Staatsanleihen: Gegenbewegung bei den Renditen


08.10.19 09:30
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - In den vergangenen Wochen nahmen die geopolitischen Risiken an verschieden Fronten ab, so die Experten von Swisscanto Invest.

Auch im Handelsstreit zwischen den USA und China seien zuletzt deutlich versöhnlichere Töne angeschlagen worden. Um von einer nachhaltigen Entspannung auszugehen, sei es aber noch zu früh. Die US-Notenbank habe im September den Leitzins zum zweiten Mal in diesem Jahr gesenkt. Die Experten von Swisscanto Invest würden mit einem weiteren, vorläufig letzten Zinsschritt im Oktober rechnen. Auch die EZB habe erneut ein Stimulierungspaket geschnürt. Dessen Wirksamkeit werde allerdings zunehmend infrage gestellt. Um die europäische Konjunktur anzukurbeln, wären mittlerweile fiskalische Stimuli vielversprechender.

Die vorausschauenden Konjunkturindikatoren würden sich anhaltend flau entwickeln, insbesondere im Euroraum. Das Beschäftigungswachstum in den wichtigsten Industrieländern habe sich in den letzten Monaten verlangsamt, bleibe aber weiterhin im positiven Bereich. Angesicht der ultra-expansiven Geldpolitik und der zunehmenden Bereitschaft zu fiskalischen Impulsen würden die Experten von Swisscanto Invest eine Stabilisierung des Wachstums für das nach wie vor wahrscheinlichste Szenario halten.

An den Finanzmärkten habe der Optimismus wieder zugenommen. Die Aktienmärkte würden vielerorts auf oder nahe an historischen Höchstständen notieren und der tiefe Fall der Renditen im August habe sich teilweise wieder ausgeglichen. Man erkenne bei Aktien aus der Eurozone wieder mehr Potenzial. Die bevorzugten Märkte der Experten von Swisscanto Invest würden allerdings die Schweiz und die USA bleiben.

Die Renditen auf Staatsanleihen hätten sich in den letzten Wochen etwas erholt, nachdem in vielen Ländern im vergangenen Monat neue Tiefstände erreicht worden seien. Entsprechend hätten sich die zuvor erzielten Kursgewinne bei den Staatsanleihen reduziert. So sei die Rendite auf 10-jährigen Eidgenossen (Schweizer Staatsanleihen) vom Allzeittief von minus 1,2 Prozent zwischenzeitlich um 50 Basispunkte nach oben geklettert. Dies spreche einerseits dafür, dass die vorausgegangene Renditebewegung tatsächlich übertrieben gewesen sei. Andererseits sei die Bewegung mitunter durch positive Entwicklungen bei geopolitischen Risiken (Handelsstreit zwischen den USA und China, Brexit, Italien) begünstigt worden. Allerdings hätten sich die Wirtschaftsindikatoren auf globaler Ebene kaum verbessert und der Konjunkturausblick bleibe eingetrübt. Dies spreche gegen einen anhaltenden Renditeanstieg und dafür, dass die Verzinsung bei Staatsanleihen auf absehbare Zeit auf äußerst tiefem Niveau verharre.

Angesichts der anhaltend schwachen Konjunktur in der Eurozone und der expansiveren Geldpolitik der EZB dürfte der Euro vorerst unter Druck bleiben. Da die Experten von Swisscanto Invest weder in der Schweiz noch in Japan mit einer Zinssenkung rechnen würden und die globalen Risiken anhalten würden, dürften der Schweizer Franken und der Japanische Yen hingegen zur Stärke tendieren. Die Entwicklung des Britischen Pfunds stehe und falle mit der Brexit-Frage. Hier habe sich zuletzt das Risiko eines "No Deal" per 31. Oktober reduziert. Dies spiegele sich in einem etwas festeren Pfund wider.

Die Wirtschaft der Eurozone bewege sich nach wie vor im Kriechgang. Auch die jüngsten Einkaufsmanagerindices hätten auf eine Fortsetzung der konjunkturellen Verlangsamung hingewiesen. Allerdings gebe es Gründe, die zumindest für eine vorübergehende Aufhellung am Aktienmarkt mit überdurchschnittlichen Kursentwicklungen sprächen. Erstens, und das sei zunächst nur ein technisches Argument, würden sich die konjunkturellen Indikatoren auf einem Niveau bewegen, das eine Verbesserung immer wahrscheinlicher mache. Einige Stimmungsindikatoren würden dies bereits andeuten.

Zweitens habe die EZB ihren expansiven geldpolitischen Kurs noch einmal verstärkt. Die EZB habe bislang alles getan, um die Eurozone "am Laufen" zu halten - und dies habe die Aktienmärkte vorübergehend immer beflügeln können. Drittens steige aufgrund des schwachen wirtschaftlichen Wachstums in den einzelnen Mitgliedstaaten zudem langsam die Bereitschaft für fiskalpolitische Stimuli.

Die designierte EZB-Chefin Christine Lagarde habe bereits angedeutet, dass sie ihr politisches Geschick auch dafür einsetzen werde, die Regierungen der Währungsgemeinschaft dahingehend zu überzeugen. Falls sich ein solches Zusammenspiel von Geld- und Fiskalpolitik abzeichnen sollte, dürften sich die Gewinnerwartungen für die Unternehmen der Eurozone gegenüber denjenigen anderer Regionen verbessern. Auch der Risikoabschlag, den Investoren für europäische Aktien seit der Schuldenkrise verlangen würden, könnte sich verringern. Vor diesem Hintergrund seien Aktien der Eurozone attraktiver geworden.

Der Angriff auf die Rohölproduktion Saudi-Arabiens habe die instabile Lage im Nahen Osten verdeutlicht. Die Gefahr einer Eskalation wachse, da die USA ihre Präsenz in der Golfregion ausbauen möchten. Aus diesem Grund werde Rohöl an den Finanzmärkten weiterhin mit einer Risikoprämie gehandelt werden, wobei mit einer erhöhten Schwankungsbreite zu rechnen sei. Wir glauben, dass die Produktionsausfälle kurzfristig zu einem weiteren Aufwärtspotenzial beim Rohölpreis führen, vorausgesetzt die Rohölnachfrage entwickelt sich stabil, so die Experten von Swisscanto Invest. (08.10.2019/alc/a/a)