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KMU-Anleihen: Transaktionszahl und Emissionsvolumen 2018 deutlich gestiegen - Immobiliensektor dominiert


11.01.19 13:00
anleihencheck.de

Bad Marienberg (www.anleihencheck.de) - Der deutsche Markt für KMU-Anleihen hat sich im Jahr 2018 deutlich positiv entwickelt, so die Investor Relations-Beratung IR.on AG.

Insgesamt seien 35 Emissionen von 30 Unternehmen mit einem platzierten Volumen von 1,14 Mrd. Euro (Vorjahr: 20 Emissionen; 791 Mio. Euro) durchgeführt worden. Dies entspreche einer Steigerung der Transaktionszahl gegenüber dem Jahr 2017 von 75% und des Volumens von 44%. Verglichen mit dem angestrebten Zielvolumen der Anleiheemissionen von 1,62 Mrd. Euro habe die Platzierungsquote bei durchschnittlich rund 71% gelegen (Vorjahr: 93%). Der Kupon habe sich im Durchschnitt über alle Transaktionen um 52 Basispunkte auf 5,11% reduziert. Das ergebe ein von der Investor Relations-Beratung IR.on AG durchgeführter Jahresrückblick zum deutschen KMU-Anleihemarkt.

Klar dominierende Branche unter den 30 KMU-Anleiheemittenten in 2018 sei nach wie vor der Immobiliensektor gewesen (13 Unternehmen; 43%), in dem sich zahlreiche Unternehmen gestützt von einer hohen Investorennachfrage und dem günstigen Zinsniveau für eine Anleihefinanzierung entschieden hätten. Rang zwei hätten Finanzdienstleister und Beteiligungsunternehmen belegt (vier Emittenten; 13%), gefolgt von der Branche Erneuerbare Energien (drei Emittenten; 10%).

Knapp die Hälfte der Emissionen sei vollplatziert worden (17 Emissionen), zwei Anleihen befänden sich noch in der Platzierung, vier Anleiheemittenten hätten keine Angaben zum platzierten Volumen gemacht. Wesentlicher Faktor für den Emissionserfolg sei Kapitalmarkterfahrung. So liege bei den börsennotierten Emittenten die Vollplatzierungsquote mit 75% knapp doppelt so hoch wie bei Kapitalmarktneulingen (38%). Bei den Emissionsvolumina habe das Gros der Transaktionen zwischen 10 und 30 Mio. Euro (13 Anleihen) gelegen. Drei Emissionen (Accentro Real Estate, Ferratum und S Immo) hätten bei 100 Mio. Euro gelegen, größter Emittent sei DIC Asset mit 150 Mio. Euro gewesen (gemäß Studienkriterien die Obergrenze des KMU-Segments).

Bei den Laufzeiten hätten weiterhin fünf Jahre dominiert (18 Anleihen; 51%). Die Ausfälle seien in diesem Jahr nochmals deutlich zurückgegangen: von acht im Jahr 2017 auf drei ausgefallene Anleihen. Die Zahl der Insolvenzen habe sich von vier auf zwei reduziert (mybet Holding, Royal Beach), das ausgefallene Volumen sei deutlich von 832 Mio. Euro auf 5,2 Mio. Euro gesunken.

Zum Ausblick für 2019 habe IR.on neun im KMU-Segment aktive Emissionshäuser befragt. Im Durchschnitt würden diese für das kommende Jahr 21 Emissionen erwarten.

Florian Kirchmann, Senior Berater der IR.on AG: "Die Emissionshäuser sind mit ihrer Prognose optimistischer als zu Beginn des letzten Jahres (15 Emissionen), jedoch zurückhaltend im Vergleich zum tatsächlichen 2018er Niveau. Das zeigt zum einen die weitere Etablierung des Segments, zum anderen die bestehende Unsicherheit vor allem aufgrund des volatilen Kapitalmarktumfelds."

Bei den Zinssätzen gehe die Mehrheit der Emissionshäuser von stabilen bis leicht steigenden Kupons aus. Top-Branche bleibe der Immobiliensektor. Ein Rating und die Wahl des Börsensegments würden nach Einschätzung der Bankenvertreter eine untergeordnete Rolle für den Erfolg einer Emission spielen. Insgesamt sähen nahezu alle Häuser eine fortschreitende Professionalisierung des Segments.

Nachholbedarf gebe es im Bereich Kommunikation, wie die in der Studie untersuchten Basiskriterien für die Investor Relations-Arbeit zeigen würden. Florian Kirchmann: "Wir haben die IR-Webseiten der 30 Emittenten hinsichtlich grundlegender IR-Informationen untersucht und mit einem Transparenzindex ("IR.score") versehen. Ein Drittel der Webseiten (zehn Emittenten) entspricht mit einem Score von 3,5 oder niedriger nicht dem von Investoren geforderten Informationsstandard, darunter acht Kapitalmarktneulinge." (11.01.2019/alc/n/a)