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USA: Inflation rückläufig, Kerninflation steigt - für die FED nicht so leicht!


11.07.19 16:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Vor wenigen Minuten wurden vom Bureau of Labor Statistics aktuelle Daten zu den Konsumentenpreisen (CPI) in den USA bekannt gegeben, so die Analysten der Nord LB.

Demnach seien die Verbraucherpreise im Juni um 0,1% M/M angezogen. Die Jahresrate sei auf 1,6% zurückgegangen. Vor einem Jahr habe sie noch bei fast 3% gelegen, im Februar bei 1,5%. Die Verbraucherpreise exklusive Nahrung und Energie hätten ein deutlicheres Plus von 0,3% M/M verzeichnet - die Jahresrate sei auf 2,1% angestiegen.

Während beide Monatsveränderungen jeweils leicht über den Erwartungen ausgefallen seien, hätten die Jahresraten eher gegensätzliche Signale gegeben: Einerseits sei die Gesamtrate (wie erwartet) auf 1,6% zurückgegangen, andererseits sei die Kerninflationsrate, getrieben von den Komponenten Wohnung, Gebrauchtwagen, Kleidung und Möbel wieder auf über 2,0% angezogen. Dies könnte die Entscheidung der Federal Reserve auf ihrer nächsten FOMC-Sitzung Ende des Monats etwas verkomplizieren.

Wie seien die Aussichten? In den kommenden Monaten sei zunächst mit einer Seitwärtsbewegung der Inflationsrate auf aktuellem Niveau oder leicht darüber zu rechnen. Perspektivisch könnten sich erste preistreibende Effekte durch die Zollanhebungen zeigen. Ab dem Herbst sollten sich zudem Basiseffekte bemerkbar machen, da niedrigere Vorjahresraten sukzessiv aus der Statistik herausfallen würden. Entsprechend müsse ab dem Jahreswechsel wieder mit einer Rate von über 2,0% gerechnet werden. Hinsichtlich der stärker als erwartet gestiegenen Kerninflationsrate sei perspektivisch aufgrund des engen Arbeitsmarkts, der Lohnzuwächse und steigender Mieten mit einem Anziehen zu rechnen. Die Analysten würden aber weder eine deutlich erhöhte Rate noch eine Disinflationsphase erwarten.

Die Implikationen höherer Importzölle für die Inflationsrate seien nicht eindeutig: Einerseits würden sie die Produkte in den USA - sowohl für die dortigen Unternehmen als auch Konsumenten - verteuern und die Inflation höher treiben. Andererseits könnte eine konjunkturelle Abschwächung aufgrund zunehmender Verunsicherung die Inflation drücken. Die Federal Reserve stehe demnach vor dem Problem, beide Effekte quantitativ korrekt abzuschätzen.

Die FED lege zu Recht seit Dezember eine Zinspause ein. Neben der Inflationsentwicklung spreche auch die Verunsicherung über die weitere konjunkturelle Entwicklung für das Abwarten. Entscheidend für die Geldpolitik seien der Handelskonflikt und die Wirtschaftsaussichten. Das habe Notenbankchef Jerome Powell gestern betont. Offenbar mache er sich über die Konjunktur für die USA aufgrund der globalen Verunsicherungen größere Sorgen. Die derzeit niedrige Inflationsrate - zumindest in der Gesamtrate und weniger in der Kerninflationsrate - könnte einen "Insurance Cut" rechtfertigen, mit dem man wohl bereits Ende Juli rechnen müsse. Der Anstieg der Kerninflationsrate auf 2,1% spreche allerdings gegen einen deutlichen 50 BP-Zinsschritt.

Die Konsumentenpreise in den USA seien auch den fünften Monat in Folge angezogen. Die Jahresrate sei dennoch basisbedingt auf 1,6% zurückgegangen. Dagegen sei die Kerninflationsrate auf 2,1% angezogen. Perspektivisch dürften sich Basiseffekte bemerkbar machen, die zusammen mit den höheren US-Importzöllen zu einem gewissen Preisauftrieb führen würden.

Mit einem anhaltend engen Arbeitsmarkt, Lohnzuwächsen und steigenden Mieten dürfte sich die Inflation zum Jahresende über 2% bewegen. Doch die Federal Reserve mache sich Sorgen über die Konjunkturentwicklung im Zuge der Handelskonflikte. Deswegen könnte sie neben den unsicheren Konjunkturaussichten nun auch die niedrige Inflationsrate - zumindest in der Gesamtrate und weniger in der Kerninflationsrate - als weiteres Argument nutzen, bereits Ende Juli einen "Insurance Cut" - um allerdings nur 25 BP - durchzuführen. (11.07.2019/alc/a/a)