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Keine weiteren Spreadausweitungen bei Unternehmensanleihen


06.12.18 12:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die schwierige Regierungsbildung in Italien Ende Mai führte zu einer weitreichenden Neubewertung von Risiken am Markt für EWU-Staatsanleihen, so die Analysten von Postbank Research.

Staatsanleihen fast aller EWU-Länder hätten dabei eine Ausweitung der Risikoprämien gegenüber Bundesanleihen verzeichnet. Zwar hätten sich die Renditeaufschläge in den darauffolgenden Wochen wieder zurückgebildet. Die Jahrestiefstände seien dabei aber nicht mehr erreicht worden. Im Fall italienischer Staatsanleihen habe die Erholung ohnehin nicht lange angehalten.

Der eskalierende Streit der neuen italienischen Regierung mit der EU-Kommission um einen neuen Haushalt habe für eine weiter steigende Unsicherheit gesorgt, wobei der Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen bei zehnjährigen Anleihen zeitweise auf über 300 Basispunkte gestiegen sei. Zuletzt habe es seitens der italienischen Regierung und der EU Signale für ein Entgegenkommen gegeben, sodass ein eigentlich notwendiges Defizitverfahren gegen Italien vielleicht noch vermieden werden könne. In der Folge hätten die Risikoaufschläge wieder leicht nachgegeben.

Zwar seien Staatsanleihen anderer EWU-Staaten von der jüngsten Eskalation um Italien nicht mehr in gleichem Maße betroffen gewesen wie Ende Mai. Gleichwohl habe sich im vierten Quartal ein allgemeiner Aufwärtstrend bei den Risikoaufschlägen etabliert. Da auch Unternehmensanleihen und Covered Bonds betroffen seien, dürfte die Ausweitung andere Ursachen haben als den Haushaltsstreit. Ein wesentlicher Faktor hierbei könnte die Reduzierung der Anleiheankäufe durch die EZB sein. Seit Oktober 2019 erwerbe die Notenbank nur noch Anleihen im Volumen von 15 Mrd. Euro pro Monat, anstatt zuvor 30 Mrd. Euro. Zudem dürfte die anhaltende Unsicherheit rund um den Brexit, den US-Handelsstreit sowie die weitere konjunkturelle Entwicklung im Euroraum die Risikobereitschaft der Investoren in den vergangenen Monaten nicht gerade beflügelt haben.

Die Risikoprämien von EWU-Staatsanleihen könnten im Verlauf von 2019 noch etwas ansteigen. Zum einen dürfte das bevorstehende Ende der Nettoanleiheankäufe durch die EZB noch nicht vollständig am Markt eingepreist sein. Zum anderen werde das politische Umfeld weiterhin unsicher bleiben. Vor allem italienische Staatsanleihen sollten weiterhin im Fokus stehen. Wie groß die Wahrscheinlichkeit einer Einigung zwischen italienischer Regierung und EU-Kommission tatsächlich sei, lasse sich nicht verlässlich abschätzen.

Die Chancen stünden aber gut, dass die beiden populistischen Regierungsparteien in Italien spätestens nach den Europawahlen im Mai einen versöhnlicheren Kurs fahren würden, um eine weitere Verteuerung der Finanzierung für den italienischen Staat am Markt zu vermeiden. Bei EWU-Unternehmensanleihen sei das Risiko weiterer Spreadausweitungen nach dem vorangegangenen, kräftigen Anstieg begrenzt. Vielmehr sollten die Konjunktursorgen in den kommenden Monaten wieder abnehmen und somit zu einer Stabilisierung der Renditeaufschläge beitragen. (Perspektiven 2019) (06.12.2018/alc/a/a)