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23.09.21 14:00
Bank of England: Maßgeblicher Leitzins bleibt unverändert
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Heute hat das Monetary Policy Committee der Bank of England einstimmig beschlossen, den maßgeblichen Leitzins - also die Bank Rate - unverändert bei 0,10% zu belassen, so die Analysten der NORD LB.

Dies sei eindeutig zu erwarten gewesen. Auch an den QE-Programmen der Zentralbank seien keine Anpassungen vorgenommen worden. Diese Entscheidung sei allerdings nicht einstimmig getroffen worden. Neben Michael Saunders, der sich schon seit einiger Zeit für eine zügige Beendigung der Wertpapierkäufe der Notenbank ausspreche, habe nun auch David Ramsden für Anpassungen beim Quantitative Easing votiert. Diese Nachricht komme nach Auffassung der Analysten der NORD LB zwar nicht völlig überraschend, sie möge den einen oder anderen interessierten Beobachter aber dennoch verwundert haben.

Aufgrund der Inflationsentwicklung im Vereinigten Königreich habe es innerhalb der Notenbank jüngst einige Stimmen gegeben, die zumindest grundsätzlich die Notwendigkeit einer vorsichtigen und berechenbaren Neuausrichtung der britischen Geldpolitik thematisiert hätten. Inzwischen seien aber vermehrte Signale dafür zu beobachten, dass sich das Wirtschaftswachstum im Vereinigten Königreich wieder etwas abzukühlen beginne.

So sei heute beispielsweise gemeldet worden, dass der Markit Einkaufsmanagerindex für die britische Industrie im September nach noch vorläufigen Angaben von zuvor 60,3 auf nun "nur" noch 56,3 Punkte gefallen sei. Der wichtige Stimmungsindikator zeige damit zwar auch weiterhin ein klares Anziehen der ökonomischen Aktivität an, das Wachstum habe sich diesen Daten folgend aber doch wieder spürbar verlangsamt. Ganz offensichtlich würden die Knappheiten von verschiedenen Vorprodukten mittlerweile die Erholung der britischen Wirtschaft behindern. Aktuell seien die Probleme also klar auf der Angebotsseite zu verorten. Allerdings würden die Firmen offenkundig immer stärker die vorhandenen Preisüberwälzungsspielräume nutzen, was dann auch dämpfend auf die Nachfrage wirke. Damit zeichne sich zumindest zunächst ein etwas schwächeres Wirtschaftswachstum bei weiterhin hohen Inflationsraten ab.

Dieses ökonomische Umfeld spreche für eine auch weiterhin eher zögerliche Bank of England. Die Notenbank könnte daher bei einer möglichen Neuausrichtung ihrer Geldpolitik sogar noch vorsichtiger vorgehen, als die Finanzmärkte bisher schon erwartet hätten. Michael Saunders Gegenspieler Jonathan Haskel, der bereits jetzt vor einer zu zügigen Abkehr von der sehr expansiven Ausrichtung der Geldpolitik der Notenbank in London gewarnt habe, dürfte in den kommenden Monaten weitere Argumente zur Untermauerung seiner Position erhalten. Dennoch habe das Monetary Policy Committee heute nochmals betont, dass mittelfristig eine etwas weniger expansive Ausrichtung der Geldpolitik der Bank of England angebracht sein dürfte.

Fazit: Die Bank of England habe heute erwartungsgemäß keine Anpassungen an der Bank Rate vorgenommen. Für eine Verringerung der Wertpapierkäufe durch die Notenbank habe es am aktuellen Rand zwar keine Mehrheiten gegeben, inzwischen würden sich allerdings bereits zwei Entscheidungsträger für entsprechende Anpassungen aussprechen. Diese Nachricht könnte den einen oder anderen interessierten Beobachter der Geldpolitik in Britannien überrascht haben. Die Aufgabe der Notenbanker in London werde nun sicherlich nicht einfacher. Neben dem Problem von inzwischen höheren Inflationsraten würden sich nämlich mittlerweile auch gewisse Bremsspuren beim britischen Wirtschaftswachstum zeigen. Vor allem die jüngsten Entwicklungen bei den Immobilienpreisen dürften den Falken innerhalb des Monetary Policy Committee jedoch in die Karten spielen. (23.09.2021/alc/a/a)


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