bleiben. Corporate Treasurer würden ihre Cash-Bestände je nach prognostiziertem Liquiditätshorizont dazu in drei Kategorien aufteilen: (1.) täglich verfügbare Mittel (2.) Liquiditätsreserve (3.) Bodensatz. Im nächsten Schritt würden diese drei Töpfe dann in verschiedene Geldmarkt- und geldmarktnahe Fonds investiert, welche jeweils dem gewünschten Liquiditäts- und Risikoprofil entsprechen und in Kombination auch als "Cash-Waterfall" bezeichnet würden.

Angesichts der negativen Zinssätze für Liquidität, die eine erhebliche Belastung für Unternehmen darstellen würden, sollten Cash-Management-Lösungen in Betracht gezogen werden, die darauf abzielen würden, das gesamte Liquiditätsportfolio zu optimieren, indem sie auf die individuellen Anforderungen der einzelnen Liquiditätsschichten eingehen würden. Treasurer könnten durch die Nutzung des "Cash-Waterfalls" jedes Segment ihrer Cash-Pools gezielt abdecken. Unter Berücksichtigung unternehmensspezifischer Präferenzen und Liquiditätsanforderungen könnten Unternehmen so Liquidität erhalten, Risiken diversifizieren und darüber hinaus eine höhere Gesamtrendite aus ihrem Cashpool anstreben. (23.09.2021/alc/a/a)