Erweiterte Funktionen

Renten: Gute Stimmung kippt zum Wochenschluss


11.02.19 12:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Anleger an den Rentenmärkten waren noch recht optimistisch in die vergangene Berichtswoche gestartet, so die Experten von Union Investment.

Risiko sei gefragt gewesen, Anleihen mit Renditeaufschlag wie Unternehmensanleihen oder Papiere aus den Schwellenländern hätten zunächst von der guten Stimmung profitieren können. Zum Ende der Woche hin habe aber das Bild gedreht. Parallel zum von schlechten Konjunkturdaten dominierten Geschehen an den Aktienmärkten hätten risikoreichere Rentenpapiere unter Verkaufsdruck gestanden. Hiervon hätten zum Wochenende hin die als sicher geltenden Staatsanleihen profitieren können.

Wie schnell die Anleger derzeit die Seiten wechseln würden, sei in der Berichtswoche vor allem am europäischen Unternehmensanleihemarkt zu beobachten gewesen. Bis zur Wochenmitte habe die Nachfrage das Geschehen bestimmt. Teils sei der Markt für Corporate Bonds wie leergefegt gewesen, Papiere seien Mangelware gewesen. Dies hätten wieder einige Firmen zur Platzierung neuer Emissionen genutzt. Vor allem sei der Finanzsektor am Primärmarkt aktiv gewesen. So habe etwa die Deutsche Bank mittels dreier Tranchen Papiere im Gegenwert von insgesamt drei Milliarden Euro platziert. Eine für die Zeichner generöse Preisstellung habe für einen großen Platzierungserfolg gesorgt, der sich auch im folgenden Sekundärmarkthandel fortgesetzt habe.

Am Donnerstag sei abrupt der allgemeine Stimmungsumschwung gefolgt, mit dem dann auch gleichzeitig die Liquidität aus dem Markt gegangen sei. Die Käufer seien ausgeblieben, es habe große Zurückhaltung geherrscht. Der Abgabedruck sei in erster Linie im synthetischen Bereich (Index-Derivate) zu beobachten gewesen, da sich dieser zuvor sehr gut entwickelt habe. Der Kassemarkt mit den dort gehandelten Anleihen sei im Vergleich hingegen weniger stark von der Konsolidierung betroffen gewesen.

Anleihen aus den Schwellenländern, die in US-Dollar oder Euro notiert seien, hätten zunächst ebenfalls profitiert. Die Risikoprämien (Spreads) hätten sich auf Indexebene eingeengt. Darüber hinaus hätten sowohl die Hart- (US-Dollar und Euro), aber auch die Lokalwährungsmärkte bis zur Wochenmitte mit über vier Milliarden US-Dollar massive und rekordverdächtige Mittelzuflüsse verzeichnet. Der Stimmungsumschwung habe die Spreadeinengungen aber letztlich zunichte gemacht. Neuemissionen wie die der russischen Gasprom hätten zunächst gut platziert werden können, seien zum Wochenende hin im schwächeren Markt aber ebenfalls unter Druck geraten. Unternehmenspapiere und EM-Anleihen würden seit Jahresbeginn eine erfreuliche Wertentwicklung aufweisen, sodass die Konsolidierung nicht allzu überraschen sollte.

In der Folge seien sichere Staatsanleihen wie Bundesanleihen und US-Treasuries gesucht gewesen. Diese hätten sich aber auch schon zuvor gut gehalten, unterstützt von der zurückhaltenden Geldpolitik der Notenbanken. Am US-Staatsanleihemarkt hätten zehnjährige Staatsanleihen mit 2,64 Prozent (minus vier Basispunkte) rentiert. Die deutsche Zinsstrukturkurve habe sich im Wochenvergleich etwas abgeflacht. Laufzeiten ab einem Jahr an hätten Renditerückgänge von bis zu sechs Basispunkten aufgewiesen. Zehnjährige Bundesanleihen hätten mit 0,1 Prozent rentiert.

Mit Blick auf die Peripherie habe einmal mehr Italien im Blickpunkt gestanden. Das italienische Schatzamt habe zur Wochenmitte eine Anleihe mit 30 Jahren Laufzeit emittiert. Die Nachfrage nach den Bonds sei immens gewesen, das Orderbuch habe zuletzt bei 41 Milliarden Euro gelegen. Zugeteilt worden seien letztlich acht Milliarden Euro. Diese Emission sei als die volumenstärkste in diesem Laufzeitsegment beziffert worden, die jemals von einem EU-Emittent platziert worden sei. Italien habe Marktschätzungen zufolge bereits fast ein Fünftel der für 2019 geschätzten Refinanzierungsvolumens aufgenommen. Die hohe Nachfrage überrasche, da neben den zuletzt schlechten Konjunkturdaten auch aktuell der IWF die Wachstumsaussichten für die italienische Wirtschaft nach unten korrigiert habe.

Zudem sehe der Internationale Währungsfonds (IWF) die Gefahr einer weiteren Ratingverschlechterung Italiens. Angesichts der für die Anleger sehr attraktiven Preisgestaltung dürften die Risiken hinsichtlich der weiteren Entwicklung Italiens in den Hintergrund getreten sein. Die bereits am Markt gehandelten Papiere seien hingegen spürbar unter Druck geraten. Die italienischen Zehnjahresrenditen seien im Wochenvergleich um 25 Basispunkte auf 2,99 Prozent angestiegen und würden damit die Drei-Prozentmarke testen. (Ausgabe vom 08.02.2019) (11.02.2019/alc/a/a)