Notenbanken behalten Kontrolle über Inflationserwartungen


04.07.22 09:30
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - In den USA schwächen sich der Arbeits- und Immobilienmarkt zwar leicht ab, Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management.

Das habe aber noch keinen starken negativen Einfluss auf die Konjunktur, dämpfe aber die Inflation und insbesondere die Inflationserwartungen. Der Immobilienmarkt sei seit einiger Zeit überhitzt. Aber die Lage sei in keiner Art und Weise mit der Subprime-Krise der Jahre 2007 und 2008 zu vergleichen. Die heutige Marktstruktur sei solider und die Abkühlung gesund. Entsprechend rechne Thoma vorerst nicht mit einer Rezession. Aktuelle und vorauseilende Konjunkturindikatoren wie Auftragseingänge, Konsumausgaben und die noch steile Zinskurvenstruktur würden aktuell auf genügend Konjunkturmomentum deuten. Zudem würden sich die Unternehmensgewinne trotz Wirtschaftsabschwächung sehr solide entwickeln. Selbst bei einer milden Rezession dürfte dies zumindest dem Aktienmarkt und Unternehmensanleihen eine gewisse Stütze verleihen.

Die Notenbanken würden weiterhin die Kontrolle über die Inflationserwartungen und damit auch über das Vertrauen in die langfristige Geldwertstabilität und das konjunkturelle Wachstum behalten. Die Zinskurvenstruktur bleibe der wichtigste und zuverlässigste Frühindikator. Eine weitere Abflachung wäre ein Rezessionssignal und eine steilere Kurve am langen Ende ein gefährliches Signal steigender Inflationserwartungen. Kurzfristig könnten sich "Risky Assets" erholen, da viel Negatives eingepreist sei (beispielsweise eine milde Rezession) und deshalb bei teilweise günstigen Bewertungen Raum für positive Überraschungen bestehe. Die langfristigen Zinsen dürften konsolidieren. Mittelfristig verbleibe aber wegen dem Bilanzabbau der US-Notenbank FED ein von vielen Marktteilnehmern unterschätzter Belastungsfaktor. Ein potenzielle Markterholung in den kommenden Wochen werte Thoma deshalb nach wie vor als "Ruhe vor dem Sturm".

Die FED habe ihre Geldpolitik überraschend weiter verschärft und den geplanten Bilanzabbau bekräftigt. Mittelfristig könnte sich dies als eine zu restriktive Geldpolitik erweisen und einen so genannten "policy mistake" darstellen. Zwar werde die EZB ab Ende Juli ebenfalls die Leitzinsen erhöhen, bleibe aber wesentlich weniger restriktiv als die FED. China und Japan würden ihre Geldpolitik dagegen weiter lockern und damit nicht nur konjunkturell, sondern auch geldpolitisch global ausgleichend wirken. Zudem habe die EZB ein "Anti-Fragmentierungs-Tool" angekündigt. Damit wolle sie verhindern, dass die Zinsen in den Euro-Peripheriestaaten weiter ansteigen würden. Bereits die Ankündigung dieses Plans habe zu einer Beruhigung bei den langfristigen Zinsen in Italien und Spanien geführt. Dies belege vorerst eine hohe Wirksamkeit. Die über diese Methode in Staatsanleihen der Peripheriestaaten investierten Gelder würden zudem "sterilisiert". Das heiße, die EZB verkaufe oder emittiere andere Wertpapiere, um die Geldmenge insgesamt nicht zu erhöhen. Damit dürfte insgesamt ein für den Euro positiver Einfluss entstehen. (04.07.2022/alc/a/a)




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