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14.02.20 11:45
Schweden: Riksbank setzt anderen Schwerpunkt
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Riksbank beendete im Dezember letzten Jahres die fünfjährige Ära der Minuszinspolitik, so die Analysten der Helaba.

Die Zinserhöhung sollte jedoch nicht als eine grundsätzliche Abkehr von der Niedrigzinspolitik verstanden werden. Am Mittwoch habe die Notenbank entschieden, die Zinsen bei 0% zu belassen. Daran dürfte sich in diesem Jahr nichts ändern.

In einem von der Riksbank veröffentlichten Wirtschaftsbericht aus dem Jahr 2017 werde der Zusammenhang der Zinspolitik der schwedischen Notenbank mit der Taylor-Rule beschrieben.

Wie die meisten Notenbanken verfolge die Riksbank mit ihrer Geldpolitik primär das Ziel der Preisniveaustabilität. Dabei werde eine Inflationsrate von rund 2% als Zielgröße betrachtet. Um einschätzen zu können, an welchen Gesetzmäßigkeiten eine Zentralbank ihre Zinspolitik ausrichte, könne unter anderem die nach ihrem Erfinder benannte Taylor-Rule herangezogen werden. In diese würden die Abweichung vom Inflationsziel sowie die Produktionslücke einfließen. Darüber hinaus habe sich die schwedische Notenbank neben der Preisniveaustabilität das Ziel eines soliden Finanzsystems gesetzt. Sie berechne hierzu einen Indikator, welcher neben der Verschuldung der privaten Haushalte und der Unternehmen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt auch die Entwicklung der realen Hauspreise sowie die Stabilität des schwedischen Bankensektors umfasse.

Nach der Taylor-Rule hätte die Riksbank die Leitzinsen ab Mitte 2019 tendenziell senken müssen. Dennoch habe sie in einem wirtschaftlich schwierigerem Umfeld Ende 2019 die Leitzinsen von -0,25% auf 0% erhöht. Dementsprechend bestehe der Verdacht, dass in diesem Zeitraum eine Neuausrichtung der geldpolitischen Strategie vollzogen worden sei. Eine Antwort darauf liefere überzeugend der Financial Vulnerability Indikator: In Anbetracht des neuen Allzeithochs dieses Indikators könne die Zinserhöhung als eine Entlastung für den Finanzsektor interpretiert werden, der durch die Negativzinsen verstärkt belastet gewesen sei. Vor diesem Hintergrund erscheine es somit gerechtfertigt anzunehmen, dass die Riksbank in ihrer geldpolitischen Strategie aktuell der Finanzstabilität eine größere Bedeutung beimesse. Im Hinblick auf die laufende Strategiediskussion der Europäischen Zentralbank könnte die Neuausrichtung der Riksbank nach Einschätzung der Analysten der Helaba einen wertvollen Anstoß geben.

Nach der Taylor-Rule dürfte die schwedische Notenbank ihre Leitzinsen in diesem Jahr bei 0% belassen. Sollte sich das Risiko für die Finanzstabilität jedoch weiter erhöhen, könnte sich die Notenbank zu weiteren Zinserhöhungen gezwungen sehen. (14.02.2020/alc/a/a)



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