Negativ-Rückkopplung treibt Safe Haven Assets an


13.08.19 11:40
WisdomTree Europe

London (www.anleihencheck.de) - Das Spiel zwischen Trump, China und der US-Notenbank (FED) führt zu einer negativen Rückkopplungsschleife, die dazu führen dürfte, dass Anlagen wie Gold und Silber im Laufe des Jahres 2019 weiter hoch notieren, so Aneeka Gupta, Associate Director beim auf ETPs spezialisierten Vermögensverwalter WisdomTree.

Trumps Ankündigung, die Zölle auf die verbleibenden chinesischen Waren im Wert von 300 Mrd. US-Dollar ab dem 1. September 2019 auf 10 Prozent zu erhöhen, habe die Finanzmärkte erschüttert und den Weg für einen signifikanten Marktverkauf geebnet. Die Ankündigung sei zufällig einen Tag nach der Sitzung des Federal Open Market Committee (BOMK) vom 30. bis 31. Juli 2019 erfolgt. Wie erwartet habe die FED die Zinsen um 25 Basispunkte (bps) gesenkt und das Programm der Quantitativen Straffung beendet.

Die eigentliche Überraschung habe es auf der Pressekonferenz nach der Sitzung gegeben, auf der der FED-Vorsitzende Jay Powell kämpferisch aufgetreten sei, als er auf die Zinssenkung nur als "zyklische Anpassung der Politik" und "nicht als Beginn einer langen Serie von Zinssenkungen" angespielt und damit die Aussicht auf weitere Zinssenkungen gedämpft habe. Powell habe auch die Handelsunsicherheiten als eine der drei Säulen genannt, die zur Entscheidung über die Senkung der Quartalspunkte geführt hätten.

Trumps Ankündigung einer Zollerhöhung für chinesische Waren sei höchstwahrscheinlich eine Taktik, die von ihm verwendet werde, um die FED zu veranlassen, die Zinsen weiter zu senken. Diese ziele darauf ab, den Schlag auf das US-Wirtschaftswachstum abzumildern, während Trump den Einsatz gegen China erhöhe. Gleichzeitig sei China entschlossen, die führende Wirtschaftsmacht der Welt zu sein und werde sich von Trump nicht aufhalten lassen.

Als Reaktion auf Trumps Zollankündigung habe die chinesische Regierung staatliche Unternehmen angewiesen, die Einfuhr von US-Agrarprodukten einzustellen und habe den Chinesischen Yuan abgewertet. China sei sich auch strategisch des übergreifenden Ziels von Trump bewusst - die US-Präsidentschaftswahlen 2020 zu gewinnen, und werde wahrscheinlich eine härtere Handelsposition einnehmen, um Trumps Chancen auf den Sieg zu verringern. Die Realität sei, dass das US-Wirtschaftswachstum bisher stabil erscheine.

Der jüngste Beschäftigungsbericht bestätige, dass sich die US-Verbraucher weiterhin in einer stabilen Verfassung befinden würden, sich aber das Wachstum der Arbeitsplatzschaffung verlangsame. Das Lohnwachstum bleibe gedämpft und der PCE Core Deflator liege bei 1,6 Prozent im Jahresvergleich (yoy), was die letzte Zinssenkung der USA rechtfertige. Die Experten würden glauben, dass die FED nur dann wieder zum Handeln gezwungen sein werde, wenn sich die Verschlechterung des Welthandels sich auf die US-Wirtschaft auszuwirken beginne. Dies scheine wahrscheinlich zu sein, da die US-Regierung und die chinesische Regierung in der Handelspolitik eine harte Haltung einnehmen würden.

Die Goldpreise würden auf einem 6-Jahres-Hoch notieren, da sich die Spannungen zwischen den USA und China verschärfen würden. Die zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit im Welthandel belebe den Safe-Haven-Status von Gold und stehe weiterhin im Vordergrund der Anleger. Dies zeige sich an den Netto-Positionierungsdaten für spekulative Futures auf Goldfutures, die nun bei 292.847 Kontrakten lägen - mehr als eine Standardabweichung über ihrem Fünfjahresdurchschnitt, so die Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Zudem hätten sich die Netto-Notenbankkäufe im ersten Halbjahr 2019 auf 374,1 Tonnen belaufen, 57 Prozent mehr als im Vorjahr und den höchsten Stand seit ihrer Aufnahme als Nettokäufer im Jahr 2010 nach Angaben des World Gold Council (WGC).

Diese Rekordkäufe der globalen Zentralbanken würden die Notwendigkeit unterstreichen, ihre Reserven vom US-Dollar weg zu diversifizieren. Der Kauf von Gold durch die Zentralbank sei in der Regel das klebrigere Geld und dürfe nicht unterschätzt werden. Gold stehe auch in umgekehrter Relation zum US-Dollar, und die Experten würden erwarten, dass sich die weitere Schwäche des US-Dollars entfalten werde. Dies sei auf den zusätzlichen Druck von Trump auf die FED, den reduzierten Renditevorteil des Dollars gegenüber Alternativen außerhalb des US-Dollar und die Ausweitung der Staatsverschuldung zurückzuführen, die mit dem Wirtschaftswachstum der USA überproportional wachsen werde. Die historische Verwendung von Silber als Währung, ein Mittel zur Werterhaltung und seine starke Korrelation zum Halten (fast 80 Prozent) in den letzten zehn Jahren würden dafür sprechen, dass Silber inmitten des volatilen Marktumfelds auf der Erfolgswelle des Goldes mitschwimmen werde. (13.08.2019/alc/a/a)