Erweiterte Funktionen

Rentenmärkte: Renditen fahren über den Jahreswechsel Achterbahn


11.01.19 09:00
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Über den Jahreswechsel sind die Rentenmärkte Achterbahn gefahren, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Ausgelöst worden sei die hohe Volatilität durch entsprechende Bewegungen an den internationalen Aktienmärkten. Erneute Kursverluste an den Aktienmärkten angesichts einer ausgeprägten Risk-Off-Stimmung bei den Anlegern - schwächere Konjunkturdaten aus den USA, die Handelsstreitigkeiten sowie die Möglichkeit eines harten Brexit belasteten - seien mit Renditerückgängen einhergegangen. So sei die Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihen bis auf 0,15% gesunken, die der US-Treasuries bis auf rund 2,50%.

Geschürt worden sei der Renditerückgang in den USA zudem durch vorsichtigere Äußerungen von FED-Notenbankern in Bezug auf weitere Zinsanhebungen. Zuletzt hätten sich die Aktienmärkte wieder etwas beruhigt, was spiegelbildlich zu Renditeanstiegen geführt habe. Insbesondere der US-Arbeitsmarktbericht für Dezember habe mit einem äußerst hohen Stellenaufbau von 312 Tsd. zu der Stabilisierung beigetragen. Daneben gebe es Hoffnung bei den Anlegern, dass sich im Handelskonflikt zwischen den USA und China eine Einigung anbahne. Die Minutes der FOMC-Sitzung vom 19./20. Dezember hätten die größere Geduld der FED in Bezug auf weitere Zinsschritte bestätigt, denn man möchte die US-Konjunktur nicht mit einem zu hohen Zinsniveau abwürgen.

Die zuletzt veröffentlichten Konjunkturdaten aus Deutschland hätten das Risiko einer technischen Rezession in der zweiten Jahreshälfte 2018 deutlich ansteigen lassen. So sei die Industrieproduktion im November um 1,9% gegenüber dem Vormonat geschrumpft, nachdem sie schon im Oktober um 0,8% zurückgegangen sei. Auch die Auftragseingänge in der Industrie seien im November um 1,0% MoM gefallen. Klar sei auf alle Fälle, dass es im vierten Quartal nicht zu einem Rebound der Wirtschaftsaktivität gekommen sei, nachdem das BIP von Juli bis September aufgrund eines Sondereffekts schon rückläufig gewesen sei. Von Emissionsseite habe es einen fulminanten Jahresstart gegeben, denn diese Woche seien Euro-Staatsanleihen im Volumen von insgesamt 35 Mrd. Euro emittiert worden.

Im neuen Jahr folge weiter ein Ereignis auf das andere. Am 10.01.2019 werde das Sitzungsprotokoll der EZB vom 13. Dezember veröffentlicht. Dabei sei insbesondere auf die Bewertung der Konjunkturrisiken durch die Notenbank zu achten. Darüber hinaus spreche FED-Chef Jerome Powell vor dem Economic Club of Washington, D.C. Zuletzt habe er wesentlich defensiver bei der Bewertung weiterer Zinsanhebungen geklungen. Jetzt dürften die Anleger genau darauf schauen, wie weit er dabei zu gehen bereit sei. Und dann stehe noch die Abstimmung über die Austrittsvereinbarung von EU und UK im britischen Parlament auf der Agenda (15. Januar). Dies dürfte Sprengstoff für die Finanzmärkte bieten, denn es sei nicht davon auszugehen, dass Premierministerin Theresa May eine Mehrheit für die Vereinbarung erhalte. Die Gefahr eines harten Brexit werde damit immer größer. Zusätzlich kritisch sei, dass nun innerhalb von drei Tagen nach einer gescheiterten Abstimmung ein Plan B von der Regierung präsentiert werden müsse, doch dieser sei nicht in Sicht. (Ausgabe vom 10.01.2019) (11.01.2019/alc/a/a)