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24.02.12 16:56
Anleihen Griechenland-Spekulation ging nicht auf
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zwar ist die Griechenland-Umschuldung in trockenen Tüchern, Jubellaune kam am Markt in dieser Woche aber nicht auf, so die Deutsche Börse AG.

"Man kann eigentlich nur reserviert auf die Verabschiedung des zweiten Rettungspakets für Griechenland reagieren", kommentiere die HSH Nordbank. Die eklatanten Zielverfehlungen, die die Troika seit dem ersten Rettungspaket beobachtet habe, hätten keinerlei Euphorie über die Einigung vom 21. Februar zugelassen.

Wie beschlossen worden sei, wollten private Gläubiger auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten, der Rest solle in neuen Anleihen getauscht werden, deren Zinssatz stufenweise von 2,0 auf 4,3 Prozent steige. Experten zufolge summiere sich der Verlust damit auf über 70 Prozent. "Auch wenn der private Sektor den Schuldenschnitt im erforderlichen Umfang akzeptiert, wird es Griechenland schwer haben, die gemachten Zusagen einzuhalten", meine die Commerzbank.

Bundesanleihen als sicherer Hafen würden daher gesucht bleiben. Der Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) habe zu Wochenbeginn etwas geschwächelt, habe in den folgenden Tagen aber wieder zugelegt und notiere heute mit 138,90 Prozent wieder in der Nähe seines Allzeithochs. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen liege aktuell bei 1,88 Prozent.

Die Wette auf Griechenland-Anleihen sei jedenfalls nicht aufgegangen, nach dem Treffen der EU-Finanzminster und der Bekanntgabe der detallierten Konditionen des privaten Schuldenverzichts hätten die Papiere gehörig nachgegeben. Die im März fällige Anleihe (ISIN GR0110021236 / WKN A0T6US) sei von 39 auf 28 Prozent, das im Mai fällige Papier (ISIN GR0124018525 / WKN 830275) von 28 auf unter 24, das im August fällige (ISIN GR0114020457 / WKN A0LN5U) von 26 auf ebenfalls unter 24 Prozent gesackt.

"Viele hatten in letzter Zeit Anleihen gekauft, in der Hoffnung, dass Privatanleger nicht vom Schuldenschnitt betroffen sein werden und die Anleihe zum Nennwert zurückbezahlt bekommen", erläutere Arthur Brunner von ICF Kursmakler. "Diese Spekulation ist nicht aufgegangen, weil mittels einer Collective-Action-Clause alle Anleihegläubiger zum Anleihetausch gezwungen werden." Zumindest am gestrigen Donnerstag hätten allerdings einige wenige noch auf ein Entkommen gehofft, für die Anleihen sei es wieder etwas nach oben gegangen, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft ergänze.

Am heutigen Freitag würden alle auf das offizielle Angebot der Griechen an die privaten Gläubiger warten, bemerke ein Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank: "Das soll heute kommen." Dann könnte es mit dem Handel vorbei sein, zumindest kurzfristig: "Wenn das Angebot herausgeht, werden die Anleihen wahrscheinlich vom Handel ausgesetzt", erkläre Daniel.

Italien habe sich am heutigen Freitag unterdessen abermals zu günstigeren Konditionen refinanzieren können: Bei einer Auktion von Nullkuponanleihen mit Fälligkeit im Jahr 2014 sei die Rendite spürbar zurückgegangen, zugleich habe die Nachfrage angezogen. Entspannung zeige auch weiter der irische Anleihenmarkt.

Der Handel mit Unternehmensanleihen gestalte sich weiter lebhaft. Nach Spekulationen über eine Kooperation zwischen Peugeot Citroen und General Motors hätten die Umsätze in Peugeot-Anleihen (ISIN XS0542174395 / WKN A1A06A, ISIN XS0563144079 / WKN A1A36E) etwas angezogen, die Kurse seien gestiegen, wie Daniel erkläre. Presseberichten zufolge würden die beiden Konzerne eine umfangreiche Zusammenarbeit planen, die den Einkauf, die Entwicklung von Modellen, den Bau von Fahrzeugen und den Vertrieb umfassen solle.

Anleihen von Solarunternehmen würden hingegen in die Knie gehen nach der Ankündigung der Bundesregierung, die Förderung von Solarenergie schon ab März drastisch zu kappen. Die Hellwig Wertpapierhandelsbank habe daraufhin Kursrückgänge bei SolarWorld-Anleihen (ISIN XS0478864225 / WKN A1CR73, ISIN XS0641270045 / WKN A1H3W6) beobachtet. "Außerdem haben die Zahlen von Solarworld enttäuscht", ergänze Rainer Petz von Close Brothers Seydler. Das Unternehmen habe im abgelaufenen Geschäftsjahr zwar abermals die Umsatzmilliarde erreicht, das operative Ergebnis sei aber ins Minus gerutscht.

Der Handel mit Nachranganleihen (ISIN DE000CB07899 / WKN CB0789, ISIN DE000CB83CE3 / WKN CB83CE) der Commerzbank sei im Übrigen ausgesetzt worden, nachdem die Bank gestern überraschend eine weitere Kapitalerhöhung angekündigt habe. Besitzer von Nachrangkapital könnten ihre Anleihen bis zum 3. März in Aktien tauschen. "Erst am Montag soll der Handel wieder aufgenommen werden", erkläre Daniel. Laut Hellwig Wertpapierhandelsgesellschaft hätten sich die Anleihen schon vorab auf dem erwarteten Preisniveaus eingependelt.

Gewinne hätten daneben zwei Schäffler-Anleihen (ISIN XS0741938624 / WKN A1G0J3, ISIN XS0741939788 / WKN A1G0J5) bei großen Umsätzen verbucht, wie Brunner melde. Auf den Verkaufslisten stehe Daniel zufolge eine Anleihe (ISIN XS0532178000 / WKN A1AZX0) des niederländischen Telekommunikationsunternehmens UPC Holding, während Anleger bei IVG- (ISIN DE000A0JQMH5 / WKN A0JQMH) und Air Berlin-Anleihen (ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C) zugegriffen hätten.

Ausgesprochen gut komme Petz zufolge weiter die neue Mittelstandsanleihe des Recycling-Unternehmens Scholz (ISIN AT0000A0U9J2 / WKN A1MLSS) an. Der Händler spreche von "sehr guten Umsätzen" und einer regen Nachfrage, gerade auch von Seiten der Privatkundschaft. Das im Entry Standard gelistete Papier habe eine Laufzeit von fünf Jahren und sei mit einem Kupon von 8,50 Prozent ausgestattet. "Heute wird die Anleihe zu 104,38 Prozent gehandelt, das macht eine Rendite von 7,42 Prozent."

Wie aufnahmefähig derzeit der Markt für Neuemissionen qualitativ guter und bekannter Unternehmen sei, zeige laut Klaus Stopp von der Baader Bank das Beispiel einer Neuemission von ThyssenKrupp (ISIN DE000A1MA9H4 / WKN A1MA9H) über 1,25 Milliarden Euro. "Innerhalb kürzester Zeit wurde das Fünffache an Zeichnungen abgegeben", erkläre der Händler. Die Anleihe werde 2017 zurückbezahlt und verzinse sich jährlich mit 4,375 Prozent, die Stückelung liege bei 1.000 Euro. Heute werde die Anleihe zu 102 Prozent gehandelt. "Das macht eine Rendite von 3,81 Prozent", füge Petz hinzu. (24.02.2012/alc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

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