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Renten: EZB überprüft Strategie, Euro-Staatsanleihen mit kleinem Kursplus


02.12.19 09:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Renditen europäischer Staatsanleihen tendierten überwiegend seitwärts, so die Experten von Union Investment.

Größere Kursbewegungen seien ausgeblieben. Auch die sonst oft zu beobachtende bessere Wertentwicklung von Anleihen aus den Peripherieländern sei ebenfalls nicht zu beobachten gewesen. Bezüglich der spanischen Regierungsbildung habe es nichts Neues gegeben. Ministerpräsident Sanchez habe seine Bemühungen zu einer Mehrheitsbildung fortgesetzt. Die Ratingagentur Fitch habe die Fortschritte in Portugal gewürdigt und ihren positiven Ausblick beibehalten. In Italien hätten die Diskussionen über den Haushalt für das kommende Jahr angehalten. Die Regierungsparteien hätten weiterhin unterschiedliche Interessen. Da beide Parteien derzeit aber nicht die besten Karten bei einer Neuwahl hätten, sei davon auszugehen, dass man sich zusammenraufen werde.

Am Markt für Unternehmensanleihen seien wie bereits in den Vorwochen viele neue Papiere begeben worden. Die Nachfrage sei weiterhin hoch gewesen. Selbst Emittenten mit schlechterer Bonität sei es problemlos gelungen, neue Anleihen zu platzieren. Vielfach hätten sie den zu zahlenden Aufschlag gegenüber den bereits ausstehenden Anleihen noch etwas reduzieren können.

Christine Lagarde habe sich viel vorgenommen. Die neue Chefin der Europäischen Zentralbank habe eine Überprüfung der Notenbankstrategie angekündigt. Bei der genauen Analyse der Zentralbankpolitik werde alles zur Debatte stehen: Die Ziele der Geldpolitik, ihre Mittel und auch die Kommunikationspolitik. Mit hoher Priorität solle das Inflationsziel angepasst werden, denn seit Jahren gelinge es den Währungshütern nicht, ihre angestrebte Teuerungsrate auch zu erzielen. Darüber hinaus gelte es wieder mehr Konsens zwischen den einzelnen Ratsmitgliedern herzustellen.

Gegenwind sei zudem von der Öffentlichkeit gekommen. Vielen Bürgern seien Negativzinsen zur schwer zu vermitteln. Eine Abkehr von der aktuellen Geldpolitik dürfte nach Meinung der Experten aber nicht zu erwarten sein. Frau Lagarde habe schon vor dem Amtsantritt auf Kontinuität in der Geldpolitik hingewiesen. Angesichts der zuletzt an die Öffentlichkeit getragenen Zerstrittenheit innerhalb des EZB-Rates werde künftig mit einer anderen Debattenkultur zu rechnen sein, nicht zuletzt, um auch die Wogen im Gremium wieder etwas zu glätten. (Ausgabe vom 29.11.2019) (02.12.2019/alc/a/a)