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Renten: Geringerer Spielraum für höhere Renditen


15.03.19 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mario Draghi hat klar gemacht, dass es in seiner Amtszeit keine Zinsanhebungen geben wird, so die Analysten der Helaba.

Die Konjunktur dürfte sich im Jahresverlauf zwar erholen, was durchaus Raum für steigende Renditen gebe. Das jüngste Signal der EZB werde jedoch nachhallen und die Euro-Kapitalmarktzinsen auf einem bescheidenen Niveau deckeln.

Der EZB-Rat habe aufgrund anhaltend schwacher Konjunkturdaten zuletzt keine Geduld mehr gehabt und die für dieses Jahr avisierte Zinserhöhung kurzerhand abgeblasen. Für Anleger sei die Entscheidung zu diesem frühen Zeitpunkt unerwartet gekommen, sichtbar an der Entwicklung der Terminmarktsätze. Hätten sich diese im Vorfeld der Sitzung noch nach oben orientiert, so sei es in Folge der EZB-Entscheidung zu einer deutlichen Gegenbewegung gekommen. Damit verbunden sei auch ein spürbarer Rückgang der Renditen gewesen.

10-jährige Bunds seien im Tief auf 0,05% gefallen, nachdem sie sich zeitweilig auf 0,2% erholt hätten. Mario Draghi habe auf den Krisenknopf gedrückt und die Investoren hätten reagiert. Der veränderte geldpolitische Ausblick nehme auch Einfluss auf die Renditeprognosen der Analysten. Sie würden ihr Ziel für 10-jährige Bunds zum Jahresende 2019 von 0,7% auf 0,5% reduzieren. Im Rahmen des globalen Zinsverbunds würden die Analysten ebenfalls die Prognosen für US-Treasuries senken.

Durch die EZB-Entscheidung sei bei den Anlegern die Meinung gefestigt worden, dass die Währungshüter von einer geldpolitischen Wende noch weit entfernt seien. Mittlerweile nähere sich mit dem Juni das fünfjährige Jubiläum des negativen Einlagensatzes. Erfahrungsgemäß sei dies ein Zeitraum, in dem die Erwartungen kaum noch vom Durchschnittswert der vergangenen Jahre abweichen würden. Es stelle sich gleichwohl immer noch die Frage, wann die EZB die Anpassungen insbesondere beim Strafzins vornehme. Noch überwiege im EZB-Rat die Meinung, dass die Vorteile negativer Zinsen überwiegen würden. Zuletzt seien aber auch einige skeptische Stimmen von Notenbankern zu vernehmen gewesen.

Als Orientierung in Zinsfragen könnten geldpolitische Regeln helfen. Die bekannte sei dabei die Regel von John Taylor, die allerdings seit Jahren steigende Leitzinsen signalisiere. Zuletzt sei öfter von der sogenannten Orphanides-Regel zu hören gewesen, benannt nach dem Ökonomen Athanasios Orphanides, ehemaliger Zentralbankchef Zyperns. Danach würden Leitzinsveränderungen zur Hälfte von der Abweichung der Inflationsprognose vom Inflationsziel sowie zur anderen Hälfte von der Differenz der BIP-Prognose vom Potenzialwachstum abhängen.

Setze man die zuletzt pessimistischeren EZB-Prognosen in die entsprechende Funktion ein, werde das Bild unveränderter Leitzinsen zwar bestätigt. Anders sei jedoch das Ergebnis, wenn die Wachstums- und Inflationsprognose der Helaba als Input dienen würden. Dann ergäbe sich schon in diesem Jahr etwas Spielraum für höhere Zinsen. Nach der deutlichen Ansage der EZB würden die Analysten aber erst das zweite Quartal 2020 als einen möglichen Zeitpunkt sehen. (15.03.2019/alc/a/a)