Renten: Deutsche Zinskurve renditeseitig komplett im Minusbereich


12.08.19 10:49
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach der US-Notenbank und auch der (zumindest angekündigt) EZB sind weitere Zentralbanken auf Zinssenkung eingestellt, so die Experten von Union Investment.

So seien in der Berichtswoche in Neuseeland, Indien und Thailand die Leitzinsen gesenkt worden. Bei gleichzeitig schwachen Konjunkturdaten habe dies dem Bondmarkt weitere Schubkraft gegeben. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries sei von 1,85 auf vorübergehend 1,6 Prozent gefallen. Eine eher mäßig verlaufene Auktion neuer Staatsanleihen habe dann den abwärts gerichteten Renditetrend gestoppt. Mit 1,7 Prozent sei es in Richtung Wochenschluss gegangen. Die US-Zinskurve habe sich im Wochenvergleich um 10 bis 14 Basispunkte nach unten verschoben.

An den europäischen Staatsanleihemärkten habe die Nachfrage im Umfeld rückläufiger Aktienmärkte zunächst weiter angehalten. Über alle Märkte hinweg seien, hauptsächlich von den Bundesanleihen getrieben, die Renditen gefallen. Bis zur Wochenmitte sei auf Gesamtmarktebene (iBoxx - Sovereigns) zunächst ein Plus von einem Prozent angefallen. Im weiteren Verlauf seien die Gewinne im Zuge der Erholung an den Aktienmärkten aber wieder zum Großteil abgegeben worden.

Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit hätten zwischenzeitlich mit minus 60 Basispunkten so tief wie nie zuvor rentiert. Die deutsche Zinsstrukturkurve habe in der Berichtswoche komplett im Minus gelegen. Auf der Suche nach Rendite seien nun auch ultralange Laufzeiten (30 Jahre) stark nachgefragt gewesen. Über nahezu alle Laufzeiten hinweg hätten die Renditen in der Berichtswoche um acht Basispunkte nachgegeben, sodass sich die Zinskurve parallel nach unten verschoben habe.

Auch in der Peripherie seien - mit Ausnahme von Italien - weitere Zugewinne respektive rückläufige Renditen zu beobachten gewesen.

Am Donnerstag sei die Aufwärtsbewegung bei den Anleihekursen aber zusehends ins Stocken gekommen. Zum einen hätten Gerüchte die Runde gemacht, der Bund wolle sich im Hinblick auf die Verschuldung von der schwarzen Null verabschieden. Die Regierung erwäge angeblich eine Erhöhung der Schuldenaufnahme zur Finanzierung von Klimaschutzplänen. Auch solle Presseberichten zufolge der Internationale Währungsfonds (IWF) darauf hingewiesen haben, dass Deutschland fiskalische Anreize bräuchte, um eine Wachstumsverlangsamung zu vermeiden.

Der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte die Emission weiterer deutscher Bundesanleihen vor dem Hintergrund der voraussichtlichen Neuauflage des Anleiheankaufprogramms gerade recht kommen, das Volumen frei handelbarer Bundespapiere sei stark geschrumpft. Damit stünden der EZB zusätzliche Anleihen für den Ankauf im Rahmen ihrer geldpolitischen Lockerung zur Verfügung.

Zum anderen spitze sich in Italien die politische Lage zu. Lega-Chef Salvini arbeite am Bruch der italienischen Regierungskoalition und strebe Neuwahlen an; ausgerechnet in der Sommerpause, in der sich das italienische Parlament im Urlaub befinde. Mögliche Neuwahlen könnten erst Mitte Oktober abgehalten werden, dies hänge jedoch von der Prozedur hinsichtlich der Vertrauensfrage und dem Willen des Parlamentspräsidenten ab, das Parlament auflösen zu wollen. Der italienische Bondmarkt habe hierauf mit erhöhter Volatilität und einem deutlichen Anstieg der Renditen reagiert. Im Zehnjahresbereich sei es nach 1,4 Prozent im Tief zur Wochenmitte am Freitagmittag in Richtung 1,8 Prozent gegangen. (Ausgabe vom 09.08.2019) (12.08.2019/alc/a/a)