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Russische Notenbank setzt Zinsanhebungen angesichts zu hoher Inflation fort


24.09.21 09:45
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Russlands Wachstumsdynamik hat sich im Sommer leicht abgeschwächt, steht aber weiterhin auf einem recht guten Fundament, denn der Arbeitsmarkt präsentierte sich zuletzt überraschend stark, so die Analysten von Raiffeisen Capital Management in einer aktuellen Ausgabe des "emreport".

Die Arbeitslosenquote sei deutlich zurückgegangen und trotz steigender Inflation hätten die Reallöhne stark zugelegt. Einen zusätzlichen Schub für Wachstum - aber auch Teuerung - könnte es durch die Einmalzahlungen geben, die Familien, Rentner und Militärangehörige im August und September erhalten würden. Die Inflation habe zuletzt 6,74% p.a. erreicht und sie bleibe damit sowohl eine große Sorge der Notenbank als auch ein wichtiges Thema für die Parlamentswahlen, die zu Redaktionsschluss gerade begonnen hätten. Die Partei "Einiges Russland" werde vermutlich neuerlich stärkste Kraft, dürfte aber massive Stimmenverluste gegenüber dem letzten Urnengang vor fünf Jahren einfahren. Im Gegenzug könnte vor allem die Kommunistische Partei ihren Stimmenanteil deutlich ausbauen.

Die Russische Zentralbank habe angesichts des Inflationsdrucks zum fünften Mal in Folge den Leitzins angehoben - mit 6,75% entspreche er fast exakt der aktuellen Teuerungsrate. Der Zinsschritt sei wenig überraschend gewesen. Für Aufsehen habe aber die Warnung der russischen Währungshüter gesorgt, dass weiter steigende Inflationsraten und ausufernde Verschuldungen ab 2023 zu einer globalen Rezession und einer Finanzkrise ähnlich der von 2008 führen könnten. Dies sei zwar nicht das Basisszenario der russischen Notenbank, in welchem sie davon ausgehe, dass sich die globale Inflation 2022 wieder nach unten bewege. Sie sehe aber offenkundig erhebliche Risiken, dass es zu alternativen Szenarien kommen könnte. Von den großen westlichen Notenbanken seien solche Gefahren oder Szenarien bisher nicht thematisiert worden. Die Aktienkurse in Moskau hätten im August leicht zugelegt, um knapp 4% in Rubel, um rund 3,6% in US-Dollar gerechnet. (Ausgabe vom 17.09.2021) (24.09.2021/alc/a/a)