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USA: Wenig Handlungsdruck für die FED


02.12.19 10:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Wichtige Tage für die US-Konjunktur stehen bevor, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Denn zum einen würden die Daten der kommenden Tage Hinweise darauf geben, ob sich die zaghaften Anzeichen der Stabilisierung der US-Industrie bewahrheiten oder als Fehlsignale erweisen würden (ISM für das Verarbeitende Gewerbe). Und zum anderen werde sich mit dem Arbeitsmarktbericht zeigen, ob die günstigen Voraussetzungen, die es dem US-Konsumenten ermöglichen würden, die Konjunktur quasi im Alleingang zu schultern (zum BIP-Zuwachs in Q3 von 2,1% p.q. ann. habe der priv. Konsum 2,0 Prozentpunkte beigesteuert), weiterhin intakt seien.

Der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe habe im Oktober nach einer sechsmonatigen Talfahrt wieder etwas an Boden gutmachen können (Anstieg auf 48,3). Der Konsens erwarte für den November einen abermaligen leichten Anstieg, der den Index bis knapp unter die 50 Punkte-Marke führen könnte. Dem ISM-Index für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe sei im Oktober nach dem markanten Einbruch zuvor ein Rebound gelungen (aktuell bei 54,7 Punkten).

Die Stimmung im Nicht-Verarbeitenden Gewerbe sei damit trotz des seit Ende 2018 bestehenden Abwärtstrends Ausdruck dafür, dass die Schwäche des Verarbeitenden Gewerbes (das in den USA auch nur 11% des BIP ausmache) die übrigen Sektoren bisher wenig in Mitleidenschaft gezogen habe. Für den November werde nun ein marginal niedrigeres Niveau erwartet. Sollte jedoch der ISM-Index für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe enttäuschen (stärkerer Rückgang als prognostiziert), wäre das sicherlich bedenklicher als ein Rückgang des Index für das Verarbeitende Gewerbe, da dann Befürchtungen vor einer Ansteckung der noch "gesunden" Teile der US-Wirtschaft zunehmen würden.

Das Datenhighlight der kommenden Tage sei jedoch der Arbeitsmarktbericht, sei die Verfassung des Arbeitsmarktes doch (über den privaten Konsum) maßgeblich für das Wohl und Wehe der US-Konjunktur.

Die allgemeinen Trends (Beschäftigungsanstieg und Rückgang der Arbeitslosenquote) seien weiterhin intakt, eine Abschwächung der Dynamik sei bestenfalls in Ansätzen zu erkennen. Daran dürfte sich laut Konsens auch im November nichts geändert haben, liege doch das erwartete Stellenplus bei 190 Tsd., nach 128 Tsd. im Vormonat und damit weiterhin klar über der Schwelle von etwa 100 Tsd., ab der die Arbeitslosenquote tendenziell weiter sinke. Das Lohnwachstum werde wie im Vormonat bei 3,0% p.a. und damit unvermindert dynamisch gesehen, was jedoch nicht Eingang in die allgemeine Teuerung finde (die PCE-Kerninflation sei im Oktober von 1,7% p.a. auf 1,6% p.a. zurückgegangen). Die Grundvoraussetzungen für eine weiterhin solide Entwicklung des US-Konsums dürften damit weiterhin intakt bleiben (auch wenn nach den zwei sehr starken Quartalen Q2/ Q3 gemäß NowCast-Modellen nun zumindest in Q4 eine niedrigere Zuwachsrate erwartet werde), und auch die Laune der US-Konsumenten dürfte weiterhin unterstützend wirken. So stagniere das Uni Michigan Verbrauchervertrauen bereits seit Anfang 2018 nahe dem zyklischen Hoch, woran sich gemäß Konsens im Dezember nichts geändert haben dürfte.

Somit bestehe auch für die FED wenig Handlungsdruck (kein Konjunktureinbruch absehbar und kein nennenswerter Inflationsdruck vorhanden), an der aktuellen geldpolitischen Ausrichtung (die als "angemessen" bezeichnet werde) etwas zu ändern, was sich in der Markterwartung bis weit ins nächste Jahr hinein unveränderter Leitzinsen widerspiegele. (Ausgabe vom 29.11.2019) (02.12.2019/alc/a/a)